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CeBIT endet mit positiver Bilanz

21.03.2007
Ernst Raue, im Vorstand der Deutschen Messe AG für die CeBIT verantwortlich, konnte auch zum Ende der Messe lächeln: Die Bilanz fällt positiv aus.

Raue meldete für die CeBIT einen Besucheranstieg von über zehn Prozent auf 480 000 Besucher. Außerdem seien geplante Investitionen in Höhe von elf Milliarden Euro zu verzeichnen. Schon auf der Halbzeitpressekonferenz hatte Raue gesagt, das Investitionsvolumen übersteige das des Vorjahres, "da kann keine Fachmesse mithalten".

Raue fuhr fort, die 6153 Aussteller ( 2006: 6143 Aussteller) aus 76 Ländern (plus Deutschland) hätten sich "positiv bis sehr positiv über die gestiegene Zahl der und die Qualität ihrer Gesprächspartner" geäußert. 106 000 Besucher der CeBIT 2007 seien aus über 100 Ländern gekommen. Er sagte, 379 000 Fachbesucher (14 000 mehr als 2006) hätten die CeBIT 2007 besucht. Mit 3344 ausländischen Ausstellern habe die CeBIT 2007 ebenfalls einen Rekord zu vermelden.

Sieht man einmal von der SAP ab, gab es auf der CeBIT wenig Neues. Das überraschendste war das schöne Wetter an den ersten drei Messetagen. Doch sehen Sie selbst, was Aussteller und CeBIT-Offizielle zur diesjährigen Computershow sagen (Video, ca. acht Minuten).
Sieht man einmal von der SAP ab, gab es auf der CeBIT wenig Neues. Das überraschendste war das schöne Wetter an den ersten drei Messetagen. Doch sehen Sie selbst, was Aussteller und CeBIT-Offizielle zur diesjährigen Computershow sagen (Video, ca. acht Minuten).

Harald Stöber, Mitglied des Präsidiums des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), sagte, die Veranstaltung in diesem Jahr sei wieder eine "richtige CeBIT gewesen, das Ende der Messe stimme einen richtig wehmütig". Eine Woche lang schaue die gesamte Fachwelt auf Hannover. Die Verkürzung der CeBIT 2008 um einen Tag werde die Kosten reduzieren helfen und sei im Sinne der Aussteller.

Oleg Byakhov, Generaldirektor im Ministerium für Informationstechnologie und Kommunikation der Russischen Föderation, zeigte sich sehr zufrieden über die Teilnahme Russlands als Partnerland an der CeBIT. Über 100 000 Fachbesucher seien auf den Hauptstand seines Landes gekommen: "Es hat nie eine bessere Gelegenheit gegeben, Russlands IT-Knowhow einer so großen Öffentlichkeit zu präsentieren."

Messechef Raue sagte weiter, das Konferenzprogramm sei so umfangreich gewesen wie nie zuvor und nicht vergleichbar mit irgendeiner anderen Veranstaltung weltweit. Dieses werde 2008 noch ausgebaut.

Der Messechef kommentierte den Messeverlauf sehr zufrieden: " Mit der CeBIT 2007 haben wir die Trendwende erfolgreich gemeistert. Das neue Konzept für 2008 baut darauf auf."

Neues Konzept in der Kritik

Eben dieses Konzept ist aber von Ausstellern durchaus kritisch kommentiert worden. Im kommenden Jahr wird die CeBIT um einen Tag verkürzt. Sie findet von Dienstag bis Sonntag statt (4. bis 9. März 2008) - also wieder inklusive eines kompletten Wochenendes mit Sonntag als letztem Messetag.

Phillip Rimensberger, Leiter Business Development des Schweizer ERP-Anbieters Bison AG sieht das neue Messekonzept für die CeBIT 2008 mit gemischten Gefühlen. "Wenn nach vier Messetagen am Wochenende die Consumer auf das Messegelände stürmen, brechen die Anbieter von Business-Lösungen bereits ihre CeBIT-Zelte ab." Dann könnten ganze Hallen verwaist sein, während in den bunten Multimedia-Bereichen der Messetrubel tobe, so Rimensberger weiter.

Wegen des CeBIT-Endes an einem Wochenende bekommt auch Stefan Engel, Geschäftsführer der Acer Computer GmbH, heute schon graue Haare: "Mir graut vor dem Sonntag. Das Standpersonal ist dann müde, muss sich aber mit den Endkunden beschäftigen und soll nebenbei noch den Stand abbauen." Außerdem müssten für manche Arbeiten Sonntagszuschläge bezahlt werden. Engel fordert dementsprechend: "Wir wünschen uns eine CeBIT von Dienstag bis Samstag."

Bitkom-Mann Stöber sagte, wenn ein Aussteller schon vorzeitig seinen Stand abbaue, sei das vor allem schlechter Stil. Das passiere im Übrigen auch jetzt schon am Mittwoch, dem bislang letzten Messetag.

Raue kommentierte die Kritik an der unklaren Messeausrichtung mit der Hinwendung sowohl zu Konsumenten als auch zu B-to-B-Kunden: "Wir haben eine ganz klare Ausrichtung der Messe und die lautet B-to-B. Hätten wir das nicht, dann hätte die CeBIT so nicht stattgefunden und es wären nicht 480 000 Besucher gekommen." Insgesamt sei der Anteil der Fachbesucher an der gesamten Besucherzahl zwar leicht auf 80 Prozent gesunken, die absolute Zahl der Fachbesucher aber sei um14 000 gestiegen.

