Was IBM, Microsoft und Co. planen

Collaboration - die neuen Tools

Markus Strehlitz beschäftigt sich als freier Journalist mit allen Aspekten rund um das Thema Informationstechnologie sowie weiteren Technikthemen. Er schreibt sowohl für Fachzeitschriften wie Computerwoche und Online-Medien wie zdnet.de als auch für Tageszeitungen oder Wissenschaftsmagazine. Vor seiner Selbständigkeit arbeitete er als Redakteur im Software-Ressort der Computer Zeitung.
E-Mails, Instant Messages, Blogs - viele Hersteller arbeiten daran, die verschiedenen Kanäle auf einer Oberfläche zu bündeln.
Collaboration-Tools sollen zukünftig gebündelt daherkommen.
Collaboration-Tools sollen zukünftig gebündelt daherkommen.
Foto: gettyimages

Jede Collaboration-Generation schafft die Probleme, welche die nächste lösen muss", behauptet Gartner-Analyst Jeffrey Mann. Nach Zählung der Analysten gibt es bisher drei Generationen von Werkzeugen für die Zusammenarbeit: Bei der ersten ging es um die Bereitstellung von E-Mail- und Kalenderfunktionen. Dazu kamen anschließend Instant Messaging, Web-Conferencing sowie die Möglichkeit, Dateien und Dokumente auszutauschen. Die dritte, aktuelle Generation zeichnet sich durch das Einbinden von Social Software aus - also zum Beispiel Wikis, Blogs und Communities. Doch genau in dieser Fülle an Kommunikationskanälen liegt das Problem.

"Es gibt zu viele Informationsquellen", stellt Mann fest. "Mails, Instant Messages, Postings und andere - das alles lässt sich mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr verwalten." Der Gartner-Experte glaubt deshalb, dass eine vierte Generation an Collaboration-Services notwendig ist, mit der die Informationsflut in geordnete Bahnen gelenkt wird. Das ist keine reine Theorie. Verschiedene Anbieter arbeiten an Lösungen, die in diese Richtung zielen. Von Cisco ist eine entsprechende Collaboration-Plattform unter der Bezeichnung "Quad" bereits in den USA und Kanada verfügbar.

Framework integriert Techniken

Den Status des Technical Review besitzt dagegen noch die Lösung "Pulse" von Novell. In einer noch früheren Phase steckt IBM. Lotus, die Collaboration-Sparte des IT-Riesen, hat vor Kurzem das Projekt "Vulcan" mit sehr ambitionierten Plänen gestartet. Konkrete Ergebnisse sind aber erst für Anfang des kommenden Jahres zu erwarten.

Im Kern geht es bei diesen mehr oder weniger ausgereiften Lösungen darum, ein Framework zur Verfügung zu stellen, das die verschiedenen Collaboration-Techniken bündelt. Der Nutzer erhält eine Oberfläche, die als Inbox für alle Kommunikationskanäle dienen soll, denn bislang existiert beim Anwender in der Regel für jede Technik eine eigene Applikation. Er muss also von Anwendung zu Anwendung springen, wenn er die verschiedenen Kanäle bedienen möchte.

Doch bei den Lösungen von Cisco und Novell arbeitet er nun mit einer einzigen Browser-basierenden Arbeitsumgebung - quasi einem Portal für alle Kommunikationsdienste. Im Zentrum von IBMs Project Vulcan steht dagegen die Groupware Lotus Notes als Client. Aber auch die anderen Lotus-Produkte sollen als Interface dienen, wie etwa die Web-2.0-Plattform Connections. Denkbar ist laut Peter Schütt, Leader Software Strategy bei Lotus Deutschland, zudem ein Zugang über den Browser. Die neuen Collaboration-Clients kann sich der Nutzer selbst individuell zusammenstellen. "Der Anwender baut sich seine eigene Oberfläche", erklärt Ernst Engelmann, Business Development Manager Collaboration bei Cisco.

Die Collaboration-Systeme, die sich mit diesen Frameworks zusammenführen lassen, können dabei von verschiedenen Anbietern stammen. Schließlich ist in den Unternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte für die Zusammenarbeit im Einsatz. Novell und Cisco weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie über Standardprotokolle zum Beispiel Mail-Systeme integrieren, die schon im Unternehmen vorhanden sind. Wie eine Verknüpfung verschiedener Collaboration-Technologien aussehen kann, zeigt etwa IBM bereits jetzt mit Lotus Notes. Zu eintreffenden E-Mails werden dort unter anderem die passenden Kontakt- und Präsenzinformationen in Form einer digitalen Visitenkarte geliefert. In Bezug auf sein Project Vulcan betont Big Blue dessen Offenheit - auch gegenüber anderen Anbietern.

Die wichtigsten Anbieter und ihre Produktpläne

Anbieter

Produkt/Konzept

Highlights

Verfügbarkeit

Cisco

Quad

Browser-basierende Oberfläche; vereint Funktionen für Groupware, Blog, Video, Instant Messaging und visuelle Voice-Mail; Integration in Content-Management möglich.

Bisher nur in den USA und Kanada verfügbar. Cisco Deutschland testet die Plattform gerade im eigenen Haus.Sowohl für die lokale Installation als auch als Cloud-Service konzipiert.

IBM

Project Vulcan

Nutzt Notes und andere Lotus-Produkte als Oberfläche.Vereint Groupware, Instant Messaging und Social Software. Social-Analytics-Funktionen sollen den Nutzer unterstützen.

Services für Entwickler sollen Ende dieses Jahres verfügbar sein. Konkrete Lösungen auf Basis von Vulcan sind voraussichtlich für Anfang 2011 zu erwarten.

Microsoft

Office Communication Server (jetzt Lync Server), SharePoint und Exchange

Die Produkte decken verschiedene Einsatzszenarien ab, ihre weitgehende Integration ist möglich. Lync Server fungiert als zentrale Oberfläche für die Echtzeitkommunikation; Gartner erwartet Outlook als universellen Client für kommende Fusionen der Collaboration-Techniken Microsofts.

SharePoint und Exchange 2010 sind seit Längerem auf dem Markt, Lync Server 2010 steht als Release Candidate zum Download zur Verfügung (die finale Version ist noch für dieses Jahr geplant).

Novell

Pulse

Browser-basierende Oberfläche; vereint E-Mail, Instant Messaging, Social Software und gemeinschaftliches Bearbeiten von Dokumenten; Integration von Identity- und Access-Management sowie Auditierung; verwendet unter anderem das Wave-Protokoll.

Liegt derzeit als Technical Preview vor. Im laufenden November soll die Betaversion als Cloud-Service verfügbar sein. Eine Version zur lokalen Installation soll später folgen.