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Commerce One - Sterben auf Raten?

11.08.2004

Commerce One ist inzwischen zehn Jahre alt, muss aber trotzdem ums Überleben kämpfen. Für sein Ende Juni abgeschlossenes zweites Quartal hat der einstige Anbieter von Software für elektronische Marktplätze, mittlerweile zum Web-Services-Integrations-Player mutiert, Einnahmen von knapp unter zwei Millionen Dollar ausgewiesen nach 8,3 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum und 2,7 Millionen Dollar im vorhergehenden Vierteljahr.

Seine Kosten bekommt das Unternehmen offenbar auch weiterhin nicht in den Griff, der Nettoverlust für das aktuelle Quartal betrug 5,1 Millionen Dollar im Vergleich zu 6,1 Millionen Dollar vor Jahresfrist - auch wenn Langzeit-Chairman und -CEO Mark Hoffman beteuerte: "Wir haben Schritte unternommen, um die Kosten unter Kontrolle zu bekommen." Gesamtkosten von acht Millionen Dollar sind indes bei Einnahmen von nicht einmal zwei Millionen schwer zu rechtfertigen. Vielleicht sind die neu berufenen Senior Vice Presidents für Vertrieb sowie Marketing ja in der Lage, die Erlöse anzukurbeln.

1,7 Millionen Dollar vom Gesamtumsatz kamen noch dazu aus dem Servicegeschäft - bei Kosten in diesem Bereich von 1,6 Millionen Dollar ist dieser Bereich also nicht ansatzweise profitabel, wenn man den Aufwand für Vertrieb, Marketing, G&A (Allgemeine und Verwaltungkosten) etc. mitrechnet. Und das Lizenzgeschäft ging zurück auf 309.000 Dollar nach 1,7 Millionen Dollar vor Jahresfrist. Zu Ende Juni betrugen die liquiden Mittel gerade noch 4,2 Millionen Dollar, obwohl Commerce One im Januar fünf Millionen Dollar von Investoren und Mitte letzten Jahres zehn Millionen Dollar von Baystar Capital erhalten hatte.

Neben seinen ursprünglichen SRM-Anwendungen (Supplier Relationship Management), die seit kurzem in neuen Versionen vorliegen, bietet Commerce One inzwischen die Integrationsplattform "Conductor" an, die speziell auf Web-Services und Service-orientierte Architekturen zielt und außerdem die Verwaltung von Geschäftsprozessen ermöglichen soll - ein Markt, der gegenwärtig von Tibco, Webmethods, Seebeyond, IBM und anderen dominiert wird. Conductor hat inzwischen Versionsstand 6.8 erreicht, im letzten Quartal gewann Commerce One zwei neue Kunden für die Plattform. (tc)