Hersteller rüstet sich für Enterprise Application Integration

Compuware überarbeitet Integrationsplattform Uniface 8

15.12.2000
MÜNCHEN (as) - Mit "Uniface 8" hat Compuware seine langgediente Entwicklungs- und Integrationsplattform grundlegend modernisiert. Sie zeichnet sich durch eine komponentenbasierte Architektur, Funktionen zur Geschäftsprozessautomatisierung, Web-Seiten-Design sowie XML-Unterstützung aus.

In den letzten Jahren hat Compuware große Anstregungen unternommen, seine 4GL-Entwicklungsumgebung Uniface für die unternehmensweite Anwendungsintegration zu öffnen und zu überarbeiten. Dabei verfolgt der Hersteller einen komponentenbasierten Ansatz und hatte mit den letzten Release-Versionen 7.2.x schrittweise die Integrationsmöglichkeiten mit dem Internet, die Unterstützung bei der Generierung von Dokumenten mit Hilfe der Extensible Markup Language (XML) sowie die Anbindung von Legacy-Systemen präsentiert.

Mit Uniface 8 - genauer 8.1.01 - kommt als wichtigste Neuerung die Möglichkeit der Geschäftsprozessautomatisierung hinzu. In der "Uniface Business-to-Business Integration Suite" stehen hierzu drei grafische Editoren für das Design und die Entwicklung von Prozessen. Unternehmen können dabei zwischen einem Bottom-up- und Top-down-Ansatz wählen. So lassen sich mit Hilfe des "Process Model Editor" Geschäftsvorgange (Business Task oder Transaktionen) und Prozessmodelle erstellen, warten sowie dank ihrer Zerlegung wiederverwenden. Mit dem "Organization Model Editor" können zudem die hierarchische Struktur eines Unternehmens dargestellt, organisiert (Abteilungen, Rollen) und mit den dazugehörigen Transaktionen gekoppelt werden.

Für eine B-to-B-Integration auf der Messaging-Ebene nutzt Uniface zudem den "Component Integration Editor". Hierbei kommen jetzt eine Reihe zusätzlicher Technologien und Standards für den Transport und die Beschreibung von Prozessinformationen und die Content-Transformation zum Einsatz. So meldet Compuware die Unterstützung von Microsofts XML-Server "Biztalk", das XML-basierte Transportprotokoll "Soap", die automatische Generierung valider XML-Dokumente, basierend auf der mitgelieferten Document Type Definition (DTD) sowie das Wireless Access Protocol (WAP). Die Transformation von B-to-B-Nachrichten und die damit verbundene Auswertung und Generierung von XML-Streams erfolgt über einen XSLT-Prozessor. Zudem bestehen Integrationsmöglichkeiten mit den Komponenten- und Kommunikationsmodellen Corba, COM, Enterprise Javabeans, zu MQ Series, den Applikations-Servern "Weblogic", "Websphere", "I-Planet" und "Lotus Domino".

Als Deployment-Systeme für die Prozessintegration und -überwachung sowie das Management der Anwendungen bietet der Hersteller eine ganze Palette an Produkten. So generiert und überwacht der "Uniface Business Process Server" die Geschäftsprozesse, sorgt für eine gesicherte Kommunikation zwischen Systemen und Anwendungskomponenten und informiert gegebenenfalls den Benutzer. Der "Uniface Task Server" steuert hingegen die Kommunikation zwischen Komponenten und Anwendungen, die keiner individuellen Steuerung bedürfen. Die Konsistenz externe Prozesse über das Web stellt zudem der "Uniface B2B Message Server" sicher. Dabei kann er auch Biztalk- und selbstdefinierte XML-Messages empfangen und an die adressierten Komponenten weiterleiten. Für individuelle Transaktionen und Aufgaben gibt es schließlich noch die "Uniface Task Console" sowie die "Uniface Web Task Console" für die Anbindung externer Anwender. Weiter stehen für die prozessbasierte Ressourcenkontrolle und -verwaltung die "Uniface Resource Console" sowie die "Uniface Process Console" zur Verfügung. Letztere erlaubt es dem Administrator, die vordefinierten Prozessparameter und den Workflow auch im laufenden Betrieb zu verändern.

Bei der Anwendungsentwicklung mit Uniface 8 setzt Compuware auf ein komponentenbasiertes Entwicklungs- und Change-Management. Hierzu werden die Daten zunächst ins Business-Object-Modell geladen und dann ein Framework für die interne und externe Integration von Anwendungen generiert. Mit Hilfe der "Uniface Integration Workbench" lassen sich Komponenten über eine grafische Oberfläche in eine neue Anwendung einpassen. Sie verwaltet die Interaktion zwischen den Komponenten und bietet eine produktive Umgebung für die Anwendungsintegration, die eine Wiederverwendung erleichtert. Zusätzlich sollen beigefügte Browsing- und Impact-Analyse-Werkzeuge die Arbeit vereinfachen. Uniface- und Nicht-Uniface-Komponenten können so mit Unternehmensanwendungen oder deren Subsystemen innerhalb von Unternehmen oder Wertschöpfungsketten integriert werden.

Typischerweise besitzen Uniface-Anwendungen eine mehrschichtige Architektur. So findet sich zum einen der beschriebene "Business Process Tier", der die Geschäftspozessentwicklung und -automatisierung übernimmt. Die Präsentationsschicht enthält Komponenten für die Entwicklung des User Interface. Dies sind die "Uniface Server Pages", "Uniface Forms" sowie die "Uniface Reports". Unterstützt werden auch Java Server Pages, 3GL- und DHTML-Komponenten.

Auf der Schicht der Anwendungslogik (Application Tier) nutzt das System als Infrastruktur so genannte Entity und Session Services. Diese stellen unsichtbare, nicht interaktive Uniface-Komponenten dar, die definierte Geschäftsfunktionen und -aktivitäten umfassen. Sie enthalten eine bestimmte, logisch zusammengestellte Gruppe von Funktionen, die zusammen das Geschäftsobjekt ausmachen, und sind unabhängig von Maschinen, Datenbanken und Ort. Da der Code bei der Re-Partitionierung nicht physisch im Netzwerk bewegt wird, kann er schnell und problemlos für eine optimale Leistung geortet werden. Auf der Datenzugriffsschicht schließlich sind alle Komponenten für die Kommunikation mit Datenbanken und anderen Quellsystemen vereint. Hierbei stehen die eigene Input-Output-Infrastruktur, die aus Datenbank- und Middleware-Treibern besteht, sowie 3GL- und Stored-Procedures-Komponenten zur Verfügung. Der Datenaustausch basiert grundsätzlich auf XML.

Realisiert wird die Anwendungsentwicklung und Wiederverwendung von Komponenten mit Hilfe entsprechender Uniface-Server. So ist der "Uniface Web Application Server" für die visuelle Gestaltung von Websites konzipiert und nutzt ab sofort ausschließlich die Entwicklungsumgebung "Dreamweaver" von Macromedia. Basierend auf den durch die Modellierung vorgegebenen Parametern, leitet der "Uniface Router" - ein Multithreaded Traffic Agent - Anfragen an die Geschäftsprozesse direkt an den erwähnten Uniface Business Process Server beziehungsweise Anwendungsanfragen an die Komponenten auf den "Uniface Application Server" weiter. Über einen Server-Pool kann der Uniface Router zudem einen Lastenausgleich vornehmen.

Abb: Die Architektur von Uniface 8 bietet eine klare Trennung der Datenhaltungsschicht vom Anwendungs- und Präsentations-Layer sowie der Geschäftsprozessebene. Quelle: Compuware