Umbruch bei Yahoo

CEO Thompson geht nach Titel-Tricksereien

14.05.2012
Der Machtkampf beim angeschlagenen Internet-Urgestein Yahoo ist entschieden.

Konzernchef Scott Thompson geht wegen eines geschönten Lebenslaufs, der rebellische Hedgefonds-Manager Daniel Loeb zieht mit Gefolge in den Verwaltungsrat ein. Für Yahoo brechen neue Zeiten an.

Scott Thompson ist nach nur vier Monaten schon wieder raus als Yahoo-CEO.
Scott Thompson ist nach nur vier Monaten schon wieder raus als Yahoo-CEO.
Foto: Yodel Anecdotal (CC BY 2.0)

Yahoo muss sich schon wieder einen neuen Chef suchen. Nach nur vier Monaten an der Spitze des Internetkonzerns stolpert Hoffnungsträger Scott Thompson über eine frisierte Biographie. Er packte nach tagelangen Gerangel mit einem Großaktionär am Sonntag die Koffer. Ein endgültiger Nachfolger steht noch nicht fest.

Damit hat Großaktionär Daniel Loeb sein Ziel erreicht. Er war es, der im offiziellen Lebenslauf von Thompson einen Bachelor-Abschluss in Informatik entdeckte, der dort nicht hinein gehörte. Denn Thompson hat lediglich einen Abschluss in Buchhaltung. Für Loeb war diese Entdeckung der Hebel, um den Firmenchef zu stürzen, der seinen eigenen Machtplänen im Weg stand.

Loeb hält über seinen Hedgefonds Third Point 5,8 Prozent an Yahoo und fordert schon lange, dass er in das oberste Konzerngremium einziehen kann, in den Verwaltungsrat. Nach dem Sturz Thompsons wird Loeb nun insgesamt drei Sitze in dem Gremium bekommen. Einen davon besetzt er selbst, die beiden anderen bekleiden Vertraute.

Auffallend war, dass in der Yahoo-Mitteilung die sonst üblichen Abschiedsworte und guten Wünsche für den weiteren Lebensweg vollends fehlten. Auch Thompson selbst kam nicht zu Wort. Er habe das Unternehmen bereits verlassen, hieß es kurz und knapp. Yahoo habe von einem Personaldienstleister den Beweis bekommen, dass Thompson den falschen Titel selbst in eine Biografie noch bei der Berufung zu seinem vorherigen Arbeitgeber Ebay reingeschrieben habe, berichtete das "Wall Street Journal".

In einer weiteren Wendung der Geschichte schrieb die Zeitung am Montag auch, Thompson habe Kollegen vor dem Rückzug erzählt, dass er Schilddrüsenkrebs habe.

Es ist schon der zweite unrühmliche Abgang eines Yahoo-Chefs binnen kurzer Zeit. Thompson war erst zu Jahresbeginn angetreten. Seine Vorgängerin Carol Bartz war gefeuert worden, weil sie es nicht geschafft hatte, den Umsatzschwund des Unternehmens zu stoppen. Monatelang war Yahoo führungslos.

Der Konzern steht in scharfer Konkurrenz zu Google und Facebook bei der lukrativen Werbung im Internet. Thompson verordnete Yahoo einen Sparkurs und schaffte es gleichzeitig, das Werbegeschäft anzukurbeln. Umso stärker dürfte eine Hängepartie bei der Suche nach einem dauerhaften neuen Chef das Unternehmen treffen.

Bis auf Weiteres führt Ross Levinsohn das Internet-Urgestein. Der Manager ist eigentlich fürs Mediengeschäft von Yahoo zuständig. Die Aufgabe, einen endgültigen Chef zu finden, fällt Fred Amoroso zu. Er hat ebenfalls mit sofortiger Wirkung den Posten des Vorsitzenden im Verwaltungsrat übernommen. Der bisherige Amtsinhaber Roy Bostock hört auf.

Spannend dürfte nun vor allem werden, ob Yahoo sein Tafelsilber verkauft. Die Amerikaner halten große Beteiligungen an der chinesischen Internetfirma Alibaba sowie an Yahoo Japan. Die Anteile sind mehrere Milliarden Dollar wert. Ein angedachter Verkauf kam bislang aber nicht zustande. "Wir werden mit der neuen Führung zusammenarbeiten, um Yahoos beträchtliches Potenzial und Wert zu heben", erklärte Großaktionär und Neu-Verwaltungsrat Loeb. (dpa/tc)

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