Frustrierte IT-Abteilung

CIOs kontra Geschäftsführung

Dietmar Müller ist freier Journalist in München und arbeitet für Computerwoche und Channelpartner.
CEOs verstehen zu wenig von Technik und glauben blind den Marketing-Versprechen der Hersteller, klagen IT-Chefs. Manager und Analysten halten dagegen und bemängeln die fehlende betriebswirtschaftliche Sicht der IT.
IT-Abteilung sucht Arbeitgeber: Manches IT-Team ist so frustriert, dass es am liebsten gemeinsam in ein anderes Unternehmen wechseln würde.
IT-Abteilung sucht Arbeitgeber: Manches IT-Team ist so frustriert, dass es am liebsten gemeinsam in ein anderes Unternehmen wechseln würde.
Foto: Rido/Fotolia.com

Die folgende Anzeige würde ein der COMPUTERWOCHE bekannter CIO gerne formulieren, so frustriert ist er mittlerweile. Unter anderem im kaufmännischen Bereich seiner Firma könne er "keine echte Strategie" mehr erkennen. Stattdessen würden "Träumereien ohne Fundament" nachgegangen, Planungen seien zweitrangig. Die Geschäftsleitung baue zu sehr auf kurzfristigen Erfolg, Nachhaltigkeit werde außer Acht gelassen. IT-Architekturen ließen sich nicht einfach hinauf- und herunterskalieren, "auch wenn man Cloud und Virtualisierung einbezieht".

Schrumpfende Budgets ständen höheren Aufwendungen gegenüber, etwa in Sachen Sicherheit. Ein Schmerzpunkt sei das Bring-your-own-Device-Konzept, das die Geschäftsleitung aktiv fordere, gleichzeitig aber zu 100 Prozent abgesicherte Infrastrukturen erwarte. Diesen Kampf könne der CIO nur verlieren. Noch mehr als die schrumpfenden Budgets schmerze die fehlende Anerkennung. Lob sei die Ausnahme.

IT-Abteilung sucht Arbeitgeber

Fünfzehnköpfige IT-Abteilung von Administratoren über Data Minder und Netzwerkspezialisten bis hin zum CIO, inklusive SAP-Spezialisten für alle Basismodule, sucht neues Wirkungsfeld in aufgeschlossenem Unternehmen.

Wir haben Erfahrung mit dem gesamten Spektrum einer europäischen Unternehmens-IT in den Bereichen RZ (ca. 70 Server inklusive virtuelle Umgebung VM ware/Citrix), Helpdesk und Mobilfunkadministration und decken in SAP die komplette Suite ohne BI und CRM, dafür mit CatMan ab. Betreute Benutzer bislang: rund 400 europaweit.

Ihr Anforderungsprofil: Sie wollen eine nachhaltige IT, die solide den Stürmen der Zeit trotzden kann. Sie wollen ein sicheres Unternehmen, das seine Daten nicht zugunsten der Bequemlichkeit von Mitarbeitern opfert. Sie als kaufmännische Leitung verstehen, dass IT nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eine gestalterische Kraft im Unternehmen darstellt. Sie sind bereit, den CIO als strategische Kraft zum Bestandteil der Geschäftsführung zu machen.

Realitätsverlust in Führungsetage

Tomas Rössler, Ex-CIO und Interims-CIO: "In einiges Führungsetagen von Unternehmen herrscht ein gewisser Realitätsverlust."
Tomas Rössler, Ex-CIO und Interims-CIO: "In einiges Führungsetagen von Unternehmen herrscht ein gewisser Realitätsverlust."
Foto: Rössler

Ein idealer Geschäftsführer dagegen akzeptiert in den Augen des CIO die IT als gestalterische Kraft im Unternehmen. Missverständnisse bezüglich der Ziele sollten durch präzise formulierte Aufgaben im Vorfeld ausgeräumt werden. Hier sieht der CIO die IT in der Pflicht: Die Abteilung müsse lernen, die Zusammenhänge auch für Nicht-ITler verständlich zu erklären.

Unterstützung erfährt der wechselwillige CIO durch Kollegen wie Thomas Rössler, aktuell Interims-CIO sowie Coach und vormals IT-Chef des Medienhauses Südhessen. 2009 und 2010 gehörte er zu den Preisträgern des "CIO des Jahres". Er sieht viele IT-Chefs in einem Spannungsfeld der Erwartungen: "Viele Mitarbeiter nutzen selbstverständlich Dropbox und chatten munter per Whatsapp und verstehen nicht, was die unternehmensweite Spaßbremse von CIO mit Gouvernance überhaupt meint."

Ein IT-Verantwortlicher habe jede Menge "Altlasten des täglichen Betriebes" auf dem Buckel, dazu gesellen sich Neuerungen wie besagtes ByoD sowie Standardisierung, Virtualisierung und eine konsequente Cloud-Strategie. Die Geschäftsführung dagegen glänze oft durch ein "generelles Wissensdefizit in Bezug auf neue Technologien, gepaart mit einem professionellen Halbwissen und dem blinden Glauben an die Marketing-Phrasen der Hersteller". Der IT-Verantwortliche müsse sich ständig rechtfertigen, "warum etwas nicht so geht, wie von der Geschäftsführung oder Fachabteilung erträumt". Man könne in vielen Unternehmen durchaus von einem gewissen "Realitätsverlust" in der Führungsetage sprechen. Die Folge seien lange Verhandlungen, um Chef und Bereichsleitern Investitionen und Entscheidungen zu erklären. Diese verliefen oft erfolglos, Rössler macht viele Fehlentscheidungen auf Fachbereichs- und Geschäftsführungsebene aus. An Standards und Compliance-Vorgaben hätten Geschäftsführer kaum Interesse, der CIO könne auf keine Unterstützung für deren Einhaltung hoffen. So verbringe er die meiste Zeit mit politischen beziehungsweise pädagogischen Tätigkeiten, etwa dem Abfedern von Kritik oder dem "Erklären der technischen Realität".

In zahlreichen Branchen, etwa in den Medien, sei die IT einer der wichtigsten Innovationstreiber der Produkt- und Marktentwicklung. Rössler fordert daher von Firmenchefs und Bereichsleitern in diesen Branchen ein fundiertes IT-Fachwissen nebst "realistischen Erfahrungswerten". Der CFO dagegen müsse in zahlreichen Branchen als reiner Dienstleister in die zweite Reihe zurücktreten, da er strategisch keinerlei Bedeutung für das Unternehmen habe, sondern nur eine reine Dienstleistung erbringe. Dieser Standpunkt bleibt nicht ohne Widerspruch.

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