Dieter Pfaff, RAG

CIO vom alten Schlag

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.

Ausnahmsweise beginnt dieses Porträt mit einer Würdigung eines Jury-Mitglieds zur Wahl der "IT-Macher des Jahres": "Dieter Pfaff hat überzeugend ein hochkomplexes, umfassendes Outsourcing-Projekt durchgeführt und damit entscheidend geholfen, die RAG AG auf den bevorstehenden Börsengang vorzubereiten." Aus gesundheitlichen Gründen wird der 55-jährige Pfaff zum Ende des Jahres den Essener Energie- und Bergbaukonzern verlassen und in den Vorruhestand gehen. Sein Nachfolger soll ab 2007 Jochen Gintzel (48) werden, derzeit CIO beim von der RAG übernommenen Chemiekonzern Degussa.

Dieter Pfaff

Projekt: Auslagerung der RAG Informatik GmbH.

Strategie: Ziel eines Unternehmens ist es, am Ende mehr Einnahmen als Ausgaben zu haben. Die IT und ihre Technik haben sich dem Ziel unterzuordnen.

Ein CIO muss ... sich auf die Komplexität des Einsatzes von IT konzentrieren - und nicht auf deren Erstellung.

Doch zuvor wird Pfaff sicher gefeiert werden. 27 Jahre ist der Diplom-Ökonom dem Konzern treu gewesen: "Man kann hier etwas bewegen und andere mit Ideen überzeugen." Von 1998 bis 2002 war Pfaff Vorsitzender der Geschäftsführung von RAG Informatik, der IT-Tochter des Konzerns. Zugleich wurde er zum CIO der RAG Aktiengesellschaft berufen. "Als ich als CIO anfing, gab es in dem Bereich nur sieben Mitarbeiter, jetzt sind es 19", schildert er die wachsende Bedeutung der IT. Sein Stab kümmert sich um IT-Strategie, IT-Technologie- und Architektur-Management, um IT-Controlling, -Sourcing und -Sicherheit sowie Qualitäts-Management.

2004 glückte Pfaffs Meisterstück. Damals wurde die RAG Informatik GmbH an den Siemens-Konzern verkauft. "Bei einer Gesamtrechnung bezogen auf die gesamte Existenz erbrachte RAG Informatik 160 Prozent Gewinn auf das eingesetzte Kapital", freut er sich. Da RAG Informatik auch intern stets im Wettbewerb mitbieten musste, ist das ein in der Tat sehr beachtliches Ergebnis. Von Anfang an hat Pfaff hier nach eigener Aussage "streng rationalisiert und seit 2000 jedes Jahr ordentliche Gewinne abgeliefert".

Führend sei das Unternehmen im Bereich Portaltechnologie und Identity-Management. Eine konzernweit verfügbare Portalinfrastruktur auf Basis von SAP ermöglicht ein personalisiertes Mitarbeiterportal sowie Single-Sign-on auch für Drittanwendungen neben SAP; außerdem dient es als zentralisierter Kommunikationskanal.

Im zweiten Quartal 2007 will der Vorstand RAG an die Börse bringen. Bis Januar 2007 will der Konzern deshalb die Bereiche Degussa, RAG Immobilien und den Bergbaukonzern Steag in einer Holding RAG Beteiligung AG zusammenfassen. Auch hier ist wieder die IT gefordert. Pfaff hat bei der Projektleitung für die Integration von Degussa den Hut auf - und zwar nicht nur für die IT-Themen, sondern für sämtliche damit zusammenhängenden Fragen. Eine besondere Auszeichnung.