CeBIT: Neue Computergeneration muss Strom sparen

09.03.2006
Die Formel zur Leistungssteigerung eines Computerchips war in der Vergangenheit recht einfach: Mehr Transistoren und eine höhere Taktfrequenz der Halbleiter sorgten quasi automatisch dafür, dass die Performance des Chips ständig zulegte.

Doch dieses Prinzip ist nun ausgereizt, denn der damit verbundene ständig steigende Stromverbrauch der Mikroprozessoren bereitet an allen Ecken und Enden immense Probleme. Daher setzen Intel und AMD inzwischen auf Konzepte, die den Energiehunger ihrer Chips deutlich drosseln und dabei dennoch Raum für Leistungssteigerungen ermöglichen.

Der hohe Stromverbrauch moderner Chips wird im Betrieb des Computers vor allem in Hitze umgewandelt. Um die wertvollen Halbleiter vor dem Hitzetod zu bewahren, müssen in Computern meistens mehrere Lüfter eingesetzt werden, die den Rechner in ein lärmendes Gerät verwandeln und den Energiebedarf des Systems noch weiter in die Höhe treiben. Daher machen die meisten Laptops bereits nach zwei, drei Stunden Batteriebetrieb schlapp. Und lauten Multimedia-PCs blieb bislang der Weg ins Wohnzimmer verwehrt. "Energie beschäftigt uns alle. Es ist die nächste große Herausforderung", sagte Intel-Technologie -Chef Justin Rattner auf dem Entwickler-Forum seines Unternehmens in San Francisco.

Niedrigere Taktfrequenz

Intel setzt dabei wie sein Konkurrent AMD auf die Verwendung mehrerer Prozessor-Kerne, die mit niedrigeren Taktfrequenzen betrieben werden als beispielsweise die bisherigen Pentium-Systeme. Durch eine Absenkung der Taktfrequenz um 20 Prozent verbraucht ein Chip nur noch die Hälfte des Stroms, verliert aber gleichzeitig nur 13 Prozent seiner Performance, erläuterte Rattner den Entwicklern in San Francisco. Fügt man zwei dieser "untertakteten" Systeme zusammen, landet man beim Stromverbrauch wieder auf dem Niveau des auf 100 Prozent getakteten Einzel-Systems. Die Leistung des Doppelkern-Systems liegt aber rund 70 Prozent darüber.

Im Laptop-Segment fällt der Stromspareffekt noch vergleichsweise gering aus, denn hier setzte Intel bereits auf Stromspar-Techniken, die wie das neue Core-Duo-System in Israel entwickelt wurden. Bei einem herkömmlichen Desktop-PC wird der Energiespar-Effekt schon sehr viel deutlicher. Der unter dem Codenamen Conroe entwickelte Doppelkern-Chip wird im Vergleich zu einem aktuellen Pentium-Prozessor 40 Prozent weniger Strom verbrauchen und gleichzeitig 40 Prozent mehr Leistung bieten. Mit Prozessoren wie dem Conroe wird der Weg frei für attraktive Multimedia-Systeme, die völlig ohne Lüfter auskommen und somit im Betrieb kaum mehr zu hören sind. Intel präsentierte in San Francisco das in Deutschland entwickelte System "BoxOne" der Hamburger Hig Def Technology als Musterbeispiel.

Neue Impulse verspricht der Chipgigant sich auch von einer neuen Computerklasse, dem Ultra Light PC. Auf dem IDF wurden drei Vorserien-Modelle präsentiert. Kleiner als ein Notebook, aber größer als ein herkömmlicher Personal Digital Assistant (PDA), soll der Taschencomputer ständiger Begleiter der High-Tech-Nomaden werden, die unterwegs ständig auf Online-Informationen oder Unterhaltungsinhalte zugreifen wollen. (dpa/tc)