CeBIT in Zeiten des Web 2.0

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Die Messe ist auch ein virtuelles Großereignis. Dieses Jahr wollen ihre Macher erstmals direkten Kontakt zur Online-Community aufnehmen.

Wer keine Lust auf Standbesuche hat, kann ja mal versuchen, seine Informationen und "Messeimpressionen" im Web zu sammeln. So muss der Wissenshungrige sich nicht durch volle Hallen arbeiten, aber doch durch allerlei "Content". Anlaufstellen sind heute nicht mehr nur Informationsangebote wie die CeBIT-Homepage mit ihren Pressemitteilungen und dem E-Mail-Dienst, Herstellerinformationen oder Portale wie Computerwoche.de, das Nachrichten, RSS-Feeds, Podcasts und Web-TV beisteuert. Vielmehr hat auch das Mitmach-Web, neudeutsch: Web 2.0, die Messe für sich entdeckt (siehe auch "Web 2.0 stellt Unternehmen auf die Probe"). Immer mehr Weblogs und Akteure sozialer Netzwerke wollen ihre persönlichen CeBIT-Ansichten und -Erfahrungen samt Bildern mitteilen. Diese Kommentare lassen sich etwa unter den Suchbegriffen "CeBIT Blog" über Google, Yahoo, Technorati oder "Mister Wong" schnell aufstöbern und ergeben mengenmäßig vielleicht schon mehr, als es dem eiligen Messemuffel lieb ist. Hinzu kommen Tausende Fotos in Foto-Communities wie flickr.com, CeBIT-Filmchen in der Video-Community Youtube.com, oder es wird in Communities wie Myspace über Hannover und die Messe gequasselt.

Raue 2.0: Der Chef der Deutschen Messe AG tippt seine Innovationsvorschläge in das zur Messe stratende Community-Protal "CeBIT Next".
Raue 2.0: Der Chef der Deutschen Messe AG tippt seine Innovationsvorschläge in das zur Messe stratende Community-Protal "CeBIT Next".
Foto: CeBIT

Die CeBIT-Informationen im sozialen Web reichen dementsprechend von ernst über humorig bis belanglos. Viele Einträge und Bilder sind noch auf dem Stand von vor einem oder zwei Jahren. Zudem sind viele Blogs bisher als Erweiterungen von Medien-, Hersteller- und Agentur-Websites aufgebaut und bringen ihre Botschaften nun halt einmal anders. Andererseits nimmt beispielsweise der neue COMPUTERWOCHE-Blog "Messeschnellweg" langsam Fahrt auf, um bewusst abseits der großen Meldungen und Messeereignisse die CeBIT zu kommentieren. Ferner haben eine ganze Reihe privater Blogger wie Franz Patzig mit "Franztoo", Jörg Dennis Krüger mit seinem "ecmblog" oder Andreas Schepens mit "Glück auf!" das IT-Großereignis für sich entdeckt. Allerdings beklagt Letzterer, dass sich im letzten Jahr noch die Messe-Postings auf ein paar Unverdrossene beschränkten, und fordert daher für dieses Jahr mehr Engagement in Form von Blog-Einträgen, Flickr-Bildern oder Youtube-Videos.

Dass sich da etwas unkontrolliert im sozialen Web tut, haben auch die Messemacher bemerkt und mit Kooperationen und eigenen Projekten darauf reagiert. So können sich im Rahmen der Veranstaltung "CeBIT Mittelstand" Mitglieder des virtuellen Business-Netzwerks Xing (vormals Open BC) online zu diversen Aktivitäten treffen. Ferner ist für Sonntag, den 18.März, in Halle 3 in der "Content Management Arena" erstmals ein Weblog-Camp geplant, auf dem sich Interessierte und Web-2.0-Akteure austauschen können. Virtuell kann sich der Interessierte zumindest den dazugehörigen Wiki angucken. Allerdings stieß diese Idee auf wenig Gegenliebe in der Blogosphere (neudeutsch für Gemeinschaft der Blogger). Sie kritisieren, dass die Veranstalter das in der Szene viel geschätzte Barcamp-Prinizip kommerziell ausschlachten wollen. Barcamps basieren zwar meist auch auf Wikis, sind aber spontane, offene und vor allem ungesteuerte Themendiskussionen (Brainstorming) im Web. Die Messe hat nun reagiert und will den Event anders organisieren.

Erstmals zur CeBIT 2007 wird auch die Initiative "CeBIT Next" aktiv, mit der die Veranstalter ihre Vorstellung eines Social Webs umsetzen möchten. Hinter diesem Namen verbirgt sich laut Eigenwerbung "ein massiv paralleles Chat- und Innovationsideen-Portal, mit dem die Deutsche Messe Hannover die Besucher und Aussteller der CeBIT aufruft, selbst zu Innovatoren zu werden". Das Projekt wurde gemeinsam mit IBM umgesetzt und stellt eine mit Flash-Technik entwickelte interaktive Browser-Oberfläche bereit. Server-seitig wurde die Lösung mit PHP und Java entwickelt, die Daten und Animationen liegen auf einer DB/2-Datenbank und einem Media-Server.

Der Benutzer findet sich beim Besuch des Portals grafisch in einem "Ideen-Ozean" wieder, auf dem die eingegebenen Ideen als Wasserpflanzen schwimmen, schwärmt die Messe. Inhaltlich finden sich drei Themenbereiche: "Future Fair" (Messen), "Future Work/Life" (zukünftiges Leben und Arbeiten in der digitalen Welt) und "Future Health" (Gesundheit). In ihnen sollen Messebesucher ihre Ideen und Erwartungen an diese Community austauschen, sich miteinander vernetzen und gegenseitig bewerten. Der Benutzer kann dabei nicht nur den Verlinkungen über das Ideenmeer folgen, sondern diese Verlinkungen auch verändern und beeinflussen. Als Schirmherr für das Thema Future Life/Work konnte der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx gewonnen werden. Die Anwendung soll ab dem 14. März verfügbar sein - allerdings nur für Messebesucher. Geplant sind Stationen in den Hallen 1 auf dem IBM-Stand, 2, 5, 9 und 16 sowie im Convention Center.