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China will Kauf ausländischer Software einschränken

30.11.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" bastelt die chinesische Regierung an neuen Regelungen, die den Bezug von Software ausländischer Anbieter drastisch einschränken könnten.

Für in- und ausländische Softwarefirmen, die das Marktpotenzial im Regierungsumfeld erkannt haben, kommen die angestrebten Restriktionen zu einem kritischen Zeitpunkt. Derzeit sind die chinesischen Behörden bemüht, Ämter auf allen Ebenen vom Einsatz raubkopierter Software abzubringen und zum legalen Erwerb derselben zu bewegen. Reguläre Softwarekäufe würden nun helfen, die Weichen für das lukrative Update- und Folgegeschäft zu setzen.

Wie Ni Guangnan von der Chinese Acadamy of Sciences in Beijing erläutert, dürfte der Druck, illegale Raubkopien abzuschaffen, die Softwareausgaben der chinesischen Regierung heuer auf 14 Milliarden Yuan (umgerechnet 1,69 Milliarden Dollar ) ansteigen lassen. Im Jahr 2001 waren es noch vier Milliarden Yuan. Die Regierung werde hoffentlich dafür sorgen, dass ein großer Teil der Investitionen Chinas eigenen aufstrebenden Softwarefirmen zu Gute komme, so Guangnan.

Nach den vom chinesischen Finanzministerium und dem Ministry of Information Industry initiierten Richtlinien müssten Anbieter, die Software an die Regierung verkaufen wollten, als "heimische" oder zumindest als "bevorzugte nichtheimische" Lieferanten zertifiziert werden. Industriesprechern zufolge hätten ausländische Firmen allerdings ernsthafte Hürden zu überwinden, um die damit verbundenen Anforderungen zu erfüllen. Nach Angaben der chinesischen Regierung werden die Regeln aber derzeit "noch diskutiert".

"Noch wurden ausländische Firmen nicht kategorisch ausgeschlossen, aber es sieht aus wie ein Schritt in diese Richtung", so Michael Mudd von der Computing Technology Industry Association, zu deren 20 000 Mitglieder unter anderem Microsoft und IBM zählen. Die angestrebten Regelungen hätten das Potenzial, eine große Anzahl der organisierten Anbieter von einem bedeutenden Teil dieses Marktes auszusperren. (kf)