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Die neue Rolle der CIOs

CIOs müssen die Sprache der Fachabteilung sprechen

Oguzhan Genis ist Vice President, Business Development & Innovation Global IT und Customer Officer des Office of the CIO bei SAP. In dieser Funktion ist er verantwortlich für verschiedene SAP Runs SAP-Programme der Global IT. Dies beinhaltet vor allem die Einführung und Kommunikation strategischer Innovationen in Mobilität, In-Memory und Cloud in Zusammenarbeit mit verschiedenen Entwicklungs-, Vertriebs-und Marketing-Einheiten. Als Customer Officer leitet Herr Genis die C-Level Kunden- und Event-Aktivitäten für den CIO und das Global IT Führungsteam und ist selbst Keynote Speaker auf internationalen Veranstaltungen.
Früher stellten die CIOs die IT-Infrastruktur innerhalb eines Unternehmens zur Verfügung. Heute erwartet man, dass sie innovativ sind und neue Wege finden. Dafür müssen sie sich jedoch vom klassischen Bild einer funktionalen IT lösen.

Ob Facebook, Twitter, Smart Watch oder Smartphone - neue soziale, technische und wirtschaftliche Trends haben einen signifikanten Einfluss auf unser persönliches Leben, aber auch auf Unternehmen und deren Führungskräfte.

Die sogenannte Consumerization of IT stellt den CIO vor neue Herausforderungen, ist aber auch als Treiber der Innovation zu sehen. Was wir als Konsumenten im privaten Umfeld an neuen innovativen Technologien nutzen, wollen wir auch in unserem Berufsumfeld haben.

Die neuen und zukünftigen Mitarbeiter sind "Digital Natives". Diese sogenannten "Millenials", geboren nach 1982, sind digital gerüstet, immer online und sozial vernetzt. Ihre Anforderungen stellen Unternehmen und insbesondere IT Abteilungen vor neue Herausforderungen.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Soziale Netzwerke und kollaborative Plattformen nehmen Einzug in Unternehmen. Eine entsprechende Auswahl an mobilen Endgeräten muss zur Verfügung stehen. Verschiedene Smartphones und Tablets als Arbeitswerkzeuge müssen her. Am besten sogar noch die eigenen Geräte in Form von "Bring your own device" (BYOD). Die Akzeptanz der Systeme und Applikationen hängt ganz entscheidend vom "User Interface" und der einfachen Anwendung ab. Mit der Einfachheit der Applikationen kommt auch der Anspruch an "Zero Training". Wer will denn schon beim Runterladen einer App auch seitenweise Trainingsunterlagen mitnehmen müssen.

Ein weiteres Phänomen ist auch der Wandel von Eigentumsmodellen zu Verbrauchsmodellen. Ein Beispiel ist das Car Sharing. Der Ansatz, ein Auto zu nutzen wann und wo man es braucht und es nicht mehr zu besitzen wird immer beliebter. Ein anderes Beispiel ist die Nutzung von Musik. "Laden sie noch Musik von Online Shops runter oder streamen sie schon?" - könnte die entscheidende Frage demnächst sein.

Internet der Dinge und Dienste - Verschmelzen von physischen und virtuellen Welten

Der CIO, der bisher primär für die interne IT verantwortlich war, muss sich nun neben den sozialen Veränderungen auch mit ganz neuen technologischen Anforderungen auseinandersetzen und Lösungen finden.

In Zukunft wird das Internet ein noch größeres Netz über uns ausspannen. Wir bewegen uns von einem Internet of People über ein Internet of Things schon zu einem Internet of Everything - also zu einer digitalisierten Vernetzung von Dingen, Menschen und Systemen, die autonom Daten miteinander austauschen. Nach Schätzungen von Gartner zum Beispiel sollen 2020 bereits ca. 50 Milliarden Dinge miteinander vernetzt sein. Was kann man sich darunter vorstellen? Kleidungsstücke, die selbstständig kommunizieren, können zum Beispiel bei Schlaganfallpatienten bei entsprechenden Bewegungen einen Notruf mit Lage und Körperdaten absenden. Oder vernetzte Autos, die selbstständig Unfälle oder Staumeldungen weitergeben und somit der Verkehr vorausschauend optimiert wird. Oder die Kommunikation von Parkhaus, Parkplatz, Auto und Bankkonto. Warum muss ich noch ein Ticket ziehen und später an der Kasse bezahlen?

Das Internet der Dinge und Dienste ist nichts anderes als das Verschmelzen von physischen und virtuellen Welten. Die konsequente Anwendung in der industriellen Fertigung ermöglicht neue Chancen für Unternehmen.

