Jobalternative für ältere Mitarbeiter

Coach der eigenen Kollegen

16.05.2013
Von Sabine Prohaska
Arbeitgeber sollten auch ihren älteren Mitarbeitern Entwicklungsperspektiven bieten - zum Beispiel als Coach. Aber nicht jeder eignet sich für diese Aufgabe.
Wissen weitergeben, sich zurücknehmen, Kollegen unterstützen - das sollten Ältere tun, wenn sie als Coach arbeiten.
Wissen weitergeben, sich zurücknehmen, Kollegen unterstützen - das sollten Ältere tun, wenn sie als Coach arbeiten.
Foto: Alexander Raths/Shutterstock.com

Bis 2020 steigt der Anteil der über 50-Jährigen an den Erwerbstätigen in der Europäischen Union auf fast 35 Prozent. Fragwürdig wird damit die Personalstrategie, die heute noch viele Firmen bezogen auf ihre älteren Mitarbeiter praktizieren: Sie lassen diese in den letzten zehn, 15 Jahren ihrer Berufstätigkeit meist nur noch "mitlaufen", ohne weiter in ihre Entwicklung zu investieren. Firmen denken nun darüber nach, wie sie die Kompetenzen der Älteren effektiver nutzen können. Einige Unternehmen tun dies etwa in Form von Mentorenprogrammen, bei denen erfahrene Mitarbeiter ihren jüngeren Kollegen als Ansprechpartner zur Seite stehen. Eine wachsende Zahl von Unternehmen bildet zudem ältere Mitarbeiter zu Trainern, Beratern oder Coaches aus.

Doch nicht jeder berufserfahrene Mitarbeiter eignet sich als Trainer oder Coach. Sowohl für angehende firmeninterne Trainer als auch Coaches gilt: Sie müssen Lust auf den Kontakt mit Menschen und ein Gespür für Menschen haben. So sollte zum Beispiel ein Trainer in einem Seminar auf verschiedene Typen eingehen können.

Und ein Coach muss mit Menschen eine so innige Vertrauensbeziehung aufbauen können, dass diese mit ihm auch über berufliche Probleme sprechen, die ihre Wurzeln in ihrer Persönlichkeit haben.

Eine Voraussetzung hierfür ist eine wertschätzende Haltung gegenüber anderen Menschen. Denn akzeptiert ein Coach oder Trainer andere Wertvorstellungen und Einstellungen nicht, gewinnt er auch nicht das Vertrauen anderer Personen.

Nichts für Egoisten

Also kann er sie auch nicht zu Einstellungs- und Verhaltensänderungen motivieren. Trainer und Coaches müssen sich zudem als Person zurücknehmen können. Denn ihre Funktion ist es nicht, sich zu profilieren, sondern andere Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Ein Trainer muss zudem zum Beispiel wissen, wie Lernprozesse bei Menschen verlaufen, und er muss sie gestalten können. Außerdem benötigt er gruppendynamisches Know-how. Er sollte zum Beispiel wissen: Wie motiviere ich Menschen zum Lernen, und wie gehe ich mit Konflikten in Gruppen um? Ähnlich verhält es sich bei einem Coach. Da er jedoch primär mit Einzelpersonen arbeitet und mit ihnen auch über Themen spricht, die ihre Persönlichkeit tangieren, benötigt er zudem ein hohes Einfühlungsvermögen und ein fundiertes psychologisches Know-how.

Bringt ein berufserfahrener Mitarbeiter die erforderlichen Voraussetzungen hierfür mit, kann eine Ausbildung zum firmeninternen Berater, Trainer oder Coach eine interessante Entwicklungsperspektive für ihn sein.

*Sabine Prohaska ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmens Seminar Consult Prohaska in Wien.