Besucherzahl gestiegen

CeBIT: ITK-Branche sieht Messe wieder in der Erfolgsspur

10.03.2008
Die grundlegend reformierte CeBIT ist aus Sicht der Hightech-Industrie nach schwierigen Jahren wieder in der Erfolgsspur. 2008 kamen 495.000 Besucher nach Hannover, drei Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Computermesse habe dank eines neuen Konzepts die Trendwende geschafft, sagte der Präsident des Branchenverbandes BITKOM, August-Wilhelm Scheer, am Sonntag zum Abschluss der CeBIT in Hannover. Der Vorstandschef der Deutschen Messe AG, Sepp Heckmann, sagte, die CeBIT habe eine "neue Phase des Wachstums" eingeläutet. Trotz einer um einen Tag verkürzten Messedauer stieg die Zahl der Besucher im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 495.000.

"Der Neustart ist gelungen", sagte Messe-Vorstandsmitglied Ernst Raue. Die CeBIT mit mehr als 5800 Ausstellern habe wieder ein "scharfes Profil", in der IT-Branche gebe es einen neuen Optimismus. Scheer sagte, das neue Konzept mit einer klareren Aufteilung und mehr Inhalt sei gut angekommen. Die Aussteller seien hochzufrieden, die Auftragsbücher voll. Das Nachmessegeschäft werde stärker ausfallen als in den Vorjahren.

Neues Konzept

Business Solutions ist eine der neuen CeBIT-Säulen.
Business Solutions ist eine der neuen CeBIT-Säulen.
Foto: Deutsche Messe AG

Aufgrund der starken Veränderungen im Informations- und Telekommunikationsmarkt, Absagen großer Firmen und Irritationen in der Branche über den Kurs der CeBIT hatten die Veranstalter der Messe ein neues Konzept verpasst. Dieses sieht drei Säulen vor - im Kern die Bereiche Business und Handel, öffentliche Verwaltungen und neue Technologien. Im Vordergrund sollte stärker als früher der Nutzen für die Besucher stehen. Die Messe wurde zudem um einen auf sechs Tage verkürzt, damit die Firmen Kosten sparen können.

BITKOM-Vizepräsident Achim Berg forderte, der Bereich Kongresse und Tagungen auf der CeBIT müsse weiter ausgebaut werden. Das Thema Wissensmanagement gewinne immer mehr an Bedeutung, sagte der Microsoft-Deutschlandchef der dpa. Dazu müsse die Messegesellschaft aber in den Ausbau der Tagungsbereiche auf dem Messegelände investieren.

Ab 2009 kommt die "virtuelle CeBIT"

Ab 2009 soll die reale Messe das virtuelle CeBIT-Jahr krönen.
Ab 2009 soll die reale Messe das virtuelle CeBIT-Jahr krönen.

Das Top-Thema der Computermesse war "Green IT", umweltfreundlichere Informationstechnologie. Zu weiteren Schwerpunkten zählten mobiles Internet, Telematik und Navigation, IT-Sicherheit sowie der Fachkräftemangel.

Trotz des neuen Konzepts war die Zahl der CeBIT-Aussteller um etwa fünf Prozent gesunken, die Ausstellungsfläche um mehr als zehn Prozent auf rund 240.000 Quadratmeter. Die Messe nannte vor allem zwei Gründe: Der starke Euro belaste die Budgets von Firmen aus Übersee, zudem spiegele die geringere Ausstellerzahl den Konzentrationsprozess in der Branche wider.

Messe-Vorstandschef Heckmann kündigte an, zur Computermesse 2009 solle im Internet eine "virtuelle CeBIT" starten. Die Messegesellschaft wolle einen ganzjährigen Marktplatz für die Branche schaffen. Die Messe selbst im März solle dann der Höhepunkt des CeBIT-Jahres sein.

"Green IT": Hightech-Industrie hat noch viel zu tun

Green IT - das Top-Thema der CeBIT 2008.
Green IT - das Top-Thema der CeBIT 2008.

Die Farbe der "neuen" CeBIT war grün - die Hightech-Industrie scheint den Klimaschutz entdeckt zu haben. "Green IT" war das Zauberwort auf der grundlegend reformierten Computermesse in Hannover, die am Sonntag endete. Bei umweltfreundlicher Informationstechnologie aber ist noch viel zu tun: Die Branche hat eine Menge Nachholbedarf.

In der Vergangenheit war Umweltschutz in der IT-Industrie weitgehend ein Fremdwort. Was zählte, war immer mehr Leistung der Rechner. Aus Sicht des Marktforschungsunternehmens Gartner aber hat sich "Green IT" in den vergangenen zwölf Monaten von einem Nischenthema zu einem Boomthema entwickelt, das nicht mehr von der Tagesordnung der IT-Branche verschwinden wird.

Zwei Prozent der CO2-Emission durch ITK

Etwa zwei Prozent des weltweiten Ausstoßes des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) entfallen auf IT und Telekommunikation. Die Industrie liegt damit in etwa gleichauf mit dem Luftverkehr. Beim lange vernachlässigten Thema Klimaschutz sieht sich die Hightech-Industrie nun als "Innovationsmotor". Der Einsatz der richtigen IT-Produkte und Dienstleistungen könne den Energieverbrauch in fast allen Branchen senken.

"Es hat in diesem Jahr einen Hype um Green IT gegeben", sagte Siegfried Behrendt, Experte für Nachhaltiges Wirtschaften am Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung. "Das Thema ist aber keine Eintagsfliege." Denn die Firmen stünden angesichts der steigenden Stromkosten unter dem wirtschaftlichen Druck, zum Beispiel ihre Rechenzentren energieeffizienter zu machen. Zudem sei das Thema Klimaschutz gesellschaftspolitisch von herausragender Bedeutung.

Umwelt- und Verbraucherschützer skeptisch

Umwelt- und Verbrauchschützer betrachten den neuen Trend zum Klimaschutz in der IT-Branche mit Skepsis. "Ein paar energieeffizientere Geräte machen noch keinen Sommer", kritisierte die Verbraucherzentrale Bundesverband. Mit der Etikettierung "Green IT" werde der Eindruck erweckt, es handle sich um umweltschonende Produkte. "Die IT-Branche darf nicht nur zur Messe grün sein, sondern muss jetzt die Ernsthaftigkeit ihrer Initiative in der gesamten Produktpalette unter Beweis stellen." Die Hersteller müssten Stromfresser aus ihrem Sortiment verbannen und die Verbraucher angemessen über Umwelt- und Energieeigenschaften informieren.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte ein entschiedeneres Vorgehen der Branche gegen das Elektroschrott-Problem. Von den bis zu 50 Millionen Tonnen Elektronik-Müll, die jährlich anfielen, lande nur ein geringer Teil in offiziellen Recycling-Anlagen. Die ausgemusterten Computer, Monitore oder Handys enthalten zahlreiche giftige Substanzen wie Blei und Quecksilber oder den Dioxin ausstoßenden Kunststoff PVC.

Mehr Veranstaltungen und Kongresse

Die Deutsche Messe braucht mehr Kapazität für Kongresse und Tagungen.
Die Deutsche Messe braucht mehr Kapazität für Kongresse und Tagungen.
Foto: Deutsche Messe AG

Die Industrie indes verspricht, bei "Green IT" erst am Anfang zu stehen. "Das Thema setzt sich fort, das ist auch ein wichtiger Markt", sagte der Präsident des Branchenverbandes BITKOM, August-Wilhelm Scheer. Laut einer Umfrage sind die weitaus meisten Verbraucher in Deutschland bereit, mehr Geld für umweltfreundlichere Computer zu zahlen.

Den CeBIT-Machern ist es mit "Green IT" erstmals seit Jahren gelungen, wieder ein echtes Top-Thema zu setzen. Noch mehr ausgebaut werden soll die Zahl der Kongresse und Tagungen. Dabei stehen die CeBIT-Macher aber vor einem Kraftakt - die Tagungskapazitäten auf dem Messegelände haben ihre Grenze erreicht, nötig sind Neubauten oder Umbauten. (dpa/tc)