Containerisierung

CoreOS und Docker haben sich überworfen

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Software-Container sind der neue "heiße Scheiß" nach Virtualisierung. Docker und CoreOS, die hier bislang eng zusammengearbeitet hatten, gehen jetzt getrennte Wege.

CoreOS bietet ein Linux-basierendes Betriebssystem für Hyperscale-Server-Umgebungen an und hatte dafür bisher Docker-Container verwendet. Jetzt entwickelt CoreOS aber eine eigene Container-Runtime ("Rocket"), weil es mit der strategischen Ausrichtung von Docker unzufrieden ist.

Alex Polvi, CEO von CoreOS
Alex Polvi, CEO von CoreOS
Foto: Polvi via Twitter

"Wir dachten, Docker würde eine einfache Einheit werden, auf die wir uns alle einigen können", schreibt CoreOS-Chef Alex Polvi in seiner Ankündigung. "Unglücklicherweise ist aber keine einfach, wiederverwendbare Komponente herausgekommen. Docker baut jetzt Tools zum Starten von Cloud-Servern, Systeme für Clustering und jede Menge Funktionen: Images bauen, Images laufen lassen, Hochladen, Runterladen und irgendwann sogar noch Overlay-Networking, alles kompiliert zu einer monolithischen Binary, die primär als Root auf Ihrem Server läuft."

Statt der ursprünglichen Standard-Architektur für Container, die Entwicklern (und Firmen wie CoreOS) das Leben leichter macht, habe sich Docker deutlich breiter aufgestellt - speziell seit es große Summen Wagniskapital erhalte - und baue nun Tools, an denen auch Firmen aus seinem Ökosystem werkelten, argumentiert Polvi. "Wir sollten aufhören, von Docker-Containern zu reden, und stattdessen von der Docker-Plattform sprechen", schreibt der CoreOS-Chef weiter. "Das wird nicht der einfache zusammensetzbare Building Block, den wir vor Augen hatten."

Foto: CoreOS

Den Funktionsbaustein will CoreOS, das übrigens von Linux-Halbgott Greg Kroah-Hartman beraten wird, mit Rocket nun also selbst entwickeln. Rocket ist als Kommandozeilen-Tool für das Ablaufen von etwas angedacht, das CoreOS "App-Container" nennt - die genauen Specs dafür müssen allerdings noch festgezurrt werden. CoreOS hätte Docker natürlich auch einfach forken können (das Projekt ist schließlich immer noch Open Source) - aber das wollte Polvi offenbar nicht, weil er Dockers Prozessmodell für "grundlegend fehlerhaft" hält. Ungeachtet dessen wird CoreOS Docker aber auch weiterhin unterstützen. Ein erster Rocket-Prototyp liegt unterdessen auf Github bereit.