Es entstehen intelligente Fabriken mit einer neuen Produktionslogik. Intelligente Produkte sind eindeutig identifizierbar, jederzeit lokalisierbar, kennen ihre Historie, ihren aktuellen Zustand sowie alternative Wege zu ihrem Zielzustand. Dadurch können individualisierte Produkte massenhaft hergestellt werden. Der Rohling, zum Beispiel eine leere Flasche, weiß, wie sie am Ende aussehen soll, welche Flüssigkeit sie haben soll und wann und wohin sie geschickt werden soll. Der Rohling steuert sich also selbstständig durch die Abfüllanlage und kommt am Ende als individualisiertes Produkt heraus. Man spricht hier von Industrie 4.0. Die Vernetzung von industrieller Fertigung und IT Systemen ist eine interessante neue Herausforderung für einen CIO.

Mit Innovationen relevant bleiben in der digitalen Welt

Durch das Zusammengehen dieser Trends ergeben sich ganz neue Geschäftsmodelle und -prozesse für Unternehmen. Der CIO hat hier eine einzigartige Chance, diese Veränderungen zu gestalten, ja geradezu zu treiben.

Aber nur dann, wenn er sich von seinem klassischen Bild einer funktionalen IT löst. Der CIO der Zukunft ist mehr als nur der Chief Information Officer, er ist auch Chief Integration Officer und vor allem Chief Innovation Officer, der Strategie, Innovation und die Digitalisierung des Unternehmens vorantreibt.

Als Business Partner mit den Fachabteilungen zusammenarbeiten

Als Integration Officer muss er Business Partner der Fachabteilung sein. Es wird geschätzt, dass in der Zukunft über 60 Prozent der IT Entscheidungen aus der Fachabteilung kommen werden. Als Partner kann der CIO zeigen, dass er den Geschäftserfolg direkt unterstützt und nicht nur ein Kostenfaktor ist. Dazu muss er auch die Sprache der Fachabteilung sprechen können.

Dann kann er zum Beispiel dem CFO durch In-Memory Technologie zu einem einfachen und schnellen Quartalsabschluss verhelfen. Ein Vorteil, den der CFO sicher zu schätzen weiß. Oder mit dem CMO die Digitalisierung des Unternehmens von Produkten, Diensten und Kanälen vorantreiben. Jeder CMO wird Apps annehmen, mit denen er zum Beispiel Massendaten aus den Social Media Kanälen besser analysieren kann. Oder die Vertriebsorganisation, die mit mehr Kundeninformationen und Verkaufsdaten in Echtzeit auf mobilen Geräten ihren Erfolg steigern kann.

Der CIO als Wegbereiter des nächsten großen Wandels

Der neue CIO wird die Vielfalt der Themen annehmen und mit Leidenschaft und Ausdauer die Umsetzung aktiv mit den Fachabteilungen vorantreiben.

Der Industrie-4.0-Ansatz mit dem Verschmelzen der physischen und virtuellen Welt, dem Internet der Dinge und Dienste und der Consumerization of IT sind ideale Voraussetzungen für technologische Innovationen aber auch leider für wachsende Komplexität. Damit die Transferleistung auf digitale Geschäftsmodelle erfolgen kann und sich damit auf den Umsatz oder die Vereinfachung der Prozesse auswirkt, braucht der CIO mehr Zeit und Geld für Innovationen. Hierzu müssen neue digitale Betriebsmodelle etabliert werden. In Zukunft geht es daher weniger um Kostenaspekte, als vielmehr um "Time-to-Market", strategische Wettbewerbsvorteile und mehr Agilität. Diese Aspekte können über Verbrauchsmodelle abgedeckt werden. Das Verbrauchsmodel in der digitalen Welt ist die Cloud.

Mit der Cloud mehr Flexibilität und Sicherheit für innovative Geschäftsmodelle

CIOs sollten sich und ihre IT-Organisation insofern hinterfragen: Welche neuen Technologien gilt es zu beherrschen und wie entwickeln sich die Geschäftsprozesse? Cloud Computing spielt hier eine wichtige Doppelrolle, denn es erlaubt schnell und flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren und schafft darüber hinaus neue Freiräume für innovative Themen. Mit Hilfe der Cloud sind Firmen in der Lage, schnell und flexibel auf neue Business-Anforderungen zu reagieren und innovative Ideen umzusetzen.

Indem man zuerst operationale IT mehr und mehr in ein Verbrauchsmodel überführt, also in Hybride Landschaften, werden Kosten für Einkauf, Wartung und Sicherheit geringer und desto mehr kann man sich auf einen wertschöpfenden Innovationsbeitrag und strategischen Wettbewerbsvorteile konzentrieren. Dadurch wird sich der CIO immer mehr zum "Cloud Service Broker" entwickeln. Diese Entwicklung wird aus zwei Richtungen getrieben. Zum einem werden auf dem Markt immer mehr Cloud Services angeboten, die es zu integrieren gilt, zum anderen muss er seine eigenen Systeme mehr und mehr modularisieren und Teilprozesse durch Services ersetzen. Damit wird der CIO der Zukunft nicht nur ein Cloud Broker sein sondern auch selbst zu einem Anbieter von Cloud Services werden.

CIOs, die sich der digitalen Transformation annehmen und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln, werden in der Lage sein, sich neue Handlungsspielräume zu schaffen, um innovative Geschäftsprozesse nachhaltig im Unternehmen zu implementieren.