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Compaq spart sich gesund

19.04.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Durch massive Einsparungen ist es Compaq Computer in seinem ersten Geschäftsquartal wie angekündigt gelungen, ein positives Ergebnis vorzulegen, obwohl der Umsatz weiter zurückging. Der Nettoprofit des texanischen PC-Herstellers beläuft sich auf 44 Millionen Dollar oder drei Cent je Aktie. Die Wallstreet-Experten hatten einen Gewinn von einem Cent pro Anteilschein prognostiziert. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte Compaq noch einen Verlust von 131 Millionen Dollar oder acht Cent je Aktie ausgewiesen. Das damalige Ergebnis wurde vor allem durch hohe Sonderaufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen und Bilanzierungsänderungen belastet. Der Umsatz fiel zwar gegenüber dem ersten Geschäftsquartal 2001 um 16 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar, übertraf jedoch ebenfalls die Erwartungen der Wallstreet-Analysten. Diese hatten mit Einnahmen von 7,6 Milliarden Dollar gerechnet.

Dass Compaq schwarze Zahlen vorlegen kann, ist vor allem einer drastischen Reduzierung der operativen Ausgaben um 359 Millionen Dollar auf 1,4 Milliarden Dollar zu verdanken. In den vergangenen zwölf Monaten entließen die Texaner rund 10.000 Mitarbeiter. Zudem wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 364 auf 286 Millionen Dollar gesenkt.

Als stärkstes Segment entpuppte sich wie erwartet Compaq Global Services, das einen operativen Profit von 229 Millionen Dollar vorlegte. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte die Einheit allerdings noch 254 Millionen Dollar Gewinn erwirtschaftet. Der Umsatz sank ebenfalls: Er liegt mit 1,9 Milliarden Dollar um drei Prozent niedriger als im ersten Geschäftsquartal 2001. Die Servicesparte macht inzwischen 24 Prozent des Gesamtumsatzes von Compaq aus.

Die Einheit Enterprise Computing reichte mit 2,35 Milliarden Dollar einen um 13 Prozent geringeren Umsatz als noch vor einem Jahr. Der operative Gewinn sank hier drastisch von 144 auf 18 Millionen Dollar. Die Einnahmen mit Intel-basierenden Standard-Servern lagen mit 1,4 Milliarden Dollar in etwa auf dem Vorjahresniveau, während die Enterprise Storage Group einen Umsatzrückgang von 13 Prozent auf 394 Millionen Dollar hinnehmen musste. Noch härter wurde das Geschäft mit ausfallsicheren und hoch performanten Servern getroffen: Der Umsatz sank um 33 Prozent auf 517 Millionen Dollar.

Compaqs PC-Sparte schreibt weiterhin Verluste. Das operative Minus reduzierte sich jedoch von 110 auf 36 Millionen Dollar. Der Umsatz sank um 18 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Als positiv hob Compaq allerdings hervor, dass die Einnahmen mit Firmencomputern um sechs Prozent gegenüber dem ersten Geschäftsquartal 2001 gestiegen seien. Auch die Erlöse mit dem Handheld "iPaq" konnten übers Jahr um 18 Prozent zulegen. Noch im April will Compaq das zweimillionste Gerät ausliefern.

Capellas bleibt Ausblick schuldig

In Anbetracht der internationalen "Marktflaute" äußerte sich Compaq-Chef Michael Capellas zufrieden über die jüngsten Ergebnisse. Er zeigte sich ferner zuversichtlich, dass die Fusion von Hewlett-Packard und Compaq trotz der von Merger-Gegner Walter Hewlett eingereichten Klage in Kürze über die Bühne gehen werde. Aus diesem Grund wollte er keine Prognose für das zweite Geschäftsquartal abgeben, da es Compaq in seiner heutigen Form nicht mehr geben werde. Die nächste Bilanzkonferenz werde dann von der fusionierten Firma abgehalten.

In Erwartung der nachbörslich veröffentlichten Compaq-Zahlen stieg die Aktie des Unternehmens am gestrigen Mittwoch leicht um 1,3 Prozent und notierte bei 10,82 Dollar. Nach Handelsschluss sank das Wertpapier geringfügig auf 10,81 Dollar. (ka)