IT-Forschung

Ciscos holografischer Gesprächspartner

Virtuelle Konferenzsysteme haben einen enormen Sprung nach vorne gemacht. Für Cisco liegt der nächste große Schritt im Einsatz von Holografietechniken.

Beam me up, Scotty" - wer kennt ihn nicht, den legendären Spruch aus der Science-Fiction-Serie "Star Trek". War die dort dargestellte Holografie-Technik noch Zukunftsmusik, wird sie mittlerweile mehr und mehr Realität. Zeit wird es, denn die Branche spricht bereits lange darüber: Schon vor über zehn Jahren hieß es auf der US-amerikanischen Kongressmesse Siggraph, dass man im Bereich Virtual Reality auch mit Holografietechniken experimentiere. Viel zu sehen gab es zumindest im Business-Umfeld bisher aber nicht. Zu den wenigen Pionieren, die an einer baldigen Lösung arbeiten, zählt Cisco. Das Unternehmen kündigte im vergangenen Jahr an, dass es seine Konferenztechnik mit holografischen Verfahren anreichern wird.

Die Basis bildet Telepresence

Dafür baut Cisco auf seine Rich-Media-Lösung "Telepresence", die 2007 auf den Markt kam. Mit ihr hat das Unternehmen ein System entwickelt, das virtuelle Meetings über das Netzwerk ermöglicht und dabei ein realistisches Begegnungserlebnis vermittelt. Dafür sorgen eine hoch auflösende Videodarstellung in Lebensgröße und natürlicher Raumklang.

Das Konferenzsystem Cisco Telepresence
Das Konferenzsystem Cisco Telepresence
Foto: Cisco

Cisco argumentiert: Wo früher noch zeitaufwändige Reisen notwendig waren, können heute virtuelle Meetings ad hoc stattfinden, was Kosten senkt und die Effizienz von Arbeitsabläufen erhöht. Und in Anlehnung an Green IT: Die Integration von Sprach-, Daten- und Videoverkehr spart Energie. Aktuell hat Cisco weltweit über 220 Telepresence-Einrichtungen in mehr als 30 Ländern und nahezu 95 Städten im Einsatz. Mehr als 100 000 Meetings wurden bisher abgehalten.

Der nächste Schritt

Eigentlich ist Marthin De Beer (Mitte) auf dieser Veranstaltung in Bangalore gar nicht vorhanden. Cisco-Chef John Chambers (links) hat seinen Senior Vice President Emerging Technology als virtuelle Holografie auf die Bühne geholt. Der reale De Beer befindet sich in einem Studio in Kalifornien. Der für die holografische Projektion benötigte Glasquader ist mit Hilfe trickreicher Bühnenbeleuchtung unsichtbar.
Eigentlich ist Marthin De Beer (Mitte) auf dieser Veranstaltung in Bangalore gar nicht vorhanden. Cisco-Chef John Chambers (links) hat seinen Senior Vice President Emerging Technology als virtuelle Holografie auf die Bühne geholt. Der reale De Beer befindet sich in einem Studio in Kalifornien. Der für die holografische Projektion benötigte Glasquader ist mit Hilfe trickreicher Bühnenbeleuchtung unsichtbar.

Nun ist der nächste Schritt geplant - mit "Cisco on Stage Telepresence Experience", so der Name der derzeitigen Demoversion. Einen ersten Eindruck von der weiterentwickelten Konferenzlösung gab Cisco-Chef John Chambers vergangenes Jahr bei der Eröffnung von Ciscos Zentrale für den Fernen Osten im indischen Bangalore. Während Chambers live auf der Bühne sprach, holte er seinen Gesprächspartner Marthin De Beer, Senior Vice President Emerging Technology bei Cisco, als Hologramm zu sich. "De Beer war zwar ebenfalls in Lebensgröße anwesend - aber eben nur virtuell", erzählt Charles Stucki, Vice President und General Manager der Business Unit Telepresence.

In Wirklichkeit befand sich De Beer mehrere tausend Meilen entfernt in einem Studio in Kalifornien. Eine Kamera zeichnete ihn auf, er wiederum stand vor zwei Telepresence-Bildschirmen. Auf dem einen war John Chambers zu sehen und zu hören, auf dem anderen das Publikum. "Damit wollen wir es ermöglichen, dass der Gesprächspartner, in diesem Fall De Beer, nicht nur auf seinen Counterpart reagieren kann, sondern auch auf Fragen oder Anmerkungen aus dem Publikum. Das Ganze wird so interaktiv wie in einer realen Situation", berichtet Stucki.

Die Technik

War das Holodeck bislang nur Wunschtraum, hat Cisco mit Telepresence Experience nun einen großen Schritt geschafft. Das Hologramm wirkte bei seiner Vorführung täuschend lebensecht und begeisterte insbesondere durch die gelungene Synchronisation von Bewegung und Sprache. Zur Darstellung des Hologramms setzt Cisco einen größeren Glasquader ein, in den die Person hineinprojiziert wird, und zwar von unten nach oben. Am Aufnahmeplatz selbst kann sich der Konferenzteilnehmer auf einer Fläche von etwa einem auf zwei Metern frei bewegen, was ebenfalls einen realistischen Effekt auf der Bühne erzeugt. Die Projektion vermittelt dabei den Eindruck, als sei die Person dreidimensional sichtbar. Ein echter Trick, denn in Wirklichkeit ist die Darstellung zweidimensional. "Durch den Quader erzeugen wir die dritte Dimension der Tiefe und vermitteln damit einen lebensechten Eindruck. Wir sprechen daher von einer virtuellen Holografie", so Stucki. "Ein einzelner holografischer Frame würde bereits beim Rendern Stunden brauchen, was unweigerlich zu Verzögerungen in der Übertragung führt. Dies würde eine Kommunikation in Echtzeit unmöglich machen. Für eine echte 3D-Ausstrahlung wären mehrere Petabyte an Daten notwendig. Durch den Einsatz von Telepresence benötigt die virtuelle holografische Darstellung von Cisco dagegen lediglich um die 10 Mbit/s an Bandbreite." Wichtig ist die Latenzzeit, denn diese muss unter 160 Millisekunden liegen. Dies gilt es im Service-Level-Agreement zu definieren.

Der Nutzen, der sich für Konzerne mit Telepresence Experience ergeben würde, ist laut Stucki vielfältig: "Mit Telepresence haben wir bereits einen hohen technischen Stand erreicht, der bei Meetings ein Gefühl vermittelt, als säßen alle Konferenzteilnehmer im selben Raum. Telepresence Experience erweitert diesen Live-Effekt, gerade wenn es um Großveranstaltungen geht. Ich denke dabei beispielsweise an Keynote-Präsentationen. Das System ermöglicht es, dass der Redner an einem oder mehreren Orten gleichzeitig live erscheint." Darüber hinaus bietet das virtuelle 3D-Videosystem noch weitere vielfältige Einsatzmöglichkeiten, sei es im Bereich Digital Signage, 3D-CAD Rendering oder neuartiger Collaboration-Tools wie Virtual Whiteboarding.

Eine Herausforderung ist allerdings noch die aufwändige Installation. Der Aufbau ist vergleichbar mit dem einer Konzerttechnik - neben dem erwähnten Glasquader wird eine entsprechende Licht- und Tontechnik benötigt. Gesucht werden daher standardisierte Lösungen, mit denen eine Marktdurchdringung gelingen kann.