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Co-Shopping-Modelle im Web geraten ins Zwielicht

29.03.2000
Irreführung beim Online-Verkauf?

Von CW-Redakteur Alexander Deindl

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die hochgepriesenen Co-Shopping-Modelle von Letsbuyit.com und Co. kommen ins Wanken: Was auf den ersten Blick wie eine Schnäppchenbörse anmutet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung nicht selten als Etikettenschwindel.

Co-Shopping bietet "Endverbrauchern die Möglichkeit, durch die Bündelung von Nachfrage im Internet Premium-Markenprodukte zu Konditionen zu erwerben, die sonst nur Großabnehmern vorbehalten sind". So oder ähnlich klingen die Marketing-Parolen der Co-Shopping-Anbieter wie Letsbuyit.com oder Kontorhouse.com.

Ob DV-Equipment, Fernseher, Automobile, Rasierapparate oder Geschirrspülmaschinen - das Prinzip des Gemeinschaftseinkaufs ist immer dasselbe: "Wenn viele Menschen, die das gleiche Produkt kaufen wollen, sich zusammentun, können sie ihre Kaufkraft bündeln und so beim Händler einen besseren Preis erzielen", lautet etwa das Motto von Letsbuyit. Zu jedem Artikel existiert eine mehrstufige Preisskala. Dort zeigen die Anbieter, wie viele Co-Shopper - also Interessenten - sich bereits für den Kauf des Produkts entschieden haben und auf welcher Preisstufe es sich zur Zeit befindet. Auf der Skala erkennt der potenzielle Käufer, wie viele Co-Shopper für die nächstniedrigere Preisstufe oder den besten Preis benötigt werden. Der Interessent, so Letsbuyit, hat die Wahl: Möchte er das Produkt auf jeden Fall kaufen, dann erhält er es zu dem Preis, der bei Angebotsende erreicht ist. Das ist, je nach Käuferzahl, entweder der beste Preis oder laut Letsbuyit "einer der ebenfalls sehr günstigen Co-Shopping-Preise".

Doch was auf den ersten Blick wie eine Schnäppchenbörse aussieht, erweist sich bei genauerer Betrachtung nicht selten als Etikettenschwindel: Oft werden Artikel teurer verkauft, als sie im gewöhnlichen Handel kosten. Diesen Vorwurf muss sich beispielsweise Letsbuyit gefallen lassen. Den offiziellen Einstiegspreis für die Digitalkamera "DC290" von Kodak etwa beziffert der Co-Shopping-Anbieter mit 2289 Mark. Finden sich fünf Interessenten, so sinkt der Preis laut Letsbuyit auf bis zu 1629 Mark. Für 1479 Mark ist das exakt gleiche Gerät beim Händler Computeruniverse.net oder aber für 1539 Mark bei Primus Tronix erhältlich. Dazu Letsbuyit-Geschäftsführer Rolf Hansen: "Dieser drastische Preisunterschied ist nicht von uns beabsichtigt." Nach den Worten des Managers handelt es sich dabei offensichtlich um einen Ausreißer.

Ähnlich - wenngleich preislich nicht derart gravierend - verhält es sich allerdings auch mit Nokias Bestseller 7110: Während Letsbuyit das Telefon erst kürzlich im Zusammenhang mit einem Händlerpreis von 899 Mark genannt hatte und Co-Shopper das Gerät gemeinschaftlich für mindestens 739 Mark erwerben konnten, geht das Mobiltelefon im freien Handel bereits für 719 Mark über den Ladentisch.

Unwesentlich anders ist die Situation etwa auch mit dem PC-Monitor "Monxx 770" von Belinea. Der 17-Zöller kann mit wenig Aufwand für ganze 389 Mark im Handel gefunden werden. Der Münchner Co-Shopping-Anbieter allerdings geht von einem Straßenpreis von 449 Mark aus. Im besten Preismodell - also wenn mindestens fünf Käufer Interesse bekunden - kostet das Bildschirmmodell bei Letsbuyit 399 Mark.

Hansen zeigt sich hinsichtlich derartiger Fakten diskussionsbereit: "In einzelnen Fällen sind wir sicher über dem Marktpreis", räumt der Manager ein. Letsbuyit verstehe sich allerdings nicht als billiger Jakob, sondern biete teilweise auch ein Serviceangebot, verlängere die Garantie für manche Produkte und übernehme die Lieferkosten für Artikel. Darüber hinaus könne er bei rund 30 000 unterschiedlichen Artikeln "nicht ausschließen, dass wir ein Produkt bepreisen und am gleichen Tag Saturn Hansa oder Media Markt das Produkt günstiger anbieten".

Kaum besser als die Münchner Co-Shopping-Company schneidet der Hamburger Konkurrent Kontorhouse.com (eine Gruner+Jahr-Tochter) ab. Während bei den Hanseaten der HP-Drucker "Laserjet 1100" mit einem offiziellen Händlerpreis von 804 Mark gehandelt wird und der Preis ab fünf Interessenten auf bis zu 749 Mark und ab zehn Kaufwilligen auf bis zu 700 Mark sinkt, bieten Verkäufer im Internet oder auf der Straße den Printer für 725 Mark an.