Konstanzer wollen 1990 schwarze Zahlen schreiben

CTM setzt auf UNIX-Workstations

01.12.1989

HANNOVER (dow) - Bereits im kommenden Jahr will die CTM Computertechnik Müller GmbH wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Konstanzer Workstation-Hersteller mußte 1988 Verluste in Höhe von 20 Millionen Mark in die Bücher schreiben.

Während der nächsten fünf Jahre will das Unternehmen den Umsatz - vor allem durch die Ankurbelung des Auslandsgeschäftes - auf 400 Millionen Mark per annum steigern.

Ein neues Management und eine veränderte Vertriebsstruktur sollen der gestrauchelten ehemaligen SEL-Tochter wieder auf die Beine helfen. Im Juli stiegen die beiden Ex-Commodore -Manager Harald Speyer und Walter Bartholomä als geschäftsführende Gesellschafter mit einer Beteiligung von 67,2 Prozent in das Unternehmen ein (CW Nr. 28 vom 7 Juli).

Im Rahmen ihres Konzeptes zur Restrukturierung des Unternehmens wurde jetzt die Geschäftsstelle in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover zur ersten unabhängigen Gesellschaft umgestaltet; sie war zuvor eine der insgesamt 16 inländischen Filialen der ehemaligen SEL-Tochter. In der Region zwischen der Grenze zur DDR im Osten Hannovers, Paderborn im Westen sowie Kassel im Süden wollen die dreißig Mitarbeiter des Systemhauses in Hannover im nächsten Jahr rund 12 Millionen Mark Umsatz erwirtschaften. Geschäftsführender Gesellschafter der neugegründeten Vertriebsgesellschaft ist

Hans-Joachim Wegener, ebenfalls ein ehemaliger Commodore-Mann Dort war er unter anderem für die Bereiche Behörden, Verbände und Wissenschaft tätig.

Keine Abkehr vom Itos-Betriebssystem

Umgewandelt in Systemhäuser, sollen sich die früheren Geschäftsstellen künftig als Spezialisten in Fragen der Beratung und Betreuung beim Kunden engagieren, erläuterte Speyer das Konzept der Zusammenarbeit. Die CTM in Konstanz mit ihren rund 600 Mitarbeitern übernimmt ihrerseits lediglich das Großkundengeschäft und will sich künftig auf die Entwicklung und Produktion von Rechnersystemen konzentrieren.

"CTM soll für deutsche Qualität stehen", beschreibt ein Sprecher das von den Marketingstrategen gewünschte Image des Unternehmens. Fertigungsstätten entstehen unter anderen in Schwarzwald; sie nehmen voraussichtlich ab Januar die Produktion von PCs auf. Für 1990 ist der Verkauf von 50 000 Stück geplant. Den Vorteil der Entwicklung und Produktion im eigenen Lande sehen die CTM-Manager in der regionalen Nähe wichtiger Zulieferer von Komponenten, die ihrer Meinung nach nicht nur im Ausland zu finden sind. Zur nächsten CeBIT '90 wollen sie dann mit einem neuen 486er-PC der Itos-Reihe den Beweis erbringen, daß es möglich ist, in der Bundesrepublik Deutschland

leistungsfähige Computer zu entwickeln und zu bauen.

Auch eine neue Unix-Workstation mit RISC-Architektur soll rechtzeitig zur CeBIT`90 fertig sein. Gerade im Geschäft mit den neuen Workstations erwartet die CTM-Geschäftsführung künftig mit die größten Zuwächse. Eine Abkehr vom hauseigenen Itos-Betriebssystem ist nach Auskunft von CTM deswegen jedoch nicht vorgesehen. Zur Zeit bieten die Konstanzer ihren Itos-Kunden rund 15 000 Mark eine zusätzliche Steckkarte, die einen Wechsel zu Unix ermöglichen soll. +