Gartner-Analyst Plummer

"Cloud Computing befreit die Nutzer"

12.12.2008
Gartners Guru für Cloud Computing, Daryl Plummer, erklärt im Gespräch mit CW-Herausgeber Christoph Witte, warum er das Konzept für so enorm wichtig hält.

CW: Sie vergleichen das Potenzial von Cloud Computing mit den Auswirkungen der ersten industriellen Revolution des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Ist das nicht ein bisschen hoch gegriffen?

Plummer: Hinter Cloud Computing steckt die Idee, sehr skalierbare IT-Infrastruktur und Applikationen als Services über das Web anzubieten. Das Potenzial von Cloud Computing schätze ich als genauso groß ein wie das der industriellen Revolution. Aber ob das Konzept dieses Potenzial wirklich ausschöpft, steht noch auf einem anderen Blatt. In der Cloud dreht sich alles um die Lieferung von Services, zunächst einmal gleichgültig, ob es sich dabei um Speicherkapazität, CPU-Leistung, E-Mail oder irgendeinen anderen Service handelt. Es geht um Standards und Fähigkeiten, die jedem zur Verfügung stehen, der sie benötigt. Etwas Ähnliches geschah während der industriellen Revolution: Fertigungskapazitäten und Waren standen im Gegensatz zur vorindustriellen Zeit fast jedem zur Verfügung. Das erlaubte es vielen Unternehmen und Branchen, industrielle Produktionsweisen aufzunehmen. Cloud Computing bietet ebenfalls solche neuen Möglichkeiten. Neue Unternehmen, kleine und große, können Services kreieren und über die Cloud jedem anbieten, der sie benötigt (siehe auch: Cloud Computing - die geplante Revolution).

CW: Die Dampfmaschine löste die erste industrielle Revolution aus. Cloud Computing ist aber keine Maschine, sondern ein Konzept.

Gartner-Analyst Daryl Plummer erwartet in den Unternehmen ein hybrides Modell aus internen und extern erbrachten Diensten.
Gartner-Analyst Daryl Plummer erwartet in den Unternehmen ein hybrides Modell aus internen und extern erbrachten Diensten.

Plummer: Wenn Sie so wollen, versorgen drei Motoren die Cloud mit Energie: Internet, Virtualisierung und Service-Orientierung. Das Internet als weltweit für jedermann zugängliche Distributionsplattform hat die Computernutzung doch schon revolutioniert. Hinzu kommen Service-orientierte Architekturen (SOA) mit Web-Services. Dahinter steckt die Idee, Unternehmen etwas genau in der Form zu liefern, in der sie es sofort benutzen können, ohne darüber nachzudenken, wie es funktioniert, wie es geliefert wird oder wie sie es in ihre Umgebung einpassen. Da haben Sie also das Internet als Dampfmaschine und die Service-Orientierung als Form der Interaktion zwischen Lieferanten und Kunden. Als drittes Element erlaubt die Virtualisierung den Unternehmen, Hardware ebenfalls als Service zu beziehen. Das gab es vorher nicht. Der IT-Benutzer war an die Technik gebunden, die ihm vorschrieb, wie er mit IT umgehen musste. Das ändert sich mit Cloud Computing radikal. IT kommt als Service. Ich muss nur noch wissen, was der Service bewerkstelligt, nicht mehr, wie er ein bestimmtes Ergebnis produziert. Der Anwender wird viel freier als heute.

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