Kleine Fische im globalen Netz

"Cyber-Bankräuber" verurteilt

18.11.2013
Weltweit verschwanden plötzlich Millionen aus Geldautomaten. Einer der am besten vorbereiteten und organisierten "Bankraube" aller Zeiten, meint ein Staatsanwalt. Zwei Mittäter wurden jetzt in Düsseldorf verurteilt.
Kreditkartenbetrug
Kreditkartenbetrug
Foto: Polizei Düsseldorf

Die nächtlichen Gestalten am Geldautomat einer Bankfiliale in Düsseldorf waren vermummt und brauchten ungewöhnlich lange. Permanent rasselte die Geldausgabe. Ein 68 Jahre alte Rentner schöpfte Verdacht. Er rief die Polizei, und die nahm ein ungewöhnliches Duo fest: Mutter Willemina (56) und Sohn Eduard (35) aus Den Haag in den Niederlanden. Dass sich der Vorfall in dieser Nacht in weltweit 23 Ländern und in neun deutschen Städten in ähnlicher Weise wiederholte und das Pärchen Teil eines spektakulären globalen "Cyber-Bankraubs" war, ahnten die Beamten noch nicht.

Am Freitag bekamen Mutter und Sohn die Quittung für den verhängnisvollen Auftrag unbekannter Hintermänner: Jeweils zu vier Jahren und drei Monaten Haft wurden beide vom Düsseldorfer Landgericht verurteilt - wegen schweren Computerbetrugs in 72 Fällen und Fälschung von Zahlungskarten.

In der Nacht zum 20. Februar hatten sie in Düsseldorf 170 000 Euro mit Kreditkarten-Dubletten, sogenannten White Plastics, abgehoben. Das Geld stellte die Polizei sicher.

Weltweit wurden in dieser Nacht in wenigen Stunden insgesamt 34 Millionen Euro von Bankautomaten abgehoben - 36 000 Abhebungen wurden registriert. Alle Teams hielten sich peinlich genau an die Limits und vermieden so, dass die Karten gesperrt wurden. "Es war einer der am besten vorbereiteten und organisierten Bankraube aller Zeiten", sagte Staatsanwalt Murat Ayilmaz in seinem Plädoyer. Er hatte sechs Jahre Haft gefordert.

In Dortmund, Duisburg, Frankfurt, Mannheim, Koblenz, Hamburg, Bremen, Essen und Düsseldorf wurden insgesamt 1,8 Millionen Euro abgehoben. Bei den beiden Niederländern in Düsseldorf wurden Handys mit Prepaid-Karten entdeckt, die eigens für die Tat verwendet wurden. In ihnen waren die Nummern der Teams gespeichert, die in den anderen Städten zuschlugen. Nur aus Düsseldorf kam bald keine Antwort mehr auf die SMS, mit denen sie kommunizierten.

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