Ärger über endlose IT-Probleme

CFO von TUI Travel schmeißt hin

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Wegen Problemen mit der alten IT-Umgebung und einer falschen Jahresbilanz verlässt CFO Paul Bowtell den weltgrößten Reiseveranstalter.

Beim weltgrößten Reiseveranstalter Tui Travel nimmt Finanzchef Paul Bowtell (42) nach zusätzlichen Millionenabschreibungen aufgrund einer fehlerhaften Jahresbilanz seinen Hut. Nach Gesprächen mit Vorstandschef Peter Long habe Bowtell entschieden, das Unternehmen zum Jahresende zu verlassen, teilte die Tochter des deutschen Tui-Konzerns mit.

Probleme mit den Host-Systemen

Offenbar gab es massive Schwierigkeiten bei der Integration diverser Altsysteme (Buchungs- und Vertriebssysteme), die Tui Travel im Großbritannien-Geschäft einsetzt. Die Folge waren Fehler beim Abgleich von Forderungsbeständen. Die Probleme hätten sich über Jahre hinweg aufgebaut. Darüber war immer wieder zu Auseinandersetzungen mit dem Vorstand gekommen.

In einer Pressemitteilung versuchte sich nun CEO Peter Long um Schadensbegrenzung. Die Entscheidung Bowtells, persönliche Konsequenzen zu ziehen sei ehrenvoll, dennoch sei er enttäuscht einen derart fähigen Finanzchef zu verlieren. Bowtell war seit Juni 2007 im Konzern tätig gewesen.

Neuerliche Abschreibungen und Wertberichtigung

Als Konsequenz aus diesem IT-Chaos muss Tui Travel nun seine Bilanz korrigieren und zusätzliche Abschreibungen von 88 Millionen britischen Pfund (63 Mio Euro) für das im September ausgelaufene Geschäftsjahr 2009/2010 vornehmen. Damit summieren sich die Wertberichtigungen auf 117 Millionen Pfund. Zudem korrigierte das Unternehmen seinen Vorjahresabschluss. Im Geschäftsjahr 2008/2009 lag der Gewinn demzufolge bei 401 Millionen Pfund, 42 Millionen weniger als bislang in den Büchern stand. Der Gewinn je Aktie fiel mit 21,0 Pence um 2,8 Pence geringer aus.

Dieser Artikel stammt von der CW-Schwesterpublikation CFOworld (mit Material von dpa).