Telekom-Vorstand Reinhard Clemens im CW-Gespräch

Clemens: "Wir können Wachstumsgeschichte schreiben"

27.02.2008
Reinhard Clemens, CEO von T-Systems, soll den kriselnden IT-Dienstleister wieder in die Erfolgsspur führen. Im Gespräch mit CW-Redakteur Joachim Hackmann kündigt er Einschnitte im Vertrieb, Management und Betrieb an.

CW: In unternehmensnahen Kreisen ist von einer Einigung mit Cognizant zu hören. Ist Cognizant der künftige Partner für die Systemintegrationssparte?

Clemens: Noch steht die finale Entscheidung über die Zukunft des Bereichs Systems Integration aus. Cognizant wäre eine charmante Option, aber nicht die einzige. Die Entscheidung treffen wir im Vorstand. Es gibt generell Vorteile für eine Partnerschaft, es gibt aber auch gute Argumente für einen Verkauf. Wir arbeiten derzeit am Business Case. Sobald diese Arbeit abgeschlossen ist, können wir bewerten, welche Variante sinnvoll ist. Dabei müssen wir sowohl die kaufmännische als auch die fachliche Seite betrachten.

CW: Muss die Entscheidung zur Aufsichtsratssitzung am 27. Februar stehen?

Clemens: Es wäre schön, wenn wir den Termin halten könnten. Die Entscheidung fällt aber erst, wenn die Verträge sorgfältig verhandelt sind. Der Vorstand und der Aufsichtsrat müssen genau wissen, was wir vorhaben. Wir müssen den Verhandlungsteams die erforderliche Zeit zugestehen, um einen wasserdichten Vertrag zu entwerfen. Wenn das nicht zum 27. Februar klappt, müssen wir das akzeptieren.

Reinhard Clemens: Wir stehen kurz vor Abschluss der Partnersuche. Ich habe unseren Mitarbeitern versprochen, dass wir die Entscheidung in diesem Quartal treffen.
Reinhard Clemens: Wir stehen kurz vor Abschluss der Partnersuche. Ich habe unseren Mitarbeitern versprochen, dass wir die Entscheidung in diesem Quartal treffen.
Foto: Reinhard Clemens

CW: Ist die Zustimmung des Aufsichtsrats in jedem Fall erforderlich?

Clemens: Beim Verkauf ja, weil wir Unternehmensteile veräußern. Eine Partnerschaft muss der Aufsichtsrat dagegen nicht genehmigen. In der Sitzung diese Woche will das Kontrollgremium aber sicher wissen, wohin die Reise geht. Darüber werde ich berichten. Aber dann schon eine verbindliche Entscheidung bekommen zu wollen, halte ich für sehr ambitioniert.

CW: Woran hapert es denn noch?

Clemens: Die Konditionen für die Optionen liegen auf dem Tisch. Nun müssen wir bewerten: Was ist die bessere Möglichkeit? Wir haben die einmalige Chance, den Markt dramatisch zu verändern. Eine Partnerschaft schafft uns viele Möglichkeiten, über die bislang kein deutscher Player in dem Umfeld und Umfang verfügt. Wir können eine enorme Wachstumsgeschichte schreiben. Wichtig ist der Zugang zu Kapazitäten in Niedriglohnländern.

CW: Das Offshoring bedroht hiesige Arbeitsplätze. Wie viele Stellen sind gefährdet?

Clemens: Ich kann und will zurzeit keine Zahlen nennen. Wir müssen abwägen, welche Option besser für Unternehmen und Mitarbeiter ist. In einer Partnerschaft hängt es davon ab, wie stark wir wachsen. Bei einer Veräußerung kommt es darauf an, was der Käufer vorhat. In beiden Fällen wird es Anpassungen geben.

CW: Wie viele Mitarbeiter arbeiten denn in der betroffenen Systemintegrationssparte?

Clemens: Rund 15 000 Mitarbeiter weltweit. Es gibt keine Alternative zum Offshoring. Selbst wenn man ein Szenario entwerfen würde, in dem wir das Geschäft ohne Partner und Käufer verfolgen würden, müssten wir Ressourcen in Niedriglohnländer aufbauen. In der Systemintegration wird es kaum möglich sein, die Anwendungsentwicklung komplett in Deutschland zu halten. Mit einem Partner kommen wir schneller zum Erfolg und müssen weniger Stellen streichen. Deshalb ist sie eine sinnvolle Option.

Eine klare Rollenverteilung im Partnermodell sieht so aus, dass der Offshore-Spezialist die Rolle einer Programmierwerkstatt übernimmt und T-Systems verantwortet den Zugang zu den europäischen Kunden. In Ländern außerhalb Europas vertauschen wir möglicherweise die Rollen. Es wird auf jeden Fall eine definierte Aufgabenverteilung je nach Kunde, Markt und Region geben.

Ein möglicher Käufer der SI-Sparte hat wahrscheinlich eine andere Sichtweise. Er will den Markt in Deutschland aufbauen. Für ihn sind die hiesigen Ressourcen wichtig. Zwischen diese beiden Möglichkeiten müssen wir abwägen. Dabei sind die Belange der Mitarbeiter sehr wichtig, wir müssen aber auch die beste Option aus unternehmerischer Sicht finden.

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