Collaboration ergänzt persönliche Produktivität

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Microsoft möchte sein Office-Paket schon lange für mehr als bloß die persönliche Produktivität positionieren. Erst mit der neuesten Ausführung der Software gelingt den Redmondern das überzeugend.
Zu den neuen Rollen von Office gehört es, als Frontend für Business-Anwendungen zu fungieren. Ein dafür häufig genutzer Client ist Outlook.
Zu den neuen Rollen von Office gehört es, als Frontend für Business-Anwendungen zu fungieren. Ein dafür häufig genutzer Client ist Outlook.

Das Gespann aus Word, Excel und Powerpoint gilt immer noch als Basisausstattung für den Büroarbeitsplatz. Microsoft besetzt unter dem Office-Label laut Forrester mittlerweile 400 Millionen Desktops und holt dadurch mit zehn Milliarden Dollar knapp ein Viertel seines Jahresumsatzes herein. Ausruhen kann sich Microsoft auf diesen Lorbeeren indes nicht, denn den seinerzeit zumeist harmlosen Rivalen wie Wordperfect oder Lotus Smartsuite sind in jüngerer Zeit ungemütlichere Gegner unter den Bannern von Open Source und Internet nachgefolgt.

Open Office beispielsweise, dessen Wurzeln im deutschen Star Office liegen, tritt als kostenlose Rich-Client-Alternative gegen Microsoft Office an und muss sich mit seinem Funktionsumfang nicht verstecken. Eine zweite Front entsteht gerade durch die Web-basierenden Büroanwendungen, deren Vertreter wie Google Text & Tabellen oder Zoho insbesondere mit einfach zu bedienenden Collaboration-Funktionen aufwarten. Angesichts dieser sich abzeichnenden Marktentwicklung hatte Microsoft bereits mit Office XP/2002 eine neue Richtung eingeschlagen, um die ehemals reine Desktop-Suite um Services und Server-Produkte zu erweitern.

Mit dem nun vorliegenden Office System 2007 stellt sich Microsoft breiter denn je auf: Im Kern besteht es noch aus den Klassikern Word, Excel, Outlook & Co., doch schart sich drumherum eine üppige Ansammlung von Servern, Web-Diensten und Entwicklungswerkzeugen. Nach Einschätzung von Forrester-Analyst John Rymer positioniert Microsoft sein Office-System nun noch klarer als zuvor als Entwicklungsplattform für Geschäftsanwendungen. Die Strategie der Redmonder sei demnach durch drei wesentliche Elemente gekennzeichnet:

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gegen welche neuen Gegner Microsoft seine Vormachtstellung bei Office-Software verteidigen muss;

wie Microsoft das Versprechen einer integrierten Plattform einlösen möchte;

welche Vorteile die Entkopplung von Anwendungen und Dateiformaten bieten;

wo Office die Konzepte des Web 2.0 aufgreift;

welche neuen Komponenten die Integration von Business-Anwendungen erleichtern.

- Transformation von einer Anwendungs-Suite in ein System: Office 2007 ist bereits das dritte Release im Rahmen einer langjährigen Roadmap. Entwickler können mittlerweile Outlook, Word und Excel als Benutzeroberflächen im Zusammenhang mit Geschäftsprozessen, Transaktionen, Content-Management und anderen Back-Office-Lösungen einsetzen. So erübrigt sich der Aufbau eigener Anwendungsoberflächen, zudem steigert der hohe Bekanntheitsgrad auch die Akzeptanz bei den Benutzern.

- Anpassung an die Microsoft-Plattform und an Dynamics: Office 2007 räumt mit der komplizierten Infrastruktur früherer Versionen auf und orientiert sich nun an den Plattformkomponenten .NET Framework 2.0/3.0, ASP.NET, Sharepoint Server 2007, Windows Sharepoint Services und SQL Server. Die Dynamics-Suite klinkt sich hier ebenfalls ein, so dass immer mehr Microsoft-Anwendungen auf einem nahezu identischen Anpassungs- und Erweiterungsmodell fußen.

- Office findet Anschluss an die Microsoft-Tools: Das Gros der Microsoft-Entwicklergemeinde arbeitet mit Visual Studio, nur eine kleine Spezialistenschar entwickelt für Office. Mit Office 2007 schließt Microsoft nun diesen Graben, indem es Office als eine Art Premium-Komponente innerhalb der Anwendungsplattform positioniert.