Cisco-Boss Robbins fordert die digitale Union in Europa

Cisco investiert 500 Millionen Dollar in Deutschlands Digitalisierung

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
In den nächsten drei Jahren will Cisco in Deutschland im Rahmen der Agenda "Deutschland Digital" 500 Millionen Dollar in die Digitalisierung Deutschlands investieren. Schwerpunkte sind dabei laut Cisco Deutschlandchef Oliver Tuszik und Cisco-Boss Chuck Robbins die Bereiche Innovation, Sicherheit und Bildung.
Cisco-Boss Chuck Robbins investiert 500 Millionen Dollar in Deutschland Digital.
Cisco-Boss Chuck Robbins investiert 500 Millionen Dollar in Deutschland Digital.
Foto: Jürgen Hill

In einer virtuellen, digitalen Pressekonferenz verkündete Netz- und IT-Ausrüster Cisco, dass er in den nächsten drei Jahren im Rahmen des Programms "Deutschland Digital" 500 Millionen Dollar investieren will. Das Engagement des US-Konzerns ist dabei auf die die drei Bereiche Innovation, Bildung und Sicherheit fokussiert und soll primär das B2B-Segment adressieren, indem der Konzern bereits mit Partnern wie Bosch-Rexroth oder der Deutschen Telekom aktiv ist. Dabei erfolgt der Invest des Konzern nicht aus reiner karitativer Nächstenliebe oder corporate social responsibility, sondern ist mit der Hoffnung verbunden, dass die Unternehmen im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung auch Cisco-Equipment kaufen, denn "das Netzwerk", so Deutschland-Chef Tuszik, "bleibt das Rückgrat der Digitalisierung".

Cisco-Boss lobt Merkel in Sachen Digitalisierung

Gelebte Digitalisierung: Cisco-CEO informierte die deutsche Presse virtuell per TelePresence.
Gelebte Digitalisierung: Cisco-CEO informierte die deutsche Presse virtuell per TelePresence.
Foto: Jürgen Hill

Auf die Frage, warum der Konzern diese Summe in Deutschland on top zu seinen sonstigen Investitionen investiere, bezeichnete Cisco CEO Chuck Robbins Deutschland als eines der "key countries" für den Konzern. Gleichzeitig war Robbins voll des Lobes für Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Mit Industrie 4.0 hat sie als eine der wenigen Staatsführer zuerst die Konsequenzen der Digitalisierung erfasst und die Bereitschaft gezeigt, daraus die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen." Zudem habe er den Eindruck gewonnenen, dass nicht nur die Kanzlerin, sondern auch die diversen Ministerien in Berlin hinter dem Thema Digitalisierung stehen. Und solche Staaten wolle Cisco, so Chef Robbins weiter, bei der Digitalisierung unterstützen. So hat der Konzern bereits ähnliche Investments in Großbritannien, Frankreich und Italien getätigt. Die Investitionen sind Teil der weltweiten Cisco-Initiative "Country Digitization Acceleration".

Überholt Frankreich uns bei den Start-ups?

Robbins lobte Merkel für ihre Weitsicht, die sie in Sachen Digitalisierung mit Industrie 4.0 bewiesen habe.
Robbins lobte Merkel für ihre Weitsicht, die sie in Sachen Digitalisierung mit Industrie 4.0 bewiesen habe.
Foto: Jürgen Hill

Gerade mit Blick auf Frankreich warnte Robbins die Deutschen davor, sich auf ihren Erfolgen auszuruhen, denn die Nachbarn wären mit Blick auf die Start-up-Szene auf einem sehr guten Weg und dabei, gegenüber Deutschland aufzuholen, auch wenn Berlin derzeit noch die Hipster-Stadt Europas sei. Gleichzeitig las Robbins der deutschen Presse die Leviten und fragte sich, warum die deutschen Journalisten immer ins Silicon Valley kommen und US-Unternehmen nach Digitalisierungsstrategien fragen und Uber oder Tesla das Wort reden, während die Amerikaner auf die deutsche Industrie schauten und diese aufgrund ihrer Präzision und Innovationskraft als potenzielle Gewinner der Digitalisierung betrachteten. "Im Automobilbereich dürften die deutschen Unternehmen zu den führenden Playern der Digitalisierung zählen", ist Cisco-CEO Robbins überzeugt. Allerdings fand er auch warnende Worte, dass es jetzt Zeit sei zu handeln, denn sonst drohe Deutschland die Digitalisierung zu verschlafen. So müsse Deutschland etwa endlich ein Digitalisierungs-gemäßes Umfeld schaffen und regulatorische und legislative Hindernisse aus dem Weg räumen. Des Weiteren forderte Robbins mit Nachdruck den "single digital european market" - also die digitale Wirtschaftsunion - um Start-ups einen Zugang zu einem größeren, einheitlichen Markt ohne administrative Hürden zu eröffnen.

Technologie definiert Strategie

Teilnehmer der virtuellen Cisco-PK im Berliner Büro des Konzerns.
Teilnehmer der virtuellen Cisco-PK im Berliner Büro des Konzerns.
Foto: Jürgen Hill

Darüber hinaus müssten sich CEOs und Staatsführer verdeutlichen, dass im Zeitalter der Digitalisierung "die Tage, in denen Technologie eine Strategie ermöglichte, vorbei sind, jetzt definiert die Technologie die Strategie", so der Cisco-Boss. Eine Strategie, die aber von Land zu Land unterschiedlich ausfallen kann, wie Cisco-Deutschland-Chef Tuszik anmerkte: "Während andere europäische Staaten die Digitalisierung benötigen, um ihre Arbeitslosenzahlen zu senken, benötigen wir die Digitalisierung um die bestehenden Arbeitsplätze abzusichern." Hierzulande umfasst Ciscos Investitionsplan etwa Anschubfinanzierungen für konkrete Digitalisierungsprojekte, Forschungsgelder, den Ausbau des Cisco Networking Academy Programs sowie direkte Investitionen in einen Venture Fund sowie zusätzliche Personal- und Infrastrukturausgaben.

Cisco bildet 35.000 Flüchtlinge aus

Deutschland-Chef Oliver Tuszik will im Rahmen von Deutschland Digital auch 35.000 Flüchtlinge ausbilden.
Deutschland-Chef Oliver Tuszik will im Rahmen von Deutschland Digital auch 35.000 Flüchtlinge ausbilden.
Foto: Jürgen Hill

Passend zum Thema: Quiz zum Arbeitsplatz der Zukunft

So plant Cisco, die jährliche Absolventenzahl der Cisco Networking Academy in drei Jahren von 35.000 auf 80.000 zu steigern. Zentrales Element soll ein Lernmodul speziell für den deutschen Markt werden, das vor allem das Thema Internet of Things für Nicht-IT-Berufe abdeckt. Der Fokus liegt dabei auf der Vermittlung von digitalen Kompetenzen für Nicht-IT-Berufe in kleinen und mittleren Unternehmen, also IT-Kenntnisse beispielsweise für Installateure (Smart Home), Pflegekräfte (Smart Health) oder Elektriker (Smart Grid). Darüber hinaus will das Unternehmen mit Partnern 35.000 Flüchtlinge entsprechend ausbilden.

Gemeinsam mit mittelständischen Unternehmen - Cisco Deutschland sieht sich laut Tuszik hierzulande selbst als Mittelständler - will der IT-Ausrüster regelmäßig Innovationswerkstätten veranstalten. Unter professioneller Leitung werden die Unternehmen dort gemeinsam mit Cisco, ausgewählten Start-ups und anderen Partnern Lösungen für konkrete digitale Herausforderungen und passende Geschäftsmodelle entwickeln. Ferner werde Cisco seine Investitionen in Start-ups und Venture Funds in Deutschland ausweiten. Die Schwerpunkte sollen dabei auf Sicherheit, Cloud Computing und Industrie 4.0/Internet of Things (IoT) liegen. So engagiert sich das Unternehmen bereits in der deutschen Start-up-Szene und hat erst kürzlich in das Berliner IoT-Start-up relayr investiert.

Cisco PK Deutschlan Digital Robbins
Cisco PK Deutschlan Digital Robbins
Foto: Jürgen Hill

Letztlich, so Tuszik weiter, "könne die Digitalisierung für ein Land oder Unternehmen eine Goldgrube sein, oder ein schwarzes Loch, in dem es verschlungen wird." Dies hänge davon ab, wie man an die Herausforderungen dieser industriellen Revolution herangehe.