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Ciao verkauft Kundenkontakte

07.11.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Online-Verbraucherportal Ciao hat seinen Dienst um den Verkauf von Kundenkontakten an Unternehmen erweitert. Das Portal stellt eine Informationsplattform zur Verfügung, auf der Verbraucher ihre Erfahrungen mit Produkten und Dienstleistungen veröffentlichen können. Es gilt als unparteiische Sammelstelle für Kritik und Anregungen. Durch den neuen Service könnte diese Position jedoch gefährdet sein. Kritisch zu betrachten ist auch, dass Ciao seinen neuen Dienst erfolgreich als einen Verbraucherservice vermarktet. "Wir müssen natürlich darauf achten, dass wir nur Meinungen weiterleiten, bei denen die Autoren zugestimmt haben", sagt Ciao-Sprecherin Franziska Deeke.

Außerdem bietet Ciao ebenso wie sein Konkurrent Dooyoo seit kurzem den Firmen eine Unterstützung bei der Marktforschung an. "Einige Kunden erreicht man nur auf diesem Weg. Aber natürlich hätten wir die lieber auf unserer Website", heißt es etwa bei einem Automobilhersteller, der derzeit mit beiden Anbietern Erfahrungen sammelt. Auch das Geschäft mit den Kundenmeinungen stellt eine Gradwanderung dar. Fraglich ist, wie etwa Ciao seine Unabhängigkeit von den Herstellern und deren Begehrlichkeit nach Kundendaten durchhalten will. Der Serviceanbieter plant, noch in diesem Jahr die Mehrheit des angepeilten Umsatzes von fünf Millionen Mark durch derartige Dienste zu erzielen. Als Interessenten für die Services haben sich bereits Neckermann, die Deutsche Post und die Bahn AG gemeldet.