Ostern ohne Bargeld

Commerzbank-Klientel leidet unter IT-Umstellung

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Am Osterwochenende zahlen die Kunden am besten mit vorher abgehobenem Bargeld. Die Migration der Kunden- und Produktdaten erlaubt keine Echtzeit-Transaktionen.
Foto: Julia Schwager/Commerzbank AG

Eines der größten IT-Projekte in der deutschen Bankenszene geht in die heiße Phase. Zwei Wochenenden benötigt die Commerzbank nach ihrer schon 2009 erfolgten Verschmelzung mit der Dresdner Bank, um nun auch ihre Kunden- und Produktdaten in ein einheitliches System zu überführen.

Teil eins der Umstellung ging am zweiten April-Wochenende über die Bühne. Die etwa 15 Millionen Kunden waren vorher informiert worden, dass am 9. und 10. des Monats für viele von ihnen weder Online- noch Telefon-Banking möglich sei und dazu auch der Self-Service in den Filialen eingeschränkt würde. Am härtesten traf es 140.000 "Einzelfälle", so die Diktion der Commerzbank, deren EC-Karten ebenfalls nutzlos waren. Sie durften sich fühlen wie in den "guten alten Zeiten", als man sich am Freitag mit Bargeld für das Wochenende eindecken musste.

Erinnerung per SMS

Der zweite Akt soll nun am langen Osterwochenende folgen. Die Commerzbank hat ihre Klientel bereits aufgefordert, dringende Überweisungen vorab zu erledigen und Bargeld zu horten. Immerhin bietet sie für Vergessliche einen "Erinnerungservice" via E-Mail oder SMS an.

Die Umstellung, die von Karfreitag bis Ostermontag in Anspruch nehmen soll, ist der letzte Schritt der IT-Integration. Diese hat sich mehr als ein Jahr hingezogen. Sie begann mit der Anfang 2010 erfolgten Migration der SAP-Systeme für Personal und Finanzen. Im Spätsommer des vergangen Jahres wurde dann die Bankensoftware an ein gemeinsames Zielsystem angepasst. In der Folge installierte der Finanzdienstleister zwei produktionsnahe Testumgebungen, um die Ergebnisse der Migration auf Herz und Nieren zu prüfen.

Die Zusammenführung von HVB und Unicredit im August 2010 war aufgrund unbefriedigender Testergebnisse mehrmals verschoben worden. Allerdings verlangte sie den Kunden dann nur ein einziges "bankloses" Wochenende ab.