XT5 unterstützt AMD-Roadmap bis 2011

Cray setzt auf einfache Superrechner-Upgrades

29.06.2009
Von pte pte
Der Cray-XT5-Supercomputer "Jaguar" am Oak Ridge National Laboratory (ORNL) hat in der neuen 33. Liste der 500 rechenstärksten Supercomputer der Welt erneut mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen müssen.

Dabei sollte das System laut Ankündigung im November 2008 rechenstärker sein als IBMs Spitzen-Superrechner "Roadrunner". "Das ist nicht so schlimm. Uns interessiert die echte Anwendung mehr als Benchmarks", meint dazu Cray-CTO Steve Scott im Gespräch mit pressetext. Das gilt offenbar auch für das ORNL, denn laut Top-500-Herausgeber wurde keine Rechenzeit für neue Benchmarks verschwendet. Dabei könnte der Jaguar auf Dauer noch stärker werden. "Die XT-Systeme bieten den Vorteil, auf einfache Upgrades und Erweiterungen ausgelegt zu sein", betont Scott. Doch nicht nur im Top-Segment des High Performance Computing (HPC) ist Cray präsent. Mit dem Cray "CX1" hat man mittlerweile auch im Bereich der Desktop-Supercomputer Fuß gefasst.

Der 'Desktop-Supercomputer' Cray CX1
Der 'Desktop-Supercomputer' Cray CX1

Der derzeit zweitstärkste Cray-XT5-Rechner ist der "Kraken" an der University of Tennessee, der mit 463,3 Teraflops Rechenleistung aktuell Rang sechs im Top-500-Ranking belegt. Er illustriert konkret die Upgrade-Möglichkeiten der XT-Architektur. Derzeit nutzt der Kraken Quad-Core-Prozessoren vom Typ Opteron, die aber noch dieses Jahr AMDs nächster Server-Chip-Generation, dem sechskernigen Istanbul, weichen sollen. "Dann wird Kraken über ein Petaflop Rechenleistung erreichen", sagt Scott. Damit wird der Superrechner in einen elitären Kreis vorstoßen, dem laut aktueller Top-500-Liste selbst nach theoretischer Maximalleistung bislang nur Jaguar, Roadrunner und Jugene am Forschungszentrum Jülich angehören. Mit einem einfachen Tausch kleiner Komponenten werden XT5-Systeme sogar noch leicht auf AMDs Server-Chipgeneration des Jahres 2011 aufrüstbar sein, so Scott - was eine rund viermal höhere Rechenleistung bedeuten würde als derzeit.

Die vergleichsweise leichte Aufrüstbarkeit der XT-Systeme soll dazu beitragen, die Gesamtkosten eines leistungsstarken HPC auch über mehrere Jahre in Grenzen zu halten. Allerdings weist die Top-500-Liste aus, dass der Jaguar mit 6950,60 Kilowatt fürs Gesamtsystem einen rund 2,8 Mal so hohen Strombedarf habe wie Roadrunner. "Die AMD-Chips sind größere Stromfresser als die IBM-Prozessoren", meint Scott zwar. Allerdings sei der Unterschied teils auf andere Faktoren wie den größeren Speicher des Jaguar und letztendlich auch auf die Upgrade-freundliche Architektur zurückzuführen. Er habe zwar keine genauen Zahlen, schätze aber, dass der Stromverbrauch pro Flop Rechenleistung mit AMDs Prozessoren aus dem Jahr 2011 um etwa den Faktor drei niedriger liegen werde als heute, so der Cray-CTO.

Mit der XT-Familie erobert Cray das absolute Top-Segment der Supercomputer zurück, das der Hersteller speziell in den 1970ern und 1980ern dominiert hatte. "Wir versuchen auch, die HPC-Industrie in die Breite zu treiben", betont Scott. Dabei setzt man besonders auf die Ende 2008 vorgestellten Systeme vom Typ CX1. "Sie bieten eine Desktop-ähnliche Umgebung bei HPC-Leistung", meint der Cray-CTO. Mit der Lösung, die sich an Ingenieure und industrielle Arbeitsgruppen richtet, dringt das Unternehmen in ein für Cray ungewohntes Marktsegment ein. Gerade im Bereich der Hochleistungs-Desktops bekommt man es schon jetzt verstärkt mit der Verwendung von Grafikprozessoren (GPUs) für Rechenanwendungen zu tun, unter anderem in Form von Selbstbau-Rechnern von Wissenschaftlern. "Kurzfristig gesehen ist die Zeit noch nicht wirklich reif für GPU-basiertes Computing", meint Scott. Allerdings plane Cray, die Verwendung von GPUs für Rechenaufgaben zu unterstützen, sobald man die Zuversicht habe, dafür eine einfache, sinnvolle Programmierumgebung bereitstellen zu können. (pte)