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Cisco und Co legen alternatives Berechnungsmodell für Optionskosten vor

16.09.2004

Mit einem eigenen Modell zur Berechnung der Kosten von Aktienoptionsprogrammen kochen Cisco, Qualcomm und das Biotech-Unternehmen Genentech den alten Streit um die Ausweisung der Aufwendungen in den Bilanzen wieder hoch.

Das Financial Accounting Standards Board (FASB) will seit mehr als zehn Jahren Firmen dazu zwingen, Aktiengeschenke an Mitarbeiter ähnlich wie bereits Vergütungen und Boni als Personalkosten in ihre Gewinn-Verlust-Rechnung aufzunehmen. Falls es zu keinen weiteren Verzögerungen oder einem Einspruch des US-Kongresses kommt, soll eine entsprechende Regelung ab Jahresende eingeführt werden – sehr zum Ärger etwa von IT-Chefs wie Cisco-CEO John Chambers und Intel-Chef Craig Barrett, die in Aktienoptionen ein wirksames Instrument zur Motivation ihrer Mitarbeiter sehen und entsprechend großzügig einsetzen.

Neben der allgemeinen Ablehnung höherer Kosten verweisen Kritiker darauf, dass das von der FASB empfohlene Black-Scholes-Modell nicht für die Berechnung der tatsächlichen Kosten geeignet sei. Dieses Modell sei vielmehr ausschließlich für die Bewertung von am Markt gehandelten Optionsscheinen gedacht, nicht aber für an Mitarbeiter vergebene Aktienoptionen.

Das am Dienstag vorgestellte neue Modell soll nun bei der Berechnung der Kosten eine Reihe von typischen Eigenschaften von Mitarbeiteroptionen berücksichtigen, etwa dass diese nicht übertragbar sind und bei Ausübung einen verwässernden Effekt auf den Aktienkurs haben. Wohl am Entscheidendsten ist jedoch an der neuen Formel, dass bei der Berechnung des möglichen Ausübungspreises nicht mehr die frühere Wertentwicklung der Unternehmensaktie sondern die Volatilität des marktbreiten Aktienindexes "S&P 500" verwendet wird. Schätzungen zufolge werden die Kosten damit um rund 70 Prozent niedriger ausfallen als nach der Black-Scholes-Methode. (mb)