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CeBIT: Soft M luchst SAP Geschäfte ab

19.03.2004

Soft M hat eine Reihe ehemaliger Auslandsmitarbeiter der DCW Software GmbH abgeworben, die im vergangenen Herbst von SAP übernommen worden war. Ob jedoch die Rechnung des Münchner ERP-Anbieters (Enterprise Resource Planning) aufgeht, rund 200 DCW-Anwender auf die eigene Soft-M-Suite zu lotsen, bleibt abzuwarten.

Im vergangenen Herbst hatte SAP die DCW Software GmbH übernommen. Die DCW-Kunden reagierten überrascht und teilweise verärgert auf die Akquisition. Man habe sich mit dem Einsatz der DCW-Applikationen bewusst gegen SAP entschieden, hieß es damals in ersten Stellungnahmen. Außerdem befürchteten die Anwender das Ende des DCW-Portfolios.

SAP hat jedoch nur den Entwicklungsbereich und das deutsche Projektgeschäft übernommen, berichtet Ralf Gärtner, Marketing- und Vertriebsvorstand von Soft M. Nicht verkauft wurde dagegen der Auslandsbereich von DCW. Dieses Segment mit Standorten in Polen, Tschechien, Österreich, Italien und der Schweiz habe als separate Organisation unter der Leitung eines zentralen Managers funktioniert.

Mit den Auslandsverantwortlichen sei man schnell ins Gespräch gekommen, erzählt Gärtner weiter. Soft M habe nach kurzen Verhandlungen das Gros der Mitarbeiter sowie den zentralen Manager übernommen. Fahim Mohmand bekleidet heute die Position des Manager International Sales von Soft M, heißt es in einer offiziellen Mitteilung des ERP-Anbieters. Gärtner zufolge hat die SAP erst spät von der Sache erfahren. "Doch dann war es bereits fünf nach zwölf." Zwar hätten die Walldorfer versucht, mit viel Engagement und Geld die ehemaligen DCW-Mitarbeiter wieder umzudrehen. Das habe aber nicht geklappt.

Soft M zufolge setzen derzeit rund 600 Anwender in Deutschland und 200 Kunden im europäischen Ausland die auf IBMs AS/400- beziehungsweise I-Series-Plattform basierende DCW-Software ein. Kürzlich hat sich unter dem Dach der IBM-Anwendervereinigung "Common" ein DCW-Arbeitskreis gebildet. Die über 40 Mitglieder wollen für die Zukunft ihrer ERP-Lösung kämpfen. Laut einem Common-Bericht fühlen sich die DCW-Anwender von der SAP "nicht wirklich verstanden". In ersten sondierenden Gesprächen seien nur die Vorzüge der SAP-Welt aufgezeigt worden. Auch die Preisgestaltung der Walldorfer sei nicht akzeptabel. Zwar seien die Lizenzmodelle diskussionsfähig, "der Aufwand für die Beratungsleistungen, die Migration sowie die Umstellung der DCW-Basis erscheint dagegen nicht bezahlbar".

SAP beabsichtigte, die DCW-Kunden auf Business One zu migrieren, erläutert Gärtner. Das zeige jedoch, wie wenig sich SAP mit diesem Markt beschäftigt habe. Das DCW-Produkt sei eine hochwertige ERP-Lösung gewesen, die der Hersteller gegen R/3, mySAP oder All-in-One positioniert habe. Dies belege, dass SAP das Know-how über den Mittelstand fehle.

Die Soft-M-Verantwortlichen wollen mit dem im Handstreich übernommenen Geschäftsbereich von DCW ihre Auslandsbasis stärken. Der ERP-Anbieter aus Süddeutschland glaubt sich dabei in einer guten Position. Im Bereich Rechnungswesen im AS/400-Umfeld habe es wenig Wettbewerb gegeben, erläutert Gärtner. Die nahe liegendste Alternative zu DCW sei immer Soft M gewesen.

Soft M will die Auslandskunden von DCW laut offiziellen Bekundungen weiterbetreuen. Außerdem habe man mit Hilfe der DCW-Mitarbeiter parallel Migrations-Tools zur Soft-M-Suite entwickelt. Damit sei Soft M auch in Deutschland in vielen Gesprächen mit DCW-Kunden, beteuert Gärtner. Der Vorteil von Soft M sei, mit den neuen Mitarbeitern sowohl die Soft-M- wie auch die DCW-Seite abdecken zu können.

Ob die von Soft M erhofften Migrationsaufträge unterzeichnet werden, bleibt jedoch abzuwarten. Laut der in Common organisierten Anwendergruppe ist man an einem längerfristigen Einsatz der DCW-Software über das Jahr 2008 hinaus interessiert. Man wolle alle Anstrengungen unternehmen, den Fortbestand der DCW-Software abzusichern.

Gärtner von Soft M äußert sich dennoch optimistisch. Es gebe eine große Gruppe von DCW-Kunden, die seit Dezember vergangenen Jahres auf der Suche nach einer Alternative sei. Im März und April sollen einige wichtige Entscheidungen fallen. (ba)