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CeBIT-Kommentar: Are you ready to win?

23.03.2001

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - Nach einem harten Messetag und einer oft noch härteren Messenacht ist es nicht immer leicht, aus dem Bett zu kommen. Trotzdem: Es lohnt sich, den Wecker eine halbe Stunde früher zu stellen und vor dem offiziellen Anpfiff auf dem Messegelände zu sein. Dann schlägt die große Stunde der Einpeitscher, die ihre Mannschaft auf Trab bringen.

"Are you ready to win?", schallt es vom Intershop-Stand. "Are you ready to win?", herrscht der gutaussehende Chefmotivator seine Crew noch einmal an. Offenbar ahnen weder er noch das übermüdete Standpersonal, welch perfide Doppeldeutigkeit Außenstehende hinter diesem Spruch entdecken können.

Die Frage nach der Profitabilität oder gar nach der Überlebensfähigkeit der Unternehmen lastet in diesen Tagen auf vielen Gesprächen, die auf der Messe geführt werden. Wer zu Intershop geht, denkt nicht nur an "Enfinity" und den smarten Gründer Stephan Schambach, er denkt auch an Börsencrash, Burnrate und Verluste. Unternehmen, die den Schritt an die Börse gewagt haben, um sich das nötige Wachstumskapital zu holen, erleben jetzt die Nachteile der Transparenz: Die Qualität der Firma und der Produkte wird am Geschäftsergebnis und der Performance des Aktienkurses gemessen.

Mit dem Verfall der Kurse ist auch der Wert der Aktienoptionen der Mitarbeiter vernichtet worden. Ist der Anteil der variablen Vergütung hoch, sind Frust und Demotivation unweigerlich die Folgen. Diese Leute haben nun die Aufgabe, Kunden an den Messeständen von der Qualität ihrer Firma und ihrer Produkte zu überzeugen. Viele dürften jedoch die Gelegenheit nutzen, interessierte Besucher von ihrer eigenen Qualität zu überzeugen.

Einpeitscher hin, Leads her: Auf dieser CeBIT werden ebenso viele Personal- wie Verkaufs- und Beratungsgespräche geführt. Profiteure sind die Traditionsunternehmen, die - sofern sie nicht selbst einen konjunkturbedingten Einstellungsstopp verhängt haben - die besten Leute der kränkelnden Startups abwerben. Das Angebot ist reichhaltig und betrifft nicht nur Techniker: Etliche Vorstandsmitglieder von Dotcoms sind "frei geworden", wie eine Diskussion im Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE zeigte. (Heinrich Vaske)