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Clarfeld Software stellt Insolvenzantrag

02.01.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Clarfeld Software hat Insolvenz beantragt. Die Venture-Capital-Geber 3i und TFG haben die Mittel für eine zweite Finanzierungsrunde nicht freigegeben. Der Insolvenzverwalter will den Hersteller von kaufmännischer Standardsoftware retten.

Ende Dezember war Schluss für die Clarfeld Software AG, Winsen an der Luhe. Statt wie geplant rund vier Millionen Mark von den Investoren zu erhalten, musste das Unternehmen den Weg zum Gericht antreten und Insolvenz beantragen. Aus Sicht des Vorstandsvositzenden Jens-Peter Clarfeld ein unnötiger Schritt, denn die neue Produktpalette "Commergeline" stehe kurz vor der Fertigstellung. Die hierbei aufgetretenen Verzögerungen sowie geringe Abweichungen beim Ergebnis vor Steuern (EBIT) waren seinen Angaben zufolge der Grund für den Rückzug der Investoren. Trotzdem: "Aus unserer Sicht ist die Firma wirtschaftlich gesund", argumentiert Jens-Peter Clarfeld.

Das sehen die Kapitalgeber, allen voran die federführende 3i Deutschland Gesellschaft für Industriebeteiligungen mbH, anders. "Clarfeld hat die gesteckten Ziele leider nicht erreicht", stellt Robert Stein, Investment Direktor bei 3i in Hamburg, klar. "Trotz aller Bemühungen durch Management und Investoren konnte keine Lösung gefunden werden." Auch die TFG Venture Capital, Marl, sieht das so. Beide Investoren bestreiten, dass das schlechte wirtschaftliche Klima für DV-Firmen ein Grund für den Rückzug war. Stein: "Das Aussetzen der zweiten Finanzierungsrunde bei Clarfeld hat nichts mit der schlechten Situation am Neuen Markt oder generellen Schwierigkeiten von Unternehmen der New Economy zu tun. Wir werden uns auch weiterhin in diesem Segment engagieren."

Zumindest der Insolvenzverwalter glaubt an die Zukunft von Clarfeld. "Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter streben wir an, neue Investoren für das Unternehmen zu gewinnen und die Geschäfte wie geplant fortzuführen", kündigt Vorstandssprecher Clarfeld an. Entlassungen oder ein Verkauf von Unternehmensteilen seien zurzeit nicht geplant.