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Cisco gibt laue Prognose ab

10.11.2004
Cisco hat zwar seinen Quartalsgewinn um 29 Prozent gesteigert, aber die Umsatzerwartung verfehlt und eine sehr verhaltene Prognose abgegeben.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Netzausrüster Cisco Systems hat mit einem mittelmäßigen Quartalsergebnis und einer zurückhaltenden Prognose neuen Grund zur Sorge um die Nachhaltigkeit des Hightech-Aufschwungs gegeben. Der Quartalsumsatz des im kalifornischen San Jose ansässigen Unternehmens lag knapp unter der Erwartung der Analysten, die Neuaufträge blieben hinter den Auslieferungen zurück. Außerdem gelang es Cisco nicht, seine in den vergangenen Quartalen rapide gestiegenen Lagerbestände abzubauen.

CEO John Chambers bezeichnete das Quartal zwar als "gut", erklärte aber gleichzeitig, das Unternehmen leider weiterhin unter Problemen von Investitionszurückhaltung seitens der Kunden bis hin zu einer Welle von Niedrigpreiswettbewerbern aus Asien. Für den Ende Oktober abgeschlossenen Dreimonatszeitraum wies Cisco trotzdem einen Nettogewinn von 1,4 Milliarden Dollar oder 21 Cent pro Aktie aus, 29 Prozent mehr als die 1,09 Milliarden Dollar aus dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Den Quartalsumsatz steigerte Cisco von 5,1 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal zwar um 17 Prozent auf 5,97 Milliarden Dollar, allerdings im Vergleich mit dem Vorquartal um sequentiell weniger als ein Prozent. Das entsprach zwar der eigenen Prognose, lag aber um rund 50 Millionen Dollar unter dem Analystenkonsensus.

Beim Gewinn konnte Cisco dank unerwartet guter Kostenkontrolle die Erwartungen der Wall Street erfüllen. Dies ging allerdings teilweise auf Kosten niedrigerer Provisionen für die Vertriebsmannschaft. Finanzchef Dennis Powell erklärte, er erwarte im laufenden Quartal wieder leicht steigende operative Kosten.

Die Bruttogewinnmarge des Unternehmens, ein wichtiger Maßstab für die Profitabilität, fiel von 68,4 Prozent im vorhergehenden Quartal auf aktuell 67,2 Prozent. Powell begründete dies mit steigendem Absatz von Produkten der Consumer-Tochter Linksys und der Einführung neuer Switches für Unternehmensnetze. Solche neuen Produkte würden typischerweise zunächst zu geringeren Margen eingeführt, später optimiere man dann die Produktion und steigere damit die Profite.

Seine Lagerbestände habe Cisco nicht wie vielfach erwartet reduziert, so der Finanzchef weiter, weil man mehr Ersatzteile für neue Produkte in Bereichen wie Security und Internet-Telefonie vorhalte. Inzwischen habe man aber die Teilebestellungen bei Zulieferern an die zurückhaltendere Prognose angepasst und um 106 Millionen Dollar reduziert.

Cisco ist und bleibt aber eine Geldmaschine - im abgelaufenen Quartal generierte es 1,5 Milliarden Dollar operativen Cash Flow. Die Barmittel und kurzfristigen Anlagen gingen von 19,3 Milliarden Dollar zu Ende Juli aufgrund des aggressiven Aktienrückkaufprogramms auf 17,7 Milliarden Dollar zurück.

Für das laufende Vierteljahr erwartet Cisco im Jahresvergleich zwölf bis 14 Prozent Umsatzwachstum und damit etwas weniger als von den Analysten erwartet. Chambers erklärte, er rechne nicht damit, dass die Kundschaft zum Jahresende verstärkt einkaufen werde, um ungenutzte IT-Budgets auszuschöpfen. "Ich gehe davon aus, dass die Leute ein bisschen konservativer sein werden", sagte der Cisco-Chef. Lehman-Brothers-Analyst Tim Luke nannte Ciscos Ausblick "irgendwie uninspirierend", verwies aber gleichzeitig darauf, dass die von Cisco erwarteten Aufträge zumindest über den Shipments liegen würden.

Cisco meldete seine Zahlen nach Börsenschluss. Nachdem die Aktie der Firma zu Fixing bereits 22 Cent leichter bei 19,75 Dollar notiert hatte, fiel der Kurs im nachbörslichen Handel nochmals auf 19,27 Dollar. (tc)