Gartner Symposium 2012

Cloud-Management fordert CIOs heraus

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit dem Vordringen von Cloud-Services steigen auch die Anforderungen an System- und Service-Management-Konzepte, warnen Gartner-Analysten.
Milind Govekar, Cloud-Experte bei Gartner: Vorsicht vor Cloud-Managament-Silos.
Milind Govekar, Cloud-Experte bei Gartner: Vorsicht vor Cloud-Managament-Silos.
Foto: Gartner

Zum Auftakt des jährlichen Gartner-Symposiums in Barcelona beleuchteten Experten des Marktforschungs- und Beratungshauses die Auswirkungen von Cloud-Konzepten auf die IT-Infrastruktur in Unternehmen. Rund 60 Prozent der weltweiten IT-Ressourcen seien schon heute virtualisiert, erklärte Analyst Philip Dawson. Bis 2015 soll der Wert nach Gartner-Prognosen auf 90 Prozent steigen. Damit würden einerseits Private- und Public-Cloud-Szenarien erst möglich. Andererseits ständen IT-Verantwortliche vor der wachsenden Herausforderung, die zahlreichen virtualisierten Systeme effizient zu verwalten.

Um die damit einhergehende Komplexität in den Griff zu bekommen, brauchen IT-Abteilungen mit Cloud-Ambitionen neben klassischen System-Management-Konzepten dezidierte "Cloud-Management-Plattformen", ergänzte Milind Govekar, Cloud-Experte und Managing Vice President bei Gartner. Diese Plattformen stellen beispielsweise Orchestrierungs- und Optimierungsdienste zur Verfügung, aber auch Funktionen für das Kapazitäts- und das Service-Level-Management sowie zum Abrechnen der erbrachten Cloud-Services. Etliche Cloud-Anbieter offerieren heute entsprechende Lösungen, so Govekar. In den Unternehmen aber wachse damit die Gefahr, dass sie am Ende viele unterschiedliche Cloud-Management-Plattformen der Hersteller installiert haben, die sich zu neuen "Silos" entwickeln und nicht voll interoperabel sind.

"Zu den großen System-Management-Anbietern wie BMC, CA, HP oder IBM kommen in der Cloud-Welt hunderte von Startups, die sich auf Cloud Management spezialisiert haben", beobachtet Govekar. Darüber hinaus drängen klassische Virtualisierungs-Anbieter, allen voran VMware, in das Terrain des System- und Cloud-Managements ein. IT-Verantwortliche sollten einschlägige Plattformen deshalb besonders sorgfältig auswählen, so der Gartner-Experte. Viele Cloud-Startups etwa würden rasch wieder vom Markt verschwinden und mit ihnen der Support für einschlägige Management-Tools.

Angesichts der zahlreichen Private-Cloud-Initiativen sollten IT-Verantwortliche generell ihre Rolle im Unternehmen überdenken, beschrieb Govekar eine weitere Herausforderung. Denn für das Business-Management gebe es in vielen Fällen nur einen plausiblen Grund für ein Cloud-Engagement: "Es bietet ihnen jede Menge Möglichkeiten, die interne IT zu umgehen." Vor diesem Hintergrund müsse die IT sich zu einem Service-Broker entwickeln, der interne und externe IT-Dienste bedarfsgerecht bereitstellt.