Mittelklasse-Smartphone mit vielen Extras

Coolpad Max im Kurztest

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Der chinesische Anbieter Coolpad will sich mit „Premium-Mittelklasse“-Smartphones mit besonderen Extras einen Namen machen. Im Test konnte das Coolpad Max mit doppeltem Android-Betriebssystem aber leider nicht voll überzeugen.
Das Coolpad Max bietet viele Premium-Funktionen zum kleinen Preis.
Das Coolpad Max bietet viele Premium-Funktionen zum kleinen Preis.
Foto: Coolpad

Aluminium-Body, 5,5-Zoll Curved HD-Display, 4 GB RAM, 64 GB Speicherplatz, Fingerprint-Reader, und, und, und… Zumindest auf dem Papier bietet das knapp 350 Euro (UVP) teure Coolpad Max Features, für die der Nutzer bei Apple, Samsung & Co. den doppelten, wenn nicht sogar dreifachen Betrag hinlegen muss. Hinzu kommen Eigenschaften, die es bei einigen anderen Herstellern nicht für Geld und gute Worte gibt: Wie viele andere Coolpad-Modelle besitzt auch das Max zwei SIM-Karten-Slots, wovon einer auch für Micro-SD-Karten genutzt werden kann.

Privater Bereich für Geheimniskrämer

Darüber hinaus verfügt das Gerät über zwei separate Android-Partitionen (Dual Space): ein normales Android und ein durch Zugangssperre, Nachrichtenverschlüsselung und Virenscanner gesicherten Android, so dass ein User etwa eine private Arbeitsumgebung einrichten kann und eine besonders geschützte fürs Business. Wobei die (ernsthafte) geschäftliche Nutzung eingeschränkt ist, da der Bereich anders als etwa bei Lösungen von Blackberry (Balance) oder Samsung (Knox) nicht remote via MDM verwalten lässt. Immerhin lassen sich damit zwei separate Accounts für beispielsweise WhatsApp, Skype oder Facebook auf einem Gerät führen. Außerdem besteht die Möglichkeit, den privaten Bereich im Menü komplett zu verstecken und nur durch einen Fingerabdruck zu aktivieren.

Das Schlüssel-Icon führt zum abgeriegelten und besonderes gesicherten Private Space.
Das Schlüssel-Icon führt zum abgeriegelten und besonderes gesicherten Private Space.
Foto: Coolpad

Einen großen und einen kleinen Nachteil hat Dual Space auf dem Coolpad Max allerdings: Aktuell ist Android 5.1.1 Lollipop installiert, ein Update auf Android 6 (oder höher) wird es für das Gerät laut Auskunft von Christoph Lichtenberg, Country Manager Deutschland und Schweiz bei Coolpad, wegen Dual-Space nicht mehr geben. Eher zu verkraften ist, dass das Feature nur mit dem hauseigenen Launcher Cool UI verwendet werden kann. Dieser taucht die Ansicht in ein Gold-Braun, was für eine "coole" Optik sorgt, die Nutzung aber etwas erschwert.

Hardware vom Feinsten - für die Preisklasse

Hardwareseitig hält sich Coolpad beim Max mit vergleichbaren Alleinstellungsmerkmalen zurück, trumpft aber mit für diese Preisklasse selten hochwertigen Komponenten auf. So besteht das Unibody-Gehäuse des Smartphones aus Flugzeug-Aluminium, das kugelgestrahlt und anodisiert wurde. So edel das Gerät damit auch aussieht - das Material macht das Coolpad Max mit 170 Gramm nicht eben leicht. Außerdem liegt es mit seinen eckigen Kanten nicht unbedingt angenehm und sicher in der Hand, die Bedienung mit einer Hand ist nicht zuletzt auch wegen der Größe ein gefährlicher Balanceakt.

Doch zurück zu den positiven Seiten: Das IPS-Display - im unteren Preissegment gerne ein Punkt zum Sparen - löst bei 5,5 Zoll mit 1920 mal 1080 Pixeln (FullHD, 401ppi) auf. Außerdem ist es gemäß dem aktuellen Trend an den Kanten abgerundet (2.5D Curved), besitzt eine Anti-Fingerprint-Beschichtung und wird durch Corning Gorilla Glass 4 vor Beschädigungen geschützt.

Praktisch ist auch der auf der Rückseite angebrachte Fingerabdrucksensor, der sich für fünf Finger mit jeweils unterschiedlichen Aktionen oder Apps belegen lässt. Im Praxistest überraschte der Fingerprint-Leser nicht nur mit einer sehr kurzen Reaktionszeit, sondern auch mit der problemlosen Erkennung der Fingerabdrücke.

