CeBIT über den Berg

21.03.1986

Die Messegesellschaft hat ihr Ziel erreicht. Die Aussteller wären froh, sie hätten eines. Was die Messe-AG in Form von Einnahmen aus Standvermietung auf der Haben-Seite verbucht, sind für die beteiligten DV-Firmen zunächst einmal Ausgabeposten ohne Gegenkonto. CeBIT ist zeitlich über den Berg - die Industrie hofft auf ein gutes Nachmessegeschäft.

Mit der Teilung der Hannover-Messe haben sich die Voraussetzungen für die Wirksamkeit der CeBIT-Werbemaßnahmen auf der Ausstellerseite geändert. Die Kundenkontakt-Rate steigt heute nicht mehr im Quadrat (der Standmeter) - sie ist abhängig von den Entscheidungsprozessen, die bei den Anwender-Unternehmen ablaufen. Anders ausgedrückt: Die "Quassel-Qualität" einer Messe wird nicht mehr dadurch bestimmt, daß man den DV-Spezialisten der Kunden und Interessenten etwas abringen will.

Die Härte des Wettbewerbs liegt darin, daß die Unternehmensleitungen Einfluß auf Investitionsentscheidungen im DV-Bereich nehmen wollen. Andererseits werden die Innovationszyklen bei den Anwendern immer länger, die Produktzyklen bei den Herstellern immer kürzer. Davon haben auch die CeBIT-Messe-Marketiers auszugehen.

Wurden nun - vor diesem Hintergrund - die Weichen in Hannover richtig gestellt? Eines steht fest: CeBIT wird als Image-Verbund-Insider-Entscheider-Verkaufs-Büro-Messe gesehen. Eine Messe wie diese ist leicht zu haben. Aber braucht der Computermarkt einen Gemischtwarenladen? Doch wohl nicht.

Bei den Ausstellern herrscht gleichwohl ein gewisses Maß an Übereinstimmung darüber, daß die Legitimation der CeBIT-Messe aus der Masse der Beteiligten (Aussteller und Besucher) abgeleitet werden kann. So einfach ist das aber nicht. Die Entscheider aus den Management-Etagen (siehe oben) sind ausgeblieben. Für 1987 deuten sich deshalb Konsequenzen an, was die Zusammensetzung im CeBIT betrifft. Von einigen Ausstellern sind bereits deutliche Worte gesprochen worden (Seite 1).

Die Position von Hannover in der nationalen und internationalen Messe-Landschaft hat sich durch die Teilung verschlechtert. Sie wird sich weiter verschlechtern, selbst dann, wenn die Aussteller- und Besucherzahlen steigen sollten. Das ist Messe-Mathematik. Unkompliziert ausgedrückt: CeBIT ist über den Berg - jetzt kann es nur noch abwärtsgehen.