Fünf Jahre HD-Videokonferenzen

Cisco will Telepresence demokratisieren

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Neue Clients und Services sollen die Verbreitung von HD-Videokonferenzen fünf Jahre nach der Vorstellung des ersten Telepresence-Systems vorantreiben.
Das Highend-System Telepresence 3000
Das Highend-System Telepresence 3000
Foto: Cisco

Wie die Zeit vergeht: Fünf Jahre ist es her, dass Cisco unter großem Medienrummel sein HD-Videokonferenzsystem Telepresence vorgestellt hat. Bei dem Raumsystem CTS 3000 scheuten der kalifornische Netzausrüster keinen Aufwand, um den Teilnehmern ein hautnahes Treffen vorzuspiegeln und somit zeitraubende und kostenintensive Dienstreisen zu ersparen. So kommen nicht nur HD-Videokameras, spezielle Mikrofone und drei 65-Zoll-Plasmabildschirme zum Einsatz. Cisco stellt auch an die Raumgestaltung besondere Anforderungen, von den Tischen bis hin zur Farbe der Tapeten.

Für den kleineren Geldbeutel: Cisco Telepresence 1000
Für den kleineren Geldbeutel: Cisco Telepresence 1000
Foto: Cisco

Der Aufwand hat natürlich seinen Preis: Das große 3000er Telepresence-System allein belastete das Firmenbudget mit rund 300.000 Dollar (VB), selbst für die kleinere 1000er Variante, an der zwei Personen Platz haben, waren immerhin noch 79.000 Dollar fällig. Im Worst Case fallen zudem teure Investitionen in die Netzinfrastruktur an, hier sind neben teurem Cisco-Equipment wie dem "Call Manager" und - bei Schaltungen zwischen mehreren Standorten - einem Video-Multipoint-Switch eine Netzanbindung mit ausreichend Bandbreite im Up- und Downstream, Quality of Service (QoS) sowie einer Latenzzeit von maximal 150 Millisekunden gefordert.

Lange Zeit mussten zudem alle Videokonferenzteilnehmer mit einem Cisco-System ausgestattet sein. Um das "echte" ruckelfreie Telepräsenz-Erlebnis zu gewährleisten, ließ Cisco keine Systeme von Wettbewerbern zu. Erst später erkannten die Kalifornier dass Interoperabilität der Schlüssel zu einer weiteren Verbreitung von Videokonferenzen ist - insbesondere im Zusammenhang mit Unified Communications und Collaboration bei weltweit verteilten Arbeitsgruppen - und unterstützten auch Videoconferencing-Standards wie SIP oder H.323.

Interoperabilität ist geschäftsfördernd

"Bei E-Mails verweist auch niemand mehr auf die eingesparten Briefmarken." OJ Winge, SVP Telepresence bei Cisco
"Bei E-Mails verweist auch niemand mehr auf die eingesparten Briefmarken." OJ Winge, SVP Telepresence bei Cisco
Foto: Cisco

Auch das im Zuge der Übernahme von Tandberg in 2010 von Cisco entwickelte Telepresence Interoperability Protokoll (TIP) wurde für andere Systemanbieter freigegeben. Anders als von Marktbeobachtern befürchtet, habe dieser Zug dem Erfolg der eigenen Lösung aber keinen Abbruch getan, erklärt OJ Winge, Senior Vice President von Ciscos Telepresence-Sparte, im CW-Interview. Im Gegenteil: Die Nachfrage habe nach der Tandberg-Übernahme vielmehr an Dynamik gewonnen. "Inzwischen hat Ciscos Telepresence-Technik 52 Prozent Marktanteil erreicht, das entspricht einen Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr", so Winge. "75 Prozent der Fortune-500-Unternehmen sind Telepresence-Kunden."

Wie der frühere Tandberg-COO - natürlich via Telepresence aus Kopenhagen zugeschaltet - ausführt, hat sich inzwischen auch der Fokus der Telepresence-Nutzung verändert: Anfänglich wurde als Hauptargument für Videoconferencing das Einsparungspotenzial bei Zeit und Reisekosten genannt. Mittlerweile habe Telepresence verschiedenste Anwendungen hervorgebracht und sei letztendlich auch nicht mehr nur der Vorstandsetage vorbehalten. Vielmehr erleichtere die Technik es allen Bereichen des Unternehmens, mit Experten zu sprechen und die Markteinführung von neuen Produkten zu beschleunigen.

Als Resultat hätten Interessenten das Argument Einsparung von Reisekosten in den vergangenen 18 Monaten bei neun von zehn Verkaufsgesprächen gar nicht erwähnt, im Mittelpunkt stünden vielmehr die Überlegungen, wie Telepresence die Geschäftsprozesse beeinflusse, wie eine engere Verbindung mit den Zulieferern erzielt werden kann und Ähnliches. "Bei E-Mails sieht auch niemand mehr das Einsparpotenzial bei Briefmarken", zieht Winge einen treffenden Vergleich."