Kreative Zerstörung

CIOs sollten ihren Schumpeter lesen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Angesichts knapper Budgets und steigender konjunktureller Risiken fordert Gartner auf dem Symposium in Barcelona einen Prozess der "kreativen Zerstörung" in der IT.
Laut Gartner steigen die IT-Ausgaben erst nächstes Jahr wieder.
Laut Gartner steigen die IT-Ausgaben erst nächstes Jahr wieder.

Die schlechte Nachricht präsentierten die Marktforscher gleich zu Beginn des Gartner Symposium/ITxpo in Barcelona. In der Region Emea (Europa, Naher Osten, Afrika) sollen die IT-Ausgaben im laufenden Jahr um 1,4 Prozent sinken, erst 2012 sei wieder mit einem Anziehen um 2,3 Prozent zu rechnen, prognostizierte Gartners Forschungschef Peter Sondergaard. Ursache sei das Kriseln mancher westeuropäischer Staaten.

Die gute Nachricht: Unternehmen und insbesondere CIOs haben es laut Sondergaard selbst in der Hand, sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen. Ein "Weiter so" dürfe es dabei nicht geben, so das Credo der Analysten auf der traditionell hochkarätig besetzten Fachkonferenz, die laut Veranstalter rund 4000 IT-Experten, darunter 1600 CIOs, besuchten.

Das Leitthema auf dem laut Gartners bescheidener Selbsteinschätzung "weltweit wichtigsten Treffen von CIOs und IT Executives" lautete denn auch bedeutungsschwanger "Re-Imagine IT". Wie so häufig bei neuen Wortschöpfungen von Gartner lässt sich der Begriff nur vage übersetzen. Die IT "neu zu denken" wäre angesichts der vielfältigen Herausforderungen wohl zu kurz gegriffen; Unternehmens-IT andererseits aber gleich "neu zu erfinden" dürfte von den meisten CIOs dann doch etwas viel verlangt sein.

Die Analysten erwarten in der Tat eine Menge von den IT-Machern. Um die Unternehmen auf neue Technologien, Bezugsmodelle und veränderte Marktbedingungen einzustellen, fordern sie - in Anlehnung an den Ökonomen Joseph Schumpeter - nicht weniger als einen Prozess der "kreativen Zerstörung": IT-Verantwortliche müssten lernen, Vorhandenes "niederzureißen", um am Ende das zu erhalten, was sie wirklich benötigten, postulierte das Marktforschungs- und Beratungshaus.

Gartners Goup Vice President Mark McDonald versuchte in seinem Vortrag darzulegen, wie IT-Verantwortliche diesen Prozess anstoßen könnten: "CIOs sollten damit beginnen, ein neues Konzept für die IT-Organisation und deren Beitrag für das Unternehmen zu entwickeln." Das Thema Cloud Computing spiele dabei eine entscheidende Rolle, erklärte er unter Verweis auf eine aktuelle Gartner-Studie. Derzufolge plant fast die Hälfte der Befragten CIOs, innerhalb der nächsten vier Jahre den größten Teil ihrer Applikationen und der IT-Infrastruktur in die Cloud zu verlagern.

COMPUTERWOCHE Marktstudie

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