Erster Messetag

CeBIT startet mit vollen Hallen

06.03.2012
Keine Spur von Krise auf der CeBIT: Während die europäische Wirtschaft unter der Last der Euro-Schulden ächzt, startet die weltgrößte Computermesse in Hannover mit vollen Hallen.
Am IBM-Stand herrschte bereits am ersten Messetag ordentliches Gedränge - trotz herrlichen Sonnenscheins draußen...
Am IBM-Stand herrschte bereits am ersten Messetag ordentliches Gedränge - trotz herrlichen Sonnenscheins draußen...
Foto: Thomas Cloer (CC BY-NC-SA 2.0)

Vor allem bei großen Ausstellern wie IBM oder Microsoft drängten sich am Dienstag die Besucher. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) absolvierte ihren traditionellen Messerundgang diesmal ohne innenpolitischen Stress. Die Messe versucht unterdessen fieberhaft, dafür zu sorgen, dass CeBIT-Besucher am Donnerstag trotz eines Warnstreiks im Nahverkehr anreisen können.

Merkel zog bei strahlendem Sonnenschein - eigentlich kein typisches CeBIT-Wetter - in entspannter Stimmung durch die Messehallen. Vor einem Jahr war der Kanzlerin der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Plagiatsaffäre mitten in den CeBIT-Rundgang geplatzt. Diesmal konnte sie sich ganz auf Aussteller wie Microsoft, Deutsche Telekom oder Software AG konzentrieren. Beim Computerhersteller Fujitsu durfte Merkel sogar einen Tablet-Rechner in ein Aquarium tunken.

Die CeBIT verspürt im zweiten Jahr in Folge wieder einen leichten Auftrieb: Nach Einbrüchen in der Wirtschafts- und Finanzkrise kletterte Zahl der Aussteller von gut 4200 auf 4251. Die IT-Wirtschaft konnte von der Euro-Schuldenkrise weitgehend abkoppeln. Das Wachstum ist zwar gebremst - aber wenigstens immer noch da.

Kanzlerin Angela Merkel konnte bei ihrem Rundgang unter anderem prüfen, ob Fujitsus neues Tablet dichthält - im Aquarium...
Kanzlerin Angela Merkel konnte bei ihrem Rundgang unter anderem prüfen, ob Fujitsus neues Tablet dichthält - im Aquarium...
Foto: Deutsche Messe AG

In diesem Jahr plagen die Messeveranstalter jedoch andere Sorgen: Die Gewerkschaft Verdi rief ihre Mitglieder bei der Stadtbahn zu einem ganztätigen Streik auf. Und die Bahnen, die direkt zum Messegelände fahren, sind das wichtigste Transportmittel für zehntausende CeBIT-Gäste. Die Veranstalter riefen deswegen die Hannoveraner zur Hilfe auf. Messegäste, die am Donnerstag zur CeBIT wollen, sollen am Straßenrand einen ausgedruckten roten Punkt halten. Und Autofahrer, die bereit sind, CeBIT-Besucher mitzunehmen, sollen sich den roten CeBIT-Punkt hinter die Windschutzscheibe legen. Ein Ausdruck für den Punkt steht auf der CeBIT-Website bereit.

Die PC-Hersteller, die zuletzt im Schatten der populären Smartphones und Tablets standen, kündigen auf der CeBIT eine Belebung des Geschäfts an. Unter anderem die neuen Ultrabooks würden den Markt in Schwung bringen, sagte Wilfried Thom, Deutschland-Chef des taiwanischen Computerherstellers Acer, der dpa. Für die zweite Jahreshälfte werde dann vor allem Microsofts neues Betriebssystem Windows 8 das Geschäft ankurbeln. "Auch beim Marktstart von Windows 7 haben wir diesen Effekt gesehen." Die großen Chancen für Windows 8 würden aber zu 80 Prozent im gewerblichen Bereich liegen.

Microsoft stellte in Hannover mit "Windows 8 to go" auch eine besonders mobile Variante seines neuen Betriebssystems vor. Das System kann über einen USB-Stick auf jeden Rechner geladen werden, auf dem der Vorgänger Windows 7 installiert ist. Für den Fall, dass der Stick verloren geht, sind die Daten mit einer Verschlüsselungstechnik (Bitlocker) gesichert.

Der russische Virenjäger Eugene Kaspersky warnte eindringlich vor der Gefahr eines Cyberkriegs. Ein verheerender Internet-Angriff auf lebenswichtige Infrastruktur wie Kraftwerke oder Verkehrssysteme sei unvermeidlich, behauptete er. "Wir wissen nicht, wann und wo es passiert. Aber wir sind überzeugt: Es ist nur eine Frage der Zeit." Deswegen müsse die Weltgemeinschaft im Kampf gegen den Cyberterror ähnliche Sicherheitsmechanismen schaffen wie bisher gegen die Verbreitung von Atom- oder Chemiewaffen, fordert der Gründer des Sicherheitssoftware-Herstellers Kaspersky Lab. (dpa/tc)