Wieviel kostet die Cloud

Cloud Computing im Kosten-Check

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Migration von IT in die Cloud verspricht geringere und transparentere IT-Kosten. Aber wird der IT-Betrieb auch dauerhaft günstiger?
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Seit Jahren elektrisiert das Cloud-Betriebsmodell die IT-Branche, weil es schnellen Zugriff auf IT-Ressourcen, transparente Kosten und einfaches Management verspricht. Als wesentliches Argument für den externen Cloud-Betrieb werden in Umfragen diverser Institute immer auch die angeblichen Einsparungsmöglichkeiten genannt, die Anwender zum Wechsel auf Cloud-Plattformen veranlassen. Die Marketing-Abteilungen der Anbieter tun ein Übriges, das Image der kostengünstigen IT-Dienste aus der Wolke zu pflegen und zu schärfen.

Ein gutes Beispiel lieferte in diesem Zusammenhang vor wenigen Monaten Amazon. Der Cloud-Pionier hatte im Februar 2012 angekündigt, die Preise für seinen Speicherdienst S3 (Simple Storage Service) rückwirkend zum Monatsanfang um bis zu 13,5 Prozent zu senken. Nutzer, die beispielsweise zwischen 50 TB und 500 TB Speicherplatz bei Amazon belegen, zahlen noch neun Cent je GB und Monat. Angesichts solch günstiger Preise steht mit Fug und Recht die Frage im Raum, ob der Eigenbetrieb von Speicherinstallationen Sinn ergibt.

Die Antwort fällt nicht eindeutig aus: "Wenn man nur den reinen Speicherservice betrachtet, der das Ablegen von Daten erlaubt, dann ist Amazon, von kurzfristig gemachten Lockangeboten abgesehen, nahezu konkurrenzlos günstig", meint Steve Janata, Senior Advisor bei der Experton Group. "Allerdings zahlen Anwender auch zusätzliche Transaktionskosten!" Eine sinnvolle Kostenbetrachtung berücksichtige daher immer, wie häufig und in welchem Umfang Daten hin- und hergeschoben werden.

SaaS kostet dauerhaft, IT-Investitionen nur einmalig

Auf den ersten Blick scheinen die Kosten oft für Angebote aus der Public Cloud zu sprechen, weil sie derart günstige Infrastruktur- und Betriebspreise versprechen, dass interne IT-Abteilungen und die meisten Anbieter klassischer Hosting- und Outsourcing-Services schnell abwinken. Der zweite Blick zeigt aber, dass die Kostendifferenzen doch nicht so eindeutig für den IT-Bezug aus der öffentlichen IT-Wolke sprechen und dass sich langfristig sogar Nachteile ergeben können. Das zumindest behaupten die Management-Berater von McKinsey. Schon vor drei Jahren rechneten sie in einer vielbeachteten Studie vor, dass Public-Cloud-Dienste insbesondere für Großunternehmen zu teuer seien.

Eine umfangreiche Server-Installation mit Windows-Betriebssystem koste laut McKinsey im internen Betrieb 150 Dollar, bei Amazon zahlten Kunden für die gleiche Einrichtung 366 Dollar. Selbst die vielen Preissenkungen bei Amazon dürften die Differenz nicht ausgeglichen haben, zumal ein ordentlicher Batzen auf Personalkosten entfällt, die im Cloud-Betrieb zwar reduziert werden, aber nicht ganz verschwinden. In diesem Jahr legte Gartner mit einer eigenen Kalkulation nach, die den SaaS-Betrieb ebenfalls aufs Korn nahm. In einer Studie, die die Akzeptanz von BI-Anwendungen (Business Intelligence) analysiert, kommen die Analysten zu dem Schluss, dass SaaS "in den ersten fünf Jahren günstiger als der On-Premise-Betrieb sein kann". Die Analysten bemängeln jedoch, dass Anwender oft ungeprüft annehmen, mit SaaS Kosten zu sparen.

Die kritischen Kostenanalysen gehen davon aus, dass die für den Applikationsbetrieb gekauften Lizenzen und Server irgendwann abgeschrieben sind und sich die finanziellen Aufwendungen für den internen Betrieb dann nur noch aus Support und laufenden Aufwendungen etwa für Energie und Personal ergeben. SaaS- und Cloud-Anwender zahlen dagegen kontinuierlich weiter.

Eine langfristige Betrachtung beider Betriebsarten erreicht nach einigen Jahren den Breakeven, danach kippt der Kostenvorteil zugunsten des Inhouse-Modells. "Die Lizenzkosten im SaaS-Betrieb sind ab dem sechsten oder siebten Jahr definitiv höher als die abgeschriebenen Kosten für die On-Premise-Lizenzen und Server sowie den laufenden Betrieb", meint auch Nikolaus Krasser, Vorstandsmitglied beim IT-Beratungshaus Pentos AG in München. "Gespart wird im SaaS-Modell in den ersten Jahren."