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First Click Free (FCF)

Cloaking im Namen von Google?

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Google hat in der Vergangenheit Websites abgestraft, die Suchmaschinen andere Inhalte präsentierten als Nutzern ("Cloaking"). Nun erlaubt der Internet-Konzern dies plötzlich - mit dem neuen Feature "First Click Free" (FCF) für sich und seine Nutzer.

FCF, vorgestellt im Webmaster Central Blog, dient nach Angaben von Google dazu, erstens den eigenen Index um wertvolle Inhalte zu erweitern und zweitens Anbietern eine Möglichkeit zu bieten, zugangsbeschränkte Inhalte zu promoten.

Und das geht so: Nachdem FCF auf einer Website implementiert wurde, können Google-Nutzer Inhalte aus dem Ergebnis einer Google-Suche heraus direkt aufrufen. Andere Nutzer landen stattdessen auf einer Seite, wo sich registrieren oder ein Abonnement abschließen müssen, bevor sie den Content zu Gesicht bekommen.

Philipp Lenssen wertet dies bei "Google Blogoscoped" im Prinzip als genau das Cloaking, welches das früher eher als "neutraler Beobachter" positionierte Google anderswo verteufelte. Außerdem, so befindet Lenssen, mache Google hier ein ziemliches Fass auf mit noch unabsehbaren und womöglich weitreichenden Folgen, indem es Webmastern die Möglichkeit biete, den Googlebot mitsamt den Google-Nutzern als VIPs zu behandeln.

Damit, so Lenssen weiter, würden Googles organische Suchergebnisse nicht mehr zu einer allgemeinen, sondern zu einer ganz besonderen Sicht auf das Web. Und das erinnere an proprietäre Spielchen ("Best Viewed with Netscape" vs. "Optimized for Internet Explorer") aus den 1990er Jahren, als sich die Browser-Hersteller bemühten, ihren Nutzern mit proprietären Tags und dergleichen ein "spezielles" Web anzudienen. Das habe schon damals vielen nicht gefallen, weil es sich zu sehr nach einer Falle anfühlte: Das Web laufe offensichtlich besser, wenn es mit herstellerübergreifenden/-unabhängigen Standards arbeite und nicht optimiert sei für dieses oder jenes Tools oder eine (teils eigeninteressierte) Firma.