CIOs bangen um ihre Existenz

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Um ihre Position langfristig zu sichern, müssen CIOs die Rolle der IT neu definieren und schneller Ergebnisse liefern, fordert das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner.

"Rapid Results - faster ROI". Unter dieses Motto stellte Gartner sein jährliches Symposium ITxpo in Cannes. Damit trage man den gewandelten Anforderungen der IT-Verantwortlichen Rechnung, erklärte CEO Gene Hall: "Die meisten CIOs fordern für IT-Projekte eine Amortisation in weniger als 18 Monaten." Das habe eine aktuelle Umfrage ergeben. Der rasante technische Wandel zwinge IT-Manager, ihre Vorhaben schneller durchzusetzen. Hinter der Zielvorgabe steckten aber auch Existenzängste: 67 Prozent der Befragten sahen ihren Job als gefährdet an.

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  • warum viele IT-Organisationen nicht effizient genug arbeiten;

  • welche strategischen Fragen CIOs heute beantworten müssen;

  • mit welchen Schlüsseltechniken sich die Probleme bewältigen lassen.

Legacy-Software bremst IT

Tom Bittman, Gartner: "Viele Unternehmen haben eine IT-Bürokratie aufgebaut, die alles andere als effizient ist."
Tom Bittman, Gartner: "Viele Unternehmen haben eine IT-Bürokratie aufgebaut, die alles andere als effizient ist."

Eines der größten Hindernisse liege in den noch immer weit verbreiteten Legacy-Anwendungen, so Hall. Die zum Teil mehr als 20 Jahre alten Systeme komplett auszutauschen, gilt als teuer und zeitaufwändig. Die meisten Organisationen schreckten vor dieser Aufgabe zurück. Gartner-Analyst Tom Bittman nannte weitere Hürden: "Viele Unternehmen haben eine IT-Bürokratie aufgebaut, die alles andere als effizient ist." Innerhalb großer IT-Abteilungen seien Mauern entstanden, die eine Zusammenarbeit behinderten. Gleiches gelte für das Verhältnis von Fachabteilungen zur IT-Organisation.

Defizite der Hersteller

Mehr Agilität und Flexibilität forderte sein Kollege Brian Gammage auch von den Herstellern. Die starren Softwarelizenzmodelle zeigten, dass sich die Industrie noch nicht ausreichend auf neue Techniken wie Multicore-CPUs oder Virtualisierung eingestellt habe.

Die ökonomischen Rahmenbedingungen für IT-Investitionen stimmen, führte Gartners Forschungschef Peter Sondergaard aus. Mit dem wachsenden Bruttosozialprodukt stiegen auch die Ausgaben für Informationstechnik. Für das laufende Jahr sei weltweit mit einem 2,5-prozentigen Wachstum der IT-Budgets zu rechnen, 2006 mit einem Plus von drei Prozent (siehe auch: "Das Realtime Enterprise ist erst der Anfang"). Ähnlich hoch lägen die Zahlen für Europa. Unternehmen in Deutschland, Spanien und Portugal wollen ihre Ausgaben laut Gartner-Erhebungen im nächsten Jahr um bis zu sechs Prozent erhöhen.

Die neue Rolle der IT

Um sich für die Zukunft zu rüsten, müssen CIOs eine Reihe strategischer Fragen beantworten, erläuterte Gartner-Analyst Andy Kyte. Zuvörderst gelte es, die Rolle der IT-Organisation klar zu definieren. Soll sie lediglich als "Enabler" dienen oder direkt zum Unternehmenserfolg beitragen? Ersteres entspräche der traditionellen Auffassung, wonach die IT benötigte Systeme zu möglichst niedrigen Kosten zur Verfügung stellt. "Neun von zehn IT-Organisationen spielen heute eine Enabling-Rolle", so Kyte. Die bessere Alternative ist aus seiner Sicht eine Organisation, die Innovationen vorantreibt und so den Geschäftserfolg steigert. Sie setze sich zusätzliche Ziele wie zufriedenere Kunden oder die Reduzierung des Lagerbestands.

Damit verbunden sind laut Gartner auch veränderte Anforderungen an IT-Verantwortliche. Technisches Fachwissen reiche künftig nicht mehr aus. Angesichts der verbreiteten Skepsis gegenüber der Effektivität der IT, zunehmender Automatisierung und der diversen Outsourcing-Möglichkeiten werde ein vielseitigerer Typ des IT-Profis entstehen: Er verbinde technisches Know-how mit betriebswirtschaftlichem Wissen. Die Marktforscher erwarten zudem, dass in den nächsten zehn Jahren immer mehr Techniken zuerst im Endverbrauchermarkt eingeführt werden. CIOs müssten sich auf eine "Consumerization" der IT einstellen.

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