Data Center

"Cloud Computing ist zu teuer für große Unternehmen"

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Die Unternehmensberatung McKinsey dämpft den Hype um Cloud Computing. Kunden mit einem größeren Data Center müssten sogar mit höheren Kosten rechnen.

In der Studie "Clearing the Air on Cloud Computing" kommt McKinsey zu einer überraschend kritischen Einschätzung der Wolken-IT. Der von Medien, Analysten und Anbietern geschürte Hype habe zu übertriebenen Erwartungen geführt, urteilen die Consultants. Dabei dürften insbesondere große Unternehmen im Data Center keineswegs mit Einsparungen rechnen, wenn sie Cloud-Computing-Dienste wie Amazon Web Services nutzten. Angesichts der hohen Preise für die Online-Dienste könnten im Vergleich zu einem Inhouse-Betrieb sogar höhere Kosten entstehen. Gut geeignet seien Cloud-Services lediglich für kleine und mittlere Unternehmen.

Große Unternehmen fahren besser, wenn sie ihr eigenes RZ weiter betreiben und dabei stark auf Virtualisierung setzen, rät McKinsey. So lasse sich mit Hilfe von Server-Virtualisierung die Auslastung der Rechner schnell von 10 Prozent auf 18 Prozent erhöhen. Hinzu kämen weitere Einsparungen, die sich etwa aus den Abschreibungsmöglichkeiten und damit verbundenen steuerlichen Vorteilen ergäben.

Vor allem in der US-amerikanischen IT-Szene löste der jüngste McKinsey-Report eine kontroverse Diskussion aus. Das renommierte Online-Netzwerk TechCrunch etwa kritisierte, McKinsey schüre einen Hype ganz anderer Art, indem es die Kosten des Cloud Computing übertrieben darstelle und die Chancen, die das Konzept biete, nicht ausreichend berücksichtige. So beschränkten sich die Consltants in ihrem Kostenvergleich auf Amazon Web Services und vergäßen dabei, dass sich der Markt schnell entwickle und stetig neue Cloud-Services hervorbringe. Vor allem mächtige neue Player im Markt wie Google, Sun oder Microsoft würden für mehr Wettbewerb und letztlich sinkende Preise sorgen, argumentiert TechChrunch-Autorin Leena Rao.

Amazon beispielsweise habe mit einem simplen Online-Speicherdienst (S3) und online nutzbaren Rechenressourcen (EC2) begonnen. Mittlerweile offeriere der Web-Konzern eine ganze Reihe weiterer Services, darunter die Online-Datenbank SimpleDB oder die Content-Delivery-Plattform CloudFront. Die nächste Generation von Business-Anwendungen werde viel stärker auf Cloud- und Virtualisierungstechniken zugeschnitten sein und entsprechende Nutzungsszenarien ermöglichen. Vor diesem Hintergrund ergebe es auch für Großunternehmen keinen Sinn, alle IT-Aufgaben über das traditionelle Data Center abzuwickeln. Mit den passenden Cloud-Services könnten sie das Beste aus beiden Welten kombinieren, wenn sie etwa die interne IT um extern bezogene Dienste ergänzten. Schon jetzt beispielsweise nutzten viele große Organisationen Cloud-Services für Storage-Aufgaben und optimierten gleichzeitig ihr konventionelles RZ mit Hilfe von Virtualisierung.