Nicht alle sind begeistert

Umfragen der COMPUTERWOCHE unter Herstellern zeigten, dass Raues Ansicht nicht von allen geteilt wird. So meinte etwa Johannes Untiedt, Vorstand beim Berliner Softwarehaus Inubit, das Konzept der CeBIT müsse noch stärker auf Fachbesucher ausgerichtet werden. "Es gibt zu viele Consumer-Themen, zu viele Privatkunden", kritisiert er. Das Konzept der CeBIT sei einfach nicht klar genug. Die künftige Messeteilnahme stehe zwar nicht in Frage, aber "die CeBIT muss besser werden." Stephan Koch, Regional Sales Manager beim Unteraussteller Webmethods, schlug in die gleiche Kerbe: "Es gibt viel zu wenig Business-Besucher, vor allem im Vergleich zu spezialisierten Fachmessen, auf denen Webmethods sonst vertreten ist. Für uns ist die CeBIT nicht die optimale Messe."

Das wesentliche Problem der CeBIT sieht auch André Koch, Product Marketing Manager bei Funkwerk, in deren Positionierung und Fokussierung. Generell sei aber die CeBIT "die einzige große Messe für Funkwerk" - allerdings müsse das Unternehmen prüfen, ob und welche Alternativen es gibt.

Dietmar Holderle, Vice President für Kontinentaleuropa Foundry Networks, ist die Ausrichtung ebenfalls noch zu stark konsumentenlastig. "Ich sehe nicht, dass genug unternommen wurde, um mehr B-to-B auf die Messe zu bringen."

Regina Mehler, Marketing-Managerin bei der Software AG, zeigte sich hingegen zufrieden. Die SAG ist nach drei Jahren erstmals wieder in Hannover vertreten und auf der CeBIT Hauptsponsor der SOA World. "Die Software AG wollte einen großen Auftritt, um ihre SOA-Strategie zu kommunizieren." Mehler weiter: "Auf der CeBIT geht es uns vor allem um Image und Branding." Die Besucherqualität sei durchmischt gewesen, vom "hochkarätige Interessenten bis zum Studenten, der sich am HR-Stand nach Jobs erkundigte."

Sehr positiv äußerte sich Udo Reckemeyer, Press Officer Communications bei Alcatel-Lucent Deutschland. Die Messe sei eindeutig eine wichtige Ausstellungsveranstaltung, Plattform für Kundengespräche und dazu da, Lösungen zu zeigen - mithin "ein Muss für Unternehmen, sich zu präsentieren."

Einmal nach Rio und zurück

Wolfgan Grandjean, Marketing-Leiter bei Wilken, Business-Software-Anbieter aus Ulm, macht eine deutliche Rechnung auf: "Uns kostet das CeBIT-Engagement 150 000 Euro. Dafür kann ich mit meinen Kunden auch nach Rio fliegen." Wie viele andere Aussteller ist Grandjean der Meinung, dass die CeBIT eine deutlichere Fokussierung braucht. "Geschäfts- und Privatkunden auf einer Messe - das ist keine klare Ausrichtung." Für Wilken seien branchenspezifische Messen interessanter, um Neukunden zu gewinnen. Dazu zählten die Energiewirtschaftsmesse "E-World" und die auf das elektronische Bestellwesen spezialisierte "E-Procure".

Boris Kaapke, PR-Manager von BT Germany, sieht die Veranstaltung in Hannover mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits sei nicht von der Hand zu weisen, dass "die CeBIT in einer Krise steckt." Andererseits gebe es keinen anderen Event, bei dem BT Germany so viele Vertreter der eigenen Zielgruppe erreichen könne. Alles in allem könne sein Unternehmen über den Verlauf der CeBIT 2007 nicht klagen. Ganz im Gegenteil sei man mit der Messe sogar sehr zufrieden. BT locke viele Besucher an, zudem habe das TK-Unternehmen schon zu Beginn der Ausstellung einen überraschenden Vertragsabschluss tätigen können.

Aloke Palsikar, Deutschland-Chef des indischen IT-Dienstleisters Satyam: "Auf der CeBIT treffen wir viele Kunden und Partner, insofern ist die Messe für uns wichtig." Die Besucher führten aber - anders als auf Fachmessen - technisch und fachlich weniger tiefgründige Gespräche. Der Auftakt in der Outsourcing-Halle 8 sei sehr verhalten gewesen, der Zuspruch habe sich aber im Lauf der Messe verbessert.

Diese Klagen hatte Raue schon vor drei Tagen gekontert mit der Aussage: "Technologien sind konvergent, sie wachsen zusammen. Das können sie nicht mehr trennen." Er nannte das Beispiel Handy: Das werde die "Fernbedienung der Zukunft". Und da "kann ich ja nicht sagen, ich schneide die Consumer-Elektronik ab." Der Kern der CeBIT bleibe aber "die Business-Plattform für die digitale Welt".

Achim Berg, Geschäftsführer Microsoft Deutschland GmbH, sagte, für sein Unternehmen sei die CeBIT 2007 "ein großer Erfolg" gewesen. Ralf Strauß, Leiter Marketing Zentraleuropa SAG Deutschland AG & Co., stuft die 21. CeBIT " für SAP als eine sehr erfolgreiche Messe" ein. Strauß weiter: "Im Durchschnitt lag der Neukundenkontakt um 50 Prozent höher als auf der vergangenen CeBIT."

Marcel Schneider, Präsident und Geschäftsführer Sun Microsystems GmbH, vertritt die Ansicht, die Tage Samstag und Sonntag seien aus Sicht eines B-to-B-Herstellers schwache Tage mit wenig Fachpublikum. "Für die Zukunft wünschen wir uns eine bessere Gliederung in B-to-B- und Consumer-Bereich." (jm)

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