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CSC spaltet deutschen Ableger

06.04.2005
Von CW-Bericht, Joachim
CSC Deutschland wird das Outsourcing- vom Beratungsgeschäft trennen. Geschäftsführer Peter Strabel fällt der Umstukturierung zum Opfer.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zehn Jahre nach der Übernahme der Ploenzke AG zieht CSC einen Schlussstrich unter die fruchtlosen Integrationsversuche. Künftig wird es in Deutschland neben der CSC Ploenzke AG eine CSC Deutschland GmbH geben. Letztere übernimmt das gesamte Outsourcing-Geschäft in Deutschland samt der dafür erforderlichen Delivery- (Leistungserbringungs-), Beratungs-, Verkaufs- und Systemintegrations-Kapazitäten. CSC Deutschland fügt sich nahtlos in die internationale Organisationsstruktur des Auslagerungsspezialisten ein. Die CSC Ploenzke AG soll sich dagegen auf Projektservices konzentrieren. Diesen Geschäftszweig führt CSC nur in Deutschland und wenigen anderen Ländern. Für globale Outsourcing- und Transformations-Deals mit nachhaltigem Einnahmenstrom, wie sie CSC als Kerngeschäft erachtet, sind diese Dienste unerheblich.

Die neue Struktur in Deutschland, die neben diesen beiden operativen Bereichen eine dritte Säule für interne Back-Office-Funktionen (Shared Service Center) vorsieht, muss noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Das oberste Kontrollgremium wird am 27.April zusammenkommen und dann auch über Personalfragen beraten und entscheiden. Geklärt ist bereits, dass für Peter Strabel, bislang Vorstandsvorsitzender der hiesigen Niederlassung und Chef der CSC-Region Central Europe, in der neuen Organisation kein Platz mehr ist. Er wird künftig globale Bestandskunden betreuen, deren Unternehmenszentrale in Europa ist. Dies sind zurzeit Bombadier und Zurich Financial Services (ZFS). Strabel verwaltet diese beiden Key Accounts und trägt keine operative Verantwortung mehr.

Auch Hans Wurzel wechselt ins europäische Team und wird dort die Partnerpflege im SAP-Umfeld übernehmen. Bislang war er als Mitglied des Vorstands verantwortlich für die Bereiche Industrie, Handel und Logistik. Fraglich ist, ob Hans Weise, derzeit Vorstand für die Bereiche Financial Services und Telecommunications in Zentraleuropa, seine bisherige Position behalten wird.

Die neuen starken Männer in Deutschland werden Martin Baumann und Paul Crouch sein. Baumann übernimmt die Geschäftsführung von CSC Deutschland, verantwortet also hierzulande das Outsourcing-Geschäft. Er kam erst im Juli vergangenen Jahres von EDS und war zuvor beim Debis Systemhaus und T-Systems in leitenden Positionen beschäftigt. Sein direkter Vorgesetzter wird Paul Crouch, der als Chief Operating Officer (COO) die Fäden in Deutschland und in der zentraleuropäischen Region in der Hand halten soll. Der künftige Chef der CSC Ploenzke AG ist bislang nur intern bekannt. Es wird aber kein Deutscher, also vermutlich auch kein ehemaliger Ploenzke-Mitarbeiter sein.

Mit den neuen Gesichtern und Strukturen versucht CSC einen Neustart in Deutschland. Der ist erforderlich, weil weder das Projekt- noch das Outsourcing-Geschäft in der Vergangenheit den Ansprüchen des internationalen Managements genügten. Mit Consulting- und Systemintegration schreibt CSC Ploenzke unternehmensnahen Quellen zufolge rote Zahlen. COO Crouch wollte keine Geschäftszahlen nennen, sagte im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE lediglich: "Wir sind zufrieden mit dem Geschäft, vor allem in den letzten Monaten hat es sich gut entwickelt. Natürlich strebt ein Unternehmen immer danach, die finanziellen Daten zu verbessern."

Im Outsourcing-Geschäft gelang CSC hierzulande kein großer Wurf. Die Auslagerungsprojekte mit der Deutschen Bank und Thyssen-Krupp - um beide hatte sich CSC beworben - gingen an die Konkurrenz. Der Bundeswehr-Deal scheiterte an den finanziellen Forderungen des Verteidigungsministeriums. CSC Ploenzke generiert in Deutschland bislang fast nur Einnahmen durch Outsourcing, wo internationale Abschlüsse des CSC-Konzerns lokal bedient werden mussten. Das sind vornehmlich die Auslagerungsprojekte mit Bombadier und Zurich Financial Services.

Angesichts dieser unbefriedigenden Situation hat das Europa-Management unter Leitung von Europa-Chef Guy Hains im vergangenen Jahr das interne "90 Tage Programm" initiiert. Im Rahmen dieser internen Analyse wurde offenkundig, dass CSC in Deutschland innerhalb einer Organisation zwei Geschäftsmodelle betrieb, die sich weder ergänzten und noch befruchteten. Auf der einen Seite gibt es bis jetzt das kleinteilige Projektgeschäft der Ploenzke-Welt. In ihm wird der Arbeitseinsatz je nach Aufwand (Time and Material) berechnet. Die Vorhaben erstrecken sich allenfalls über einige Monate, große Outsourcing-Deals nach CSC-Fasson sind aus diesen Aufträgen nie hervorgegangen.

Auf der anderen Seite gibt es das originäre CSC-Geschäft mit globalen und großen Outsourcing-Deals. Diese Vorhaben sind langfristig angelegt und sorgen für einen nachhaltigen Umsatzstrom. Sie beinhalten zudem tiefe Eingriffe in die IT- und Prozess-Landschaft der Kunden. Doch auch hier hat sich das internationale Transformations-Know-how der CSC-Experten verglichen mit dem Branchenwissen der lokalen Berater als sinnvoller erwiesen.

Als größtes Problem erkannte das Europa-Management im Rahmen des 90 Tage Programms schließlich, dass das derart gemischte Organisationsmodell dem eigentlichen CSC-Geschäft in Deutschland schadet, weil im Verkauf und Marktauftritt nach wie vor das Ploenzke-Image dominiert. Mit der neuen Organisation will man vor allem das Auslagerungsgeschäft stärken. "In der Vergangenheit lag der Schwerpunkt des Managed-Services-Geschäftsbereichs auf Delivery-Funktionen. Es gab keine eigenständige Verkaufsorganisation, die sich ausschließlich auf das strategische Outsourcing-Geschäft konzentrierte. Diese Aufgabe war Teil des integrierten Verkaufsteams von CSC Ploenzke", erläutert der künftige Outsourcing-Chef Baumann. "Wir werden nun eine Business-Development-Organisation aufbauen und dazu interne und externe Experten verpflichten, die nur große Auslagerungs- und Systemintegrations-Deals anbahnen müssen."

Bislang nahm CSC Ploenzke in Deutschland rund 60 Prozent des Umsatzes mit Consulting- und Systemintegrations-Diensten ein, 40 Prozent entfielen auf Outsourcing-Services. Das Verhältnis soll sich möglichst bald zugunsten der Auslagerungsdienste verändern. "Zurzeit erwarten wir, dass beide künftigen Bereiche wachsen werden. Das Geschäft mit Managed Services wird jedoch schneller zulegen, so dass der Outsourcing-Geschäftsbereich demnächst größer sein wird als das Projektgeschäft", sagte Crouch.