13-MP-Kamera und Fingerabdrucksensor auf der Rückseite
13-MP-Kamera und Fingerabdrucksensor auf der Rückseite
Foto: Coolpad

Klotzen statt kleckern war offenbar auch das Motto von Coolpad bei der Auswahl der Kameraobjektive. Bei der 13-Megapixel-Hauptkamera des Coolpad Max handelt es sich um eine ISOCELL CMOS von Samsung mit BSI-Modus und Sechsfachlinse, hinzu kommen zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten im Kamera-Menü. Auch an Selfie-Freunde hat Coolpad gedacht: Die 5-Megapixel- Kamera auf der Vorderseite des Smartphones erlaubt es, das eigene Portrait auf 25 Ebenen zu verschönern.

Und noch ein Merkmal, das vorzugsweise im Hochpreissegment zu finden ist, hat das Coolpad Max vorzuweisen: Einen Qualcomm-Snapdragon-Chipsatz. Das Gerät wird angetrieben von dem OctaCore-Prozessor Qualcomm Snapdragon 617 (MSM8952) mit einer Taktrate von 1,5 GHz, Adreno 405 GPU und Zugriff auf 4 GB RAM. Dieser gibt sich im normalen Praxisbetrieb kaum Blößen, wenn man von etwas Wärmeentwicklung bei Belastung absieht. Dass es sich beim Snapdragon 617 nicht gerade um einen Boliden handelt, zeigen erst Benchmark-Tests wie Antut oder Quadrant Standard, bei denen das Coolpad Max eher mittelmäßig abschneidet.

Einen guten Eindruck machte im Praxistest auch der - fest verbaute - Akku: Mit einer Kapazität von 2.800 mAh bringt er das Smartphone nicht nur problemlos - bei normalem Einsatz - über den Tag, dank Schnellladeunterstützung genügen auch schon fünf Minuten an der Steckdose, um das Gerät weitere zwei Stunden am Leben zu erhalten.

Nach so viel Positiven gibt es allerdings auch kleinere Dinge zu bemängeln. So könnte den einen oder anderen Interessenten etwa stören, dass das Coolpad Max kein NFC unterstützt oder dass sich unter den beiden Lochreihen am unteren Ende des Geräts keine Stereo-Lautsprecher, sondern nur ein einfacher Mono-Lautsprecher versteckt.

Auch in Sachen Konnektivität gibt es Lücken. So unterstützt das Coolpad Max zwar WLAN g/n/ac mit Wifi Direct im 5-Gigahertz- oder 2,4-Gigahertz-Band sowie Bluetooth 4.0. Beim Mobilfunk fehlt das LTE-Band 20 (800 Mhz), es werden nur die Frequenzbereiche um 1800 Mhz (Band 3), 2100 Mhz (Band 1) sowie 2600 Mhz (Band 7) unterstützt. Dieses Manko hat hierzulande insbesondere für Kunden von Vodafone und O2 schwerwiegende Konsequenzen, da die beiden Mobilfunkanbieter die 800-Mhz-Frequenzen aus der Digitalen Dividende nicht nur zur Erschließung ländlicher Regionen nutzen, sondern auch zum günstigen LTE-Ausbau in Städten. Und tatsächlich hatte das Gerät während des gesamten Testzeitraums zu keiner Zeit LTE-Empfang - ein absolutes No-Go, wenn im Mobilfunkvertrag enthalten.

Fazit: Auf einem guten Weg

Das Coolpad Max sieht mindestens doppelt so teuer aus.
Das Coolpad Max sieht mindestens doppelt so teuer aus.
Foto: Coolpad

Auch wenn Coolpad mit dem - ohnehin nur in beschränkter Stückzahl verfügbaren - Modell Max sicher keinen Volltreffer gelandet hat, ist die Strategie des Unternehmens nicht verkehrt: Je mehr Smartphones zu Commodity werden, desto weniger sind Preise von 600 Euro und mehr gerechtfertigt. Und während die Bedeutung von Markennamen zurückgeht, könnten sich eine großzügige Ausstattung, üppiges Zubehör und so besondere Features wie der Dual Space einprägen - genauso, wie Schwächen wie das fehlende LTE-800-Band oder eine laxe Update-Politik hierzulande einen faden Nachgeschmack hinterlassen.