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Zukunft von Business Software

Cloud ERP – wird es der neue Standard?

Sven Denecken ist als Senior Vice President, Product Management und Co-Innovation SAP S/4HANA, bei SAP tätig. In seiner Rolle ist er unter anderem auch für strategische Projekte von SAP zuständig und arbeitet eng mit SAP-Partnern und Kunden zusammen.
Bert Schulze leitete das Co-Innovations Programm für SAP S/4HANA. Zuvor war er Mitglied des globalen SAP Kunden- und Marktstrategie-Teams der SAP Cloud Business Unit. Bert Schulze hat umfangreiche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kunden in verschiedenen Rollen als Lösungsarchitekt, im Business Development und der Leitung Internationaler Vertriebsorganisationen. Dies ermöglicht ihm, Markt- und Kundenanforderungen zielgerichtet zu analysieren. Er ist regelmäßig Sprecher auf nationalen und internationalen Konferenzen zu IT- und Business-Strategie. Seine Kernkompetenzen sind Cloud Lösungen, IT-Strategien und Simplifizierung von Enterprise Prozessen, Platformen, Social Media und hybride Konzeptionen. Bert Schulze ist diplomierter Maschinenbauingenieur (Dipl.-Ing.) und Wirtschaftsingenieur (Dipl.-Wirt.-Ing.).
Lange Zeit war Unternehmens-Software gleichbedeutend mit großen Installationen auf firmeneigenen Rechnern. Die Cloud ist parallel dazu gewachsen, war jedoch meistens Unternehmensbereichen vorbehalten, die sich für eine hohe Standardisierung eignen und Best Practice Mustern folgen.

Differenzierende Prozesse in den Unternehmen blieben individuell gemanagt. Das ändert sich zur Zeit. Letztlich ist das, was Unternehmen in IT investieren, durch Unternehmensentscheidungen getrieben. IT ist kein Selbstzweck. Von den Fachbereichen werden Dienstleistungen erwartet, da spielt das Servicemodell "Cloud" oder "On-Premise" zunächst gar keine Rolle. Benötigt werden Anwendungen, mit denen man effizient arbeiten kann.

Software-as-a-Service-Modelle erobern auch diesen Bereich in zunehmendem Maße. Fragen zu Investition, Integration, Weiterentwicklungen und natürlich Sicherheit von Cloud Technologie können heute viel selbstverständlicher beantwortet werden.

Die Digitale Economy fordert Flexibilität

Der Markt ist kompromisslos: Wer sich nicht auf die Anforderungen des Kunden einstellt und in der Lage ist, schnell zu adaptieren, verliert Marktanteile. Wenn der Massenmarkt sich umorientiert, funktionieren die alten Geschäftsmodelle nicht mehr und bringen etablierte Märkte und bekannte Marken ins Wanken. Das bedeutet vor allem, flexibel und schnell zu sein.

Umfrage zu CRM in der Cloud

Der heutige Betrieb von ERP-Systemen ist geprägt davon, wie ein Uhrwerk zu funktionieren, perfekt abgestimmt. "Pläne werden zu Verträgen". Zwischen Konzeption, Planung und Implementierung vergehen oft Jahre. Das passt mit der Forderung nach Innovation nicht mehr zusammen. Denn Innovation sind oft getrieben von Überraschungen, von schnellem Umdenken, von neuen Geschäftsmodellen, die unvermittelt kommen, aber eben auch wieder gehen. Der Begriff "Fail fast", also die Bereitschaft auch mal etwas auszuprobieren, was scheitern kann, anstatt abzuwarten, beschreibt diese Erwartung recht gut. Kein Wunder, dass sich das mit klassischen Liefermodellen für ERP-Systeme nicht allzu gut versteht. Der Fachbereich drückt und zieht, die ERP-Landschaft kommt diesen Erwartungen nur schwer hinterher.

Von einzelnen Szenarien zu kompletten Landschaften

Die Cloud hat neue und sehr spezielle Applikationen und Services hervorgebracht, getrieben durch eine neue Generation an Endnutzern, aufgewachsen mit Internet, Facebook und Web 2.0 Anwendungen. Runterladen, ausprobieren und wenn man nicht innerhalb weniger Minuten einen Nutzen sieht, wird es wieder gelöscht. Genau definierte Anwendungen mit eingeschränktem Funktionsumfang, bestens vorkonfiguriert. Weniger ist mehr.

Das hat lange Zeit die Nutzung von Cloud-Lösungen im Geschäftsbereich auf einige Themen beschränkt:

  • Kundendatenmanagement

  • Lieferantenmanagement / Einkaufsfunktionen

  • Personalwirtschaft

  • Reisemanagement

Dies sind Unternehmensbereiche, die starken Best Practice Mustern folgen. Durch die hohe gemeinsame Schnittmenge zwischen den Unternehmen ist die Standardisierung in diesen Bereichen besonders groß.

Foto: SAP SE

Firmenspezifischen Prozesse sind bisher nur zögerlich in die Cloud gegangen. Mit der fortschreitenden Ausdifferenzierung der Cloud Technologien und Möglichkeiten wandern sukzessive weitere Prozesse alternativ in die Cloud und wagen den Balance-Akt zwischen zwei Anforderungen

  • hohe Standardisierung einerseits und

  • Möglichkeiten einer ausreichenden Individualisierung andererseits.

Eine Symbiose aus SaaS und PaaS

Grundsätzlich verhalten sich Cloud-Lösungen anders als On-Premise-Lösungen. Einem automatisierten Upgrade werden andere Eigenschaften untergeordnet. Im Grunde wird der Anwendungskern immer modifikationsfrei gehalten. Es kann also Erweiterungen an der "Schale" geben, nicht aber im Kern. Das ermöglicht hochautomatisierte und intensive geprüfte Upgrades, um in der Cloud schneller neue Funktionalitäten auszuliefern zu können.

Erweiterbarkeit kann generell in 2 Kategorien unterteilt werden.

  • Erweiterungen in der Anwendung

  • Erweiterungen neben der Anwendung

Eine Erweiterung über Key User umfasst dabei Anpassen von Oberflächen und Feldern, Erstellen neuer Felder und Tabellen sowie das Verändern der Businesslogik oder Ergänzen von Prozeßschritten. Hier ein Visualisierung anhand des Beispiels SAP S/4HANA:

Foto: SAP SE

Darüber hinausgehende Erweiterungen erfolgen auf der Plattform (PaaS - Platform as a Service), die eine eigene Entwicklungsumgebung für Erweiterungen bereitstellt. Auf dieser Plattform kann unternehmensspezifischer Code importiert oder geschrieben werden. Die logische Separierung zwischen kundeneigenen Entwicklungen und vom Hersteller ausgelieferten Standards erleichtert das Handling bei Upgrades.

Eine weitere wichtige Komponente der Cloud-Plattform-Architektur ist die Integration.

Foto: SAP SE

Die Wertehebel haben sich verschoben

Prozesse beschleunigen, flexibilisieren und intelligenter, schneller reagieren können, externe Micro-Services direkt in die Wertschöpfungskette einbinden können: Das sind einige der Hebel, die ein ERP-System in der Cloud interessant machen. Wer ein "Cloud ERP"-System rein als IT-Werkzeug betrachtet und die gleichen Prozesse, lediglich auf eine neuen Plattform umzieht, wird daraus nicht den notwendigen Mehrwert ziehen der sich den Unternehmen bietet die sich dem Best Practice anpassen.

Wenn Unternehmen ihre Prozesse neu designen und die technischen Vorteile der Cloud in ihre Überlegungen einbeziehen, lassen sich auch neue Geschäftsmodelle auf Basis neuer Liefermodelle umsetzen und dynamischer auf neue Anforderungen etwa aus den Fachbereichen reagieren.

Ein "Cloud ERP" hat das Potential, die Verschlankung der Unternehmensprozesse zu unterstützen und gleichzeitig die Digitalisierung und Flexibilisierung des Anwendungskerns voranzutreiben.