Einnahmen eingebrochen

Consulting-Branche unter Druck

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Krise hat die Beratungshäuser schwer getroffen. Einen Strukturwandel erwarten Marktbeobachter dennoch nicht.
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Die Umsätze der Berater sind im vergangenen Jahr ähnlich dramatisch eingebrochen wie nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Die Marktforscher von PAC beziffern den Rückgang des IT-Consulting-Geschäfts auf 6,7 Prozent. Damit sind die Einnahmen der Beratungshäuser stärker geschrumpft als die deutsche Gesamtwirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts um fünf Prozent gegenüber Vorjahr zurückgegangen (siehe Kasten "Der Markt für IT-Beratung"). Die Flaute in der IT-Beratung ist der allgemeinen Rezession geschuldet, meinen Marktbeobachter und Branchenvertreter. Eine strukturelle Krise sehen sie nicht. Das Projektgeschäft reagiere immer stark auf gesamtwirtschaftliche Entwicklungen.

Mitte 2010 geht es wieder aufwärts

"Der Markt war in der Tat schon immer sehr volatil, wobei die Ausschläge nicht mehr ganz so extrem ausfallen. Die Marktentwicklung orientiert sich am Bruttoinlandsprodukt, aber mit starken Ausschlägen", beschreibt Tobias Ortwein, Berater beim Marktforschungshaus PAC, die Lage.

Matthias Hartmann, IBM Global Business Services: "Seit Ende 2009 verzeichnen wir auch im klassischen Beratungsgeschäft wieder starkes Wachstum."
Matthias Hartmann, IBM Global Business Services: "Seit Ende 2009 verzeichnen wir auch im klassischen Beratungsgeschäft wieder starkes Wachstum."
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Im Vergleich zur letzten großen Krise nach dem Ende der New Economy erwarten die Marktbeobachter aber eine raschere Erholung des Marktes. "Seit dem vierten Quartal 2009 verzeichnen wir auch im klassischen Beratungsgeschäft wieder starkes Wachstum. Das ist ein gutes Zeichen für 2010, gerade für das Geschäft mit den kurzfristigen und konzeptionellen Projekten", beschreibt Matthias Hartmann, seit kurzem verantwortlich für die weltweite Strategie der Consulting-Sparte IBM Global Business Services, den Geschäftsverlauf des Anbieters in Deutschland.

Diese schnelle Erholung ist jedoch ein Einzelfall und spiegelt nicht die Marktentwicklung wider. Laut PAC-Prognose wird das Geschäft mit IT-Beratungsprojekten in diesem Jahr insgesamt leicht wachsen, während die Einnahmen mit Systemintegrations- und Softwareentwicklungsdiensten weiter zurückgehen werden. Der Gesamtmarkt, der die IT-Beratung, die Systemintegration und das Schulungsgeschäft umfasst, schrumpft zunächst weiter, doch ab Mitte des Jahres geht es wieder leicht aufwärts. 2011 wächst die Branche wieder kräftiger.

Die Krise nach dem Platzen der Dotcom-Blase zog sich dagegen über mehrere Jahre hin. Sie hat die Branche ordentlich durcheinandergewirbelt und die Firmen veranlasst, ihre Geschäftsmodelle und Strukturen zu überarbeiten. Die damalige Praxis, unerfahrene Consultants auf Kosten der Kunden Projekterfahrung sammeln zu lassen, ist passé. Heute sind die Häuser bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter umsichtiger. "Berater müssen einen Hintergrund haben, aus dem klar hervorgeht, dass sie sich zügig in neue Themen einarbeiten können. Sie müssen die Fähigkeit haben, sehr schnell sehr gut zu werden", schildert Antonio Schnieder, Vorsitzender der Geschäftsführung der deutschen Capgemini-Niederlassung und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU), die veränderten Anforderungen an neue Kollegen.

Der Markt für IT-Beratung

Die deutschen IT-Beratungshäuser haben im vergangenen Jahr nach Zählung des Marktforschungshauses Pierre Audoin Consultants (PAC) insgesamt gut 15 Milliarden Euro mit Projekt-Dienstleistungen eingenommen. Im Jahr zuvor waren es noch rund 16 Milliarden Euro. Damit ist der Markt um 6,7 Prozent eingebrochen, und auch in diesem Jahr erwarten die Analysten noch keine durchgängige Erholung. Der Gesamtmarkt wird im Jahresmittel noch einmal leicht schrumpfen. PAC unterscheidet drei Disziplinen innerhalb der Projektservices:

  • Die Einnahmen mit IT-Consulting (etwa Prozess-, IT-Architektur- und IT-Management-Beratung) waren im vergangenen Jahr um 5,2 Prozent rückläufig und sollen sich in diesem Jahr wieder leicht erholen. Über das gesamte Jahr 2010 hinweg dürfen die IT-Berater hier mit um 1,4 Prozent wachsenden Einnahmen kalkulieren. Im Gesamtmarkt der Projektservices stammt etwa jeder fünf Euro aus dem Beratungsgeschäft.

  • Knapp drei Viertel ihres Umsatzes erzielt die Branche mit Systemintegrations- und Softwareentwicklungsaufträgen. Dieser Teilmarkt ist unter erheblichen Druck geraten. Im Jahr 2009 mussten die Anbieter einen Rückgang von 6,8 Prozent verkraften, und auch 2010 wird das Geschäft schrumpfen. Die Analysten rechnen mit einem Minus von 1,3 Prozent.

  • Den stärksten Einbruch verzeichneten die Schulungsanbieter. Die Einnahmen mit IT-Trainings-Services schrumpften um 9,1 Prozent. Wie immer sparen die Unternehmen in wirtschaftlich angespannten Zeiten an Fortbildungen. Das soll auch 2010 so bleiben. Das Schulungsgeschäft geht laut PAC noch einmal um 2,9 Prozent zurück.

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