Problematisches Gespann mit Alpha

Compaq klärt Strategie für das Tru-64-Unix

01.10.1999
MÜNCHEN (CW) - Das von Digital in die Ehe mit Compaq eingebrachte 64-Bit-Unix "Tru 64" wird nur auf Alpha-Systemen laufen. Damit klärt der Konzern seine Betriebssystem-Strategie.

Compaq hat jetzt auf Betriebssystem-Ebene eine Grenze gezogen zwischen den hauseigenen Alpha-Chips, die nun eindeutig für High-end-Systeme reserviert sind, und der von Intel stammenden "IA-64"-Produktreihe für weniger leistungsstarke Server und Workstations. Zu dieser Trennung paßt die schon früher getroffene Entscheidung, Windows NT nicht mehr auf Alpha-Systemen einzusetzen.

Dieser Kurs war bereits im Juli sichtbar geworden, als Compaq Tru 64 als System positionierte, das für ressourcenhungrige Anwendungsbereiche wie Data-Warehousing, betriebswirtschaftliche Pakete, für Internet-Server-Funktionen, den Kommunikatonseinsatz und für technisches Hochleistungs-Computing eingesetzt werden solle. So vernünftig diese Aufgabenverteilung aus technischer Sicht wirkt, so problematisch ist sie für das Geschäft. Die große Mehrheit der Analysten prophezeit, daß aus Kostengründen kaum eine Prozessorarchitektur neben den Massenprodukten von Intel Bestand haben wird. Es ist schwer zu erkennen, wie der mäßig erfolgreiche Alpha-Chip gerade mit dem Nischen-Betriebssystem Tru 64 auf Dauer gegen die Konkurrenz bestehen soll - zumal gegen das im eigenen Hause propagierte Gespann aus Intels IA 64 und dem 64-Bit-Unix "Monterey" von IBM und SCO. Beide sollen mittelfristig in den High-end-Bereich hineinwachsen.

Angesichts des Betriebssystem-Wirrwarrs im Compaq-Konzern wird die Abgrenzung der Einsatzgebiete von Anwendern dennoch begrüßt. Noch im April dieses Jahres hatten erste Portierungserfolge von Tru 64 auf den IA-64-Chip auf eine mögliche Ausweitung dieses Unix auf die Intel-Plattform hingedeutet. Dann hätten dort mit Unixware, Linux, Tru 64, Monterey und NT fünf Server-Systeme in der Intel-Produktlinie von Compaq miteinander konkurriert.