Android-Herausforderer

Cyanogen bekommt weitere 80 Millionen Dollar

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Cyanogen, die Firma hinter dem populären Custom-ROM "Cyanogenmod", hat eine dritte Finanzierungsrunde über 80 Millionen Dollar abgeschlossen.

Zu den Geldgebern gehört allerdings nicht wie im Vorfeld spekuliert Microsoft, berichtet unter anderem das "Wall Street Journal". Cyanogen, das jetzt ingesamt 110 Millionen Dollar Wagniskapital eingesackt hat, wird laut Insidern nun mit rund 650 Millionen Dollar bewertet. Das Series-C-Funding wurde angeführt von PremjiInvest des Wipro-Chairman Azim Premji und Index Ventures aus dem Silicon Valley. Weitere Neuinvestoren sind Qualcomm, die Beteiligungsarme von Telefonica und Twitter sowie der Medienmogul Rupert Murdoch. Auch die Altinvestoren Benchmark, Andreessen Horowitz, Redpoint Ventures und Tencent Holdings waren wieder mit von der Partie.

Cyanogenmod wirbt sogar frech damit, dass es Herstellergarantien verletzt.
Cyanogenmod wirbt sogar frech damit, dass es Herstellergarantien verletzt.
Foto: Cyanogenmod

Cyanogen mit Sitz in Palo Alto entwickelt ihr kommerzielles Produkt Cyanogen OS und das ursprüngliche Cyanogenmod auf Basis der Open-Source-Version von Android (AOSP) und liefert ihre Alternativen standardmäßig ohne die ganzen Google-Dienste aus. Nutzer, die auf diese nicht verzichten möchten, können sie aber recht einfach nachinstallieren.

Google verlangt von Smartphone-Herstellern, die auf Dienste wie Google Maps oder YouTube zugreifen wollen, dass sie auch andere Apps von Google installieren und diese auch prominent auf den Geräten platzieren. Darüber haben sich Konkurrenten, unter anderem auch Microsoft (das aufgrund seiner Patente fast alle Anbieter aus dem Android-Lager für jedes verkaufte Device zur Kasse bittet), im vergangenen Jahr bei europäischen Kartellwächtern beschwert.

Qualcomm, dessen Chips(ätze) in sehr vielen Smartphones stecken, hatte kürzlich eine Partnerschaft mit Cyanogen angekündigt und will dessen Software in Hardware-Designvorlagen für Computerhandys auf Basis seiner "Snapdragons" übernehmen. Dass der Chipriese zu den Investoren zählt, wertet das "WSJ" als Hinweis darauf, dass die Branche auf der Suche nach Alternativen zu der von Google dominierten Android-Version ist.