Amazon, Google, Microsoft

Cloud-Computing-Plattformen im Stresstest

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Die Cloud-Computing-Dienste der großen Anbieter lassen in Sachen Leistung und Verfügbarkeit zu wünschen übrig. Das zumindest haben australische Forscher herausgefunden.

Wie zuverlässig arbeiten die Cloud-Computing-Plattformen von Amazon, Google und Microsoft? Dieser Frage ist ein australisches Forscher-Team unter Führung der University of New South Wales (UNSW) nachgegangen. Ein Ergebnis: Die Tests hätten gezeigt, dass die Infrastructure on Demand-Services von Amazon, Google und Microsoft regelmäßig unter Leistungs- und Verfügbarkeitsproblemen leiden.

Für die Belastungstests simulierten die Experten 2000 Concurrent User mit Zugriff auf Applikationen, die auf den Cloud-Plattformen Amazon EC2, Google AppEngine und Microsoft Azure gehostet waren (siehe auch: Der Markt für Cloud Computing). Die gute Nachricht: In Sachen Skalierbarkeit konnten die Cloud-Dienste die Erwartungen erfüllen, wie Anna Liu von der UNSW berichtet. Konkret ist damit gemeint, dass die Anwendungsdienste auf eine wachsende Nachfrage automatisch mit einer entsprechend höheren Kapazität reagierten. Die schlechte Nachricht: Die zur Verfügung gestellte Leistung war nicht auf konstant hohem Niveau sondern starken Schwankungen unterworfen. Abhängig von der Tageszeit, zu denen die Tests liefen, schwankten die Antwortzeiten der Cloud-Systeme um den Faktor 20.

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Die Untersuchungen ergaben ferner, dass sich die Cloud-Computing-Plattformen unterschiedlich gut für bestimmte Anwendungstypen eignen. Googles AppEngine beispielsweise arbeitete am besten mit Anwendungsaufgaben, die nicht länger als dreißig Sekunden dauern. Dieses Ergebnis passe zu Googles Business-Modell, kommentiert Liu. Dem Suchmaschinenkonzern komme es darauf ein, einfache Web-Anwendungen zu ermöglichen. Mit der AppEngine würden Benutzer in die Lage versetzt, solche simplen Applikationen schnell und ohne große Rechenkapazitäten im Backend zu entwickeln und auf der Plattform bereitzustellen. Ganz anders Amazon, das nach Ansicht der Prüfer seine leistungsstarken Cloud-Dienste auch durch Angebote von Drittanbietern ergänze. Auch Microsoft habe mit seiner Azure-Plattform klar Unternehmenskunden und ISVs im Visier.

Allen drei getesteten Plattform fehlten indes noch geeignete Monitoring-Tools, lautet ein weiterer Kritikpunkt der Forscher. Unternehmen nutzen solche Werkzeuge beispielsweise um zu prüfen, ob Service Level Agreements (SLAs) eingehalten werden. Liu: "Keine der drei Plattformen liefert die Art von Monitoring, die man benötigt, um die Leistung vernünftig einschätzen zu können." (wh)