Executive Forum am Tegernsee

CIOs spüren leichten Rückenwind

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Gute Stimmung herrschte unter den CIOs auf dem Executive Forum in Rottach-Egern. Endlich ging es weniger um Sparen, sondern mehr um Themen wie Innovation und Modernisierung.

Erstes positives Anzeichen für eine verbesserte Stimmung: Die Veranstalter COMPUTERWOCHE und die Schwesterpublikation CIO verzeichneten mit fast 50 CIOs und IT-Verantwortlichen einen neuen Teilnehmerrekord ihres jährlichen Treffens Mitte Juni am Tegernsee. Im Mittelpunkt standen Vorträge zu aktuellen Themen, aber auch der Gedankenaustausch untereinander und mit der Wissenschaft. Walter Brenner, Professor am Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen und Mitinitiator der Veranstaltung, versucht die Praktiker immer wieder mit neuen Impulsen aus der Wissenschaft zu versorgen.

Die Vorträge sollten einen Eindruck davon vermitteln, mit welchen Themen sich zumindest einige der IT-Verantwortlichen derzeit herumschlagen. Den Anfang machte Johann Kandelsdorfer, CIO von OMV. Mit 18 Milliarden Euro Umsatz zählt sich der österreichische Mineralölkonzern zu den Großen in Mitteleuropa. Eine besondere Herausforderung bedeutete die Integration der staatlichen rumänischen Ölgesellschaft Petrom mit ihren rund 60.000 Mitarbeitern in den Mutterkonzern. Rund 100 Unternehmen mit eigenen IT-Abteilungen an 100 Standorten mit zum großen Teil eigenentwickelter Software sollten in kurzer Zeit mit wenig Ressourcen in die OMV eingegliedert werden. Die Organisation war beim Kauf des Unternehmens im Jahr 2005 überdimensioniert, die Prozesse "total heterogen" und die Infrastruktur "weit entfernt" von westlichen Standards. Vier Jahre später ist Kandelsdorfer stolz, dass man aus dem Konglomerat eine auf Business Units ausgerichtete Serviceorganisation schaffen konnte, die Prozesse auf SAP-Software aufsetzte und zwei neue Rechenzentren - in Wien und in Bukarest - baute. Jetzt, nach getaner Arbeit, wolle man sich auf die Prozessoptimierung konzentrieren. Auf Nachfrage musste Kandelsdorfer zugeben, dass so eine Integration - wie nicht anders zu erwarten - eine Mammutarbeit war; die Verhandlungen mit den Gewerkschaften wegen der ausscheidenden Mitarbeiter gestalteten sich schwierig, zudem mussten viele Beschäftigte wegen der Schließung von Standorten umziehen.

Chittur Ramakrishnan, RWE: "Warum gehören Marketing und Vertrieb zum Kerngeschäft einer Firma, und IT nicht?"
Chittur Ramakrishnan, RWE: "Warum gehören Marketing und Vertrieb zum Kerngeschäft einer Firma, und IT nicht?"
Foto: Jo Wendler

Einem anderen, etwas grundsätzlicheren Thema widmeten sich der CIO des Energieriesen RWE, Chittur Ramakrishnan, und Walter Brenner. Sie suchten eine Antwort auf die immer aktuell bleibende Frage, wie die Zukunft der IT-Organisation aussehen könnte. Brenner bezog sich dabei auf eine eigene, schon vor einiger Zeit veröffentlichte Studie, in der er konzerninterne IT-Dienstleister unter die Lupe nahm. Ein Fazit lautete, dass diese Firmen kaum Chancen haben, am Drittmarkt zu überleben. Damit erklärte sich Ramakrishnan, der auch CEO der RWE-eigenen IT-Tochter ist, sofort einverstanden. Mehr noch: Er sieht sich mit seiner IT als integraler Bestandteil des Unternehmens und stellte die rhetorische Frage: "Warum gehören Marketing und Vertrieb zum Kerngeschäft eines Firma, während sich die IT als Dienstleistungsfunktion definieren muss?" Er halte nichts vom Drittgeschäft, im Konzern gebe es genug Arbeit für die IT. Richtig sei, einerseits an der Effizienz zu arbeiten und über Auslagerungen nachzudenken, andererseits aber die Prozesskompetenz zu stärken und intensiver mit den Fachabteilungen zusammenzuarbeiten.

Klaus Hardy Mühleck, CIO Volkswagen Konzern: "Sie brauchen Leute, die ziehen."
Klaus Hardy Mühleck, CIO Volkswagen Konzern: "Sie brauchen Leute, die ziehen."
Foto: VW

Wenig begeistert scheint Klaus Hardy Mühleck, CIO des Volkswagen Konzerns, vom Thema Outsourcing zu sein. Sein Konzern baue gerade zwei neue Rechenzentren in Wolfsburg und Ingolstadt. An die Adresse der IT-Anbieter richtete er eine klare Ansage: "Ich habe keine Lust, dass mich Hersteller nach einigen Jahren Outsourcing über den Tisch ziehen, weil ich das Know-how im Unternehmen nicht mehr habe und nicht mehr beurteilen kann, was sie tun." Ansonsten widmete sich Mühleck einem seiner Lieblingsthemen, dem Umgang mit den neuen Mitarbeitern aus der Generation der Digital Natives. Während sich Zuhörer eher zurückhaltend zu den ab 1980 Geborenen äußerten, war der VW-CIO voll des Lobes über die neuen Stürmer und Dränger. "Sie brauchen Leute, die ziehen" , argumentierte er und meinte damit zum Beispiel den neuen Marketing-Vorstand Luca de Meo, der von Fiat kam und mittlerweile viele Kampagnen via Web 2.0 laufen lasse. Des Weiteren sei ein größeres iPad-Projekt in Arbeit. Mühleck sei klar geworden, dass auch er und seine IT daran arbeiten müssten, dass sich das Image des Unternehmens ändere, denn "die klassische IT mit RZ und Programmierung ist ein Schock für die jungen Leute".

Executive Forum 2010

Zum Thema "IT-Modernisierung - Wege zu einer "Lean-Infrastruktur" organisierten die COMPUTERWOCHE und ihre Schwesterpublikation CIO ihr Executive Forum in Rottach-Eggern. Redner waren Johann Kandelsdorfer, CIO von OMV, RWE-CIO Chittur Ramakrishnan, VW-CIO Klaus-Hardy Mühleck, Dietmar Schröder, CIO der Techniker Krankenkasse, Udo Wehkamp, CIO von Wyeth Pharma, sowie Walter Brenner, Professor am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen.