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CeBIT: "Hewlett-Packard braucht einen neuen CEO"

13.03.2002

HANNOVER (COMPUTERWOCHE) - Bernd Bischoff, Executive Vice-President Marketing & Customer Services bei Fujitsu-Siemens Computers (FSC) und 21 Jahre lang bei Hewlett-Packard (HP) beschäftigt, hat herbe Kritik an HP-Chefin Carleton Fiorina und ihren Fusionsplänen mit Compaq geäußert. Was HP wirklich brauche, sei "ein neuer CEO". Bischoff glaubt, dass es im Falle einer genehmigten Fusion zu Massenentlassungen kommen wird.

Am Rande der FSC-Pressekonferenz auf der CeBIT in Hannover sagte Bischoff gegenüber der COMPUTERWOCHE, die Fusion gebe "überhaupt keinen Sinn", "da tun sich zwei Hersteller mit einem identischen Produktangebot zusammen". Statt eines Firmenzusammenschlusses benötige HP "einen neuen CEO". HP sei zwischen 1993 und 1998 erfolgreich im PC-Geschäft gewesen, "dann kam Carleton Fiorina", sagte Bischoff.

Bischoff hat 21 Jahre in verschiedenen Management-Positionen bei HP gearbeitet. Er hält immer noch Aktien der Fiorina-Company: "Ich habe als Aktionär gegen die Fusion gestimmt."

Aus der Sicht des Konkurrenten FSC sei die Fusion hingegen eine gute Nachricht. "Die beiden Firmen werden jahrelang damit beschäftigt sein, die Integration zu bewältigen." Außerdem sei es bei Firmenverschmelzungen dieser Größenordnung nicht so, dass eins und eins zu zwei addiert werden würde: "Das summiert sich im aktuellen Fall maximal auf anderthalb, eher aber weniger." Diese Marktanteile, die ein vereinigtes HP-Compaq verlieren werde, habe man im Auge.

Das Unternehmen HP-Compaq werde auch im Handelskanal Schwierigkeiten bekommen: "Getrennt belieferten beide Firmen den Kanal mit rund 70 Prozent aller Systeme." IBM hat sich aus diesem Vertriebsweg zurückgezogen, FSCs Anteil bei Vertriebspartnern ist noch eher gering. Dieser extreme Einfluss werde sich künftig, sollte die Fusion genehmigt werden, auf eine einzige Firma konzentrieren. "Das werden die Vertriebspartner nicht lieben."

Bischoff erwartet, dass es bei einer Fusion zu Massenentlassungen kommen wird. "Ich rechne damit, dass 50.000 Mitarbeiter gehen müssen." HPs Chefin Fiorina und ihr Compaq-Gegenpart Michael Capellas sagen offiziell, dass im Fall einer Fusion rund 15.000 Mitarbeiter ausscheiden müssten. HP-Compaq hätte dann noch rund 135.000 Mitarbeiter weltweit. (